Alte Geräte schwächen den Forschungsstandort

31. August 2010, 19:34
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Forscher, die gute Ideen, aber nur veraltete Geräte zur Verfügung haben, sind arm dran. Sie werden irgendwann, wenn keine Neuanschaffung in Sicht ist, das Weite suchen - und in ein großeres Institut mit besserer Infrastruktur, vielleicht sogar ins Ausland wechseln. Ein Szenario, das in Österreich durchaus realistisch erscheint, wenn man die Ergebnisse der vom Forschungsrat beauftragten "Erhebung österreichischer Forschungsinfrastruktur" analysiert.

Die Studie über 1024 entsprechende Einrichtungen an Unis, FHs und Privatuniversitäten mit Ausnahme der Med-Uni Wien ergab zwar eine akzeptable Anzahl an Labors, Geräten und Apparaturen, aber auch einen hohen Investitionsbedarf für Neuanschaffungen: 1,2 bis 1,5 Milliarden Euro sollten demnach flüssig gemacht werden, 660 Milliarden Euro allein für die Universitäten. Der scheidende Ratspräsident Knut Consemüller sprach während der Technologiegespräche in Alpbach von einem "eindrucksvollen Beweis dafür, dass wir ein Hochschulinfrastrukturprogramm brauchen". Der Wissenschaftsfonds FWF und die Österreichischen Forschungsförderungsgesellschaft FFG bieten derartige Töpfe derzeit tatsächlich nicht an - auch aufgrund knapper Budgets, wie es beim FWF heißt.

Zu wenig Kooperation

Die Ratsstudie zeigt außerdem ein Defizit in der gemeinschaftlichen Nutzung von Infrastruktur. 75 Prozent werden ausschließlich von einer Institution genutzt. Consemüllers Stellvertreter Günther Bonn fordert eine bessere Vernetzung von Hochschulen und Unternehmen. Und er glaubt, dass Österreich nur im Spitzenfeld der internationalen Forschung bleiben kann, wenn sich das Land verstärkt an internationalen und europäischen Infrastrukturkooperationen beteiligt.

Als Beispiel nennen die beiden Forschungsräte die Initiative "European Strategy Forum on Research Infrastructure" (ESFRI). Österreichs Teilnahme sei aus finanziellen Gründen nur bei vier von insgesamt 44 Projekten gesichert, darunter ein Biobanken-Projekt und das neue Superteleskop E-ELT der Europäischen Südsternwarte. (pi/DER STANDARD, Printausgabe, 01.09.2010)

 

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