Eine Runde Wissenschaft im Riesenrad

31. August 2010, 19:57
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Das Wiener Forschungsfest schlägt heuer im Prater seine Zelte auf

Der Wiener Prater war schon immer gut für Überraschungen - auch technischer Natur. 1873 beherbergte er die fünfte Weltausstellung, 1895 wurde mit "Venedig in Wien" der erste Themenpark der Welt erschaffen. Um die Jahrhundertwende begann im Prater die Kinematografie ihren Lauf, und auch andere Erfindungen und Ideen wurden nicht selten hier erstmals einem größerem Publikum vorgestellt. Nicht zuletzt stellte das 1897 errichtete Riesenrad eine technische Meisterleistung seiner Zeit dar.

An diese Tradition als Nährboden für Innovationen will auch das Wiener Forschungsfest anknüpfen, das heuer vom 18. bis 20. September auf der Kaiserwiese im Prater stattfindet. Kern ist ein Ausstellungszelt, in dem 50 Forschungseinrichtungen und Unternehmen unter dem Motto "Wien. Meine Stadt 2020" ihre aktuellsten Ergebnisse anschaulich präsentieren.

Am 18. September wird zusätzlich einen Nachmittag lang das Riesenrad in ein "Forschungsrad" umfunktioniert. Mehr als 40 in Wien tätige Wissenschafter werden dabei in Kooperation mit den Wiener Vorlesungen die Gondeln zu Hörsälen machen: So wird die Molekularbiologin Renée Schroeder über den "Ursprung des Lebens" sprechen, während der Genetiker Josef Penninger eine "Brave New World" umreißen wird. Der Mathematiker Karl Sigmund hält einen Kurzvortrag mit dem Titel "Der dritte Mann und die Spieltheorie", Konrad Paul Liessmann bespricht später philosophische Fragen. In anderen Gondeln werden unterschiedlichste Fragen zu Natur, Geschichte, Technik und Gesellschaft behandelt.

Sieben Forschungsgondeln

Jeweils elf Besucher können sich eine halbe Stunde mit einem Wissenschafter den Blick über Wien teilen, in sieben Gondeln wird gleichzeitig referiert. Während zweier Riesenradrunden gibt es eine kurze Einführung, dann können Fragen gestellt und diskutiert werden. "Uns geht es um die Interaktion mit den Forschern", betont Bertram Schütz von Science Communications, zuständig für die Kuratierung. Nach der Premiere des Wiener Forschungsfests am Rathausplatz im Jahr 2008 und dem "Forschungsfest on tour", das im Vorjahr durch Einkaufszentren tingelte, haben die Organisatoren rund um das Zentrum für Innovation und Technologie (ZIT) heuer den Prater als Wiener Freizeitoase ausgewählt - "um die Hemmschwelle zu Forschung und Technologie weiter abzubauen und ein Publikum zu erreichen, das weniger Zugang zu Bildung hat", wie Schütz schildert.

Um hautnahes Erleben von Forschung geht es auch im Forschungszelt, wo fünf Themenschwerpunkte - Mobilität, Energie, Gesundheit, Kultur und Kommunikation - praxisnah die technologische Zukunft skizzieren sollen. Dazu gibt es ein Outdoor-Programm mit Experimentierstationen und der Möglichkeit, eine Probefahrt mit dem Tesla-Elektromobil zu machen. Auch das Planetarium und das Pratermuseum bieten bei freiem Eintritt Extraprogramme an. (kri/DER STANDARD, Printausgabe, 01.09.2010)

 

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    Mit dem Riesenrad in luftige Höhen und zu neuen Erkenntnissen: Das Forschungsfest verwandelt heuer Gondeln in Hörsäle.

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