Eine Uhr, die Reißverschlüsse öffnet

31. August 2010, 19:25
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Wissenschafter demonstrierte in Alpbach die Physik der James-Bond-Filme

Die Luxusuhr eines Geheimagenten muss schon deutlich mehr können als nur die Zeit anzeigen. Jene Rolex zum Beispiel, die James Bond im Film Leben und sterben lassen trug, hatte ein integriertes Magnetfeld, das war so "hochintensiv", dass es nicht nur den Teelöffel des grantigen Vorgesetzten M aus etwa eineinhalb Metern Entfernung anziehen konnte. Der Agent vermochte damit auch bei der innigen Umarmung mit einer Italienerin den Reißverschluss ihres Kleides zu öffnen. Angesichts so vieler geglückter Einsätze der Technologie erscheint das Versprechen, dass die Uhr auch Kugeln aus größerer Entfernung ablenken kann, fast vernachlässigbar.

Der deutsche Experimentalphysiker Metin Tolan von der TU Dortmund hat 2008 ein Buch über die Physik in James-Bond-Filmen (Geschüttelt, nicht gerührt, gemeinsam mit Joachim Stolze, Piper-Verlag) geschrieben. Bei den Technologiegesprächen in Alpbach präsentierte er einige Ergebnisse seiner Forschungen zum Thema - passend zum Thema des Forums "Entwurf und Wirklichkeit". Was ist möglich, was nicht? Was ist nur Illusion? Die Antwort: eigentlich alles.

Eine Wunderuhr könnte es schon geben, nur müsste das integrierte Magnetfeld eine Stromstärke von 4,5 Milliarden Ampere haben. Zum Vergleich: Eine Taschenlampe wird mit 0,2 Ampere, eine Lokomotive mit 300 Ampere betrieben. So viel Stromstärke erzeugt Hitze. Tolan schätzt "eine Billion Grad Celsius". Das wäre wohl auch für einen Superagenten zu warm.

Aber der tolldreiste Kerl muss sogar die haarigsten Situationen überleben und dabei auch noch gut ausschauen. Zum Beispiel zu Beginn des Films Golden Eye, als er aus einer Höhe von 2651 Meter einem nach unten fallenden Sportflugzeug ohne Pilot nachspringt, es einholt, Platz nimmt, weiterfliegt und völlig unverletzt landet. Unter Normalumständen könnte James Bond die Maschine, selbst wenn er besonders windschlüpfriges Gewand tragen würde, erst nach 5000 Metern Falltiefe erreichen, sagt Tolan. Und das würde ihm vermutlich nicht gut bekommen. (Peter Illetschko/DER STANDARD, Printausgabe, 01.09.2010)

 

  • In manchen Situation hilft nicht einmal eine Magnetuhr. "Jaws" zeigt James Bond (Roger Moore), wer hier das Sagen hat.
    foto: orf

    In manchen Situation hilft nicht einmal eine Magnetuhr. "Jaws" zeigt James Bond (Roger Moore), wer hier das Sagen hat.

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