Es gibt kein "Islam" -Gen

31. August 2010, 19:19

Sarrazin hat sich aus dem seriösen Diskurs herausgeschossen

Je mehr Thilo Sarrazin über sich und sein Buch spricht, je mehr Textstücke man über die Auszüge im Spiegel hinaus zu lesen kriegt, desto klarer wird: Hier wurde eine Chance vergeben.

Was etwa im Spiegel sorgfältig ausgespart wurde, ist die biologistische Schwurbelei, die Sarrazin verzapft. Er ist offenbar allen Ernstes der Meinung, dass es ein sogenanntes Islam-Gen gibt, das die Angehörigen dieses Glaubens unintelligenter macht, und zwar irreparabel unintelligenter. Intelligenz sei vererbbar, doziert er, und daher habe es wenig Sinn, die tatsächliche Rückständigkeit der muslimischen Migranten in Deutschland mit Bildungsanstrengungen zu bekämpfen.

Sein biologistischer, ethnischer Ansatz verrät sich ausgerechnet in der Interview-Passage, wo er sagt, "alle Juden" hätten ja auch ein gemeinsames Gen. Stimmt, es gibt neuere Untersuchungen, wonach bestimmte DNA-Abschnitte in der jüdischen Diaspora 2500 Jahre zurückzuverfolgen sind. Das gilt aber so ähnlich auch für andere Populationen. Als Grundlage für die Beurteilung von ganzen Völkern ist es unbrauchbar.

Sarrazin hat sich damit aus dem seriösen Diskurs herausgeschossen, auch wenn er auf massive Zustimmung nicht nur von Rechtsradikalen und Rassisten stoßen wird und sich das Buch sicher gut verkauft.

Er sagt, Muslime seien sozusagen genetisch dümmer und sollten daher als Bevölkerungsschicht nicht mehr wachsen dürfen. Das ist schon rein wissenschaftlich nicht zu halten, weil es den Fortschritt durch Umwelteinflüsse wie eben Bildung leugnet. Ebenso gut könnte man behaupten, die Deutschen hätten ein "Krieger-Gen" oder die Österreicher ein "Nazi-Gen" (auch wenn es manchmal so aussieht).

Das ist fatal, denn es besteht ja - in ganz Europa - ein klares soziales Problem mit der muslimischen Bevölkerung. Bei allen Parametern wie Jugendarbeitslosigkeit und -kriminalität, Schulabbruchsraten, niedriger Akademikerrate, veralteten sozialen Vorstellungen, besonders bei der Behandlung von Frauen, sind deutlich höhere Werte festzustellen.

Als Erklärungsmodell dient zunächst einmal die Herkunft aus archaischen, rückständigen Gebieten außerhalb von Europa. Ein Unterschichtsphänomen also.

Mit mehr Vorsicht, aber nicht ohne faktenmäßige Absicherung, kann man die Rückständigkeit der allermeisten muslimischen Gesellschaften innerhalb und außerhalb von Europa darauf zurückführen, dass diese Religion nicht intellektuelle Neugier, Kritikfähigkeit und freie Debatte fordert, sondern Unterwerfung und einen Totalitätsanspruch für das ganze Leben der Gesellschaft.

Aber das hat mit Genetik nichts zu tun und ist veränderbar. So wie sich die europäische Gesellschaft von der Dominanz der Religion gelöst hat und danach eine technisch-wissenschaftliche Revolution erlebte, so können sich auch die islamischen Gesellschaften wandeln.

Das wäre dringend zu unterstützen, weil es weder im Interesse der europäischen Staaten noch in dem der in ihnen lebenden Muslime ist, wenn diese eine "permanent underclass" mit hohem Problempotenzial bilden. (Hans Rauscher/DER STANDARD, Printausgabe, 1.9.2010)

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an kog
00
"je mehr Textstücke man über die Auszüge im Spiegel hinaus zu lesen kriegt"

Jetzt einmal unabhängig vom Inhalt und von der ganzen Debatte:

Wäre es nicht das Mindeste, dass ein Kommentator eine so genannten "Qualitätszeitung" das Buch liest bevor er die darin vertretene Meinung kritisiert?

Was ist so ein Kommentar wert?

archimed
00
glaube, liebe, hoffnung !

Nardon
31
Bis

jetzt dachte ich Rauscher ist seriös.
Gibt zu das er nur Textstücke gelesen hat.
Soll er sich doch das Buch kaufen, lesen und deine seine Meinung kundtun.
Das ist heutiger Journalismus.

silvia hanna
 
01

man kann auch eine meinung zu gen-theorien haben ohne das gesamtwerk gelesen zu haben. mag schon sein, dass es in diesem werk passagen gibt, die nicht verwerflich sind, aber: ich hab auch zu "mein kampf" eine meinung ohne das ding je ganz gelesen zu haben.

ist ja keine rezession des ganzen buches, die er schreibt...

blackbeauty3
55

Es ist vollkommen gleich ob es ein Gen gibt oder nicht (für Jüdische, Arabische oder sonst welche Glaubensgruppen). In der Mittel und Nordeuropäischenkultur ist das Christentum verankert. Wenn Muslime Ihren Glauben ausleben wollen, so sollen Sie das in Ihren Kernländern machen und tun. Das sollte auch vollkommen respektiert werden. Warum Sie um Ihren Glauben zu Leben unbedingt nach Österreich kommen müssen ist niemanden wirklich klar.

silvia hanna
 
02

demnach sind sie auch der meinung dass christliche kirchen ihre missionierungsarbeit sofort beenden sollten?

blackbeauty3
10

zum großteil ja. vorallem in kernländern des islams, da haben wir christen aber auch gar nichts zu suchen!

Brixente Wirklichkeitsbild
03

Auch dieser Ansatz ist falsch denn einen Glauben auszuleben bedeutet an sich lediglich verfassungsgemäße Rechtfertigkeit. Sonst gar nichts

konski
00
ich glaube

an die Schwerkraft und das lebe ich aus, so richtig rechtmäßig und dieses Gesetz steht über dem Staat und der Staat hat sich zu beugen.

WK1404
21

Es ist ausnehmend lächerlich, dass die Journaille hier lautes Zetern und Heulen veranstaltet, statt das Thema der Wissenschaft (die allerdings leider auch nicht mehr zur Gänze unabhängig ist) zu überlassen. Ich erinnere mich an eine Sendung der Siebziger Jahre im ORF, in der Autodidakten ihre Theorien über die Weltentstehung und diverse kosmische Phänomene vortrugen und von einem Universitätsprofessor (ich glaube er hieß Sexl oder Saxl) sachlich und mit menschlichem Anstand ausführlich widerlegt wurden. Heute pracken Dilettanten öffentlich aufeinander ein wie im Kasperltheater.

MundMs
00
natürlich stimmt es, dass sich die europäische Gesellschaft von der Dominanz der Religion gelöst HAT.

Aber jemand, der von dieser Zeit nichts gelernt hat und erst heute nach Europa kommt, wird meiner Ansicht nach nicht mit einer großteils emanzipierten selbstständig denkenden Gesellschaft konfrontiert, in der diese Loslösung von religiöser Dominanz täglich weiterlebt und die macht was sie für richtig hält und oft darüber nachdenkt und durchsetzt was sie als richtig befunden hat. Besonders nicht in Österreich.

Üblicherweise herrscht eher eine Untergebenheit gegenüber dem Arbeitgeber, der es ermöglicht das einzige anscheinend konsensual beschlossene Ziel des Lebens zu erreichen: Geld und Besitz von Luxusgütern.

In der Aussicht keines dieser Ziele erreichen zu können, ist die Besinnung auf familiäre Traditionen zumindest verständlich.

Max Normal1
00

Brillianter Denkansatz!

Wilhelm Guschlbauer
41
So ein Blödsinn!

"...außerhalb von Europa darauf zurückführen, dass diese Religion nicht intellektuelle Neugier, Kritikfähigkeit und freie Debatte fordert, sondern Unterwerfung und einen Totalitätsanspruch für das ganze Leben der Gesellschaft." Das ist totaler Blödsinn.
Nach der "Reconquista" durch Ferdinand und Isabella im 15. Jhdt. hat sich der Islam auf seine "Essentials" zurück gezogen. Denn wer je in Cordoba oder Damskus oder Isphahan war, weiss welche Werke die islamische Kunst hervorgebracht hat. Welch war die 2. Unversität in Europa? Montpellier, von arabischen und arabo-jüdischen ärzten im 9. Jhdt gegründet. Vor Bologna!

Räudiger Straßenköter
00

Die Universität Montpellier wurde 1220, also zur Zeit der Kreuzzüge, vom Botschafter des Papstes Honorius III gegründet. Übrigens wurde Montpellier erstmals 986 urkundlich erwähnt.

http://de.wikipedia.org/wiki/Univ... ontpellier

klomuscheltaucher mit spaghettiausrüstung
20
Behauptet Sarrazin nun wirklich, dass M0sIems

von Natur aus, also genetisch bedingt, dümmer sind als Deutsche oder lesen sie das aus Zitatbrocken heraus? Dies ohne wissenschaftliche Untermauerung zu behaupten, wäre natürlich schon ein starkes Stück. Selbst wissenschaftlich untermauert wäre es immer noch ein verständlicher Skandal - wenn auch fernab dem Tatbestand der Verhetzung. Ich habe nicht vor das Buch zu lesen, also vielleicht kann mir ja jemand das dazugehörige Zitat übermitteln!

Räudiger Straßenköter
32
Sarrazin sagt ausdrücklich, es gibt kein Islam-Gen!

http://www.zeit.de/2010/35/Sarrazin

Rauschers Kommentar basiert hauptsächlich auf diesem bemerkenswerten Streitgespräch:

Sarrazin sagt Intelligenz wäre von Erbanlagen und Umweltfaktoren abhängig, worauf der Interviewer behauptet S. würde die Umweltfaktoren leugnen.

Der Interviewer behauptet im S. wäre ein Brunnenvergifter und am Islamismus schuld.

Die Frage ist nun, wie es zu der wahnhaften Aufregung um Sarrazin kommen konnte.

Brücke
01

In einem Interview behauptete Sarrazin
z.B. es gibt ein jüdisches Gen

http://www.nordbayern.de/nuernberg... n-1.130143

Mostbluzza
01
die juden beharren darauf, dass es "das gen" gibt

nichtwissen der erregungsdemokraten - wie immer:

Die altfrommen Rabbiner sollten sich einen Stoß geben – statt über ein neues restriktives Gesetz nachzudenken. Sie sollten ernsthaft in Betracht ziehen, die Halacha den Möglichkeiten der Zeit anzupassen, um jeden als Juden anzuerkennen, der dies zum Beispiel per Gentest belegen kann. Und sie sollten in der Frage der Anerkennung rabbinischer Autoritäten mit den großen jüdischen Organisationen Standards festlegen.

sagt ein berliner rabbi. Standards festlegen ob jude oder nicht. Das möge mal ein deutscher probieren !!

http://www.juedische-allgemeine.de/article/v... C3%BCdisch

klomuscheltaucher mit spaghettiausrüstung
00
wenn sie das interview gelesen hätten

würden sie wissen, dass da viel Lärm um nichts war:
http://www.morgenpost.de/printarch... ssist.html

horseoncowboy
02
qualitäts-journalismus pur

"Je mehr Thilo Sarrazin über sich und sein Buch spricht, je mehr Textstücke man über die Auszüge im Spiegel hinaus zu lesen kriegt, desto klarer wird: Hier wurde eine Chance vergeben "

wie wärs vielleicht versuchen sie es einmal mit dem orginal buch ?

FalscherProphet
00
ad "Originalbuch":

Mein Kampf?

an kog
10

Sagt jetzt wohl einer der beide Bücher nicht einmal in Auszügen gelesen hat...

bingobongodongo
10

amen!

was glauben sie hr rau wie lange die islamoberschicht gebraucht hat um so ein volk zu generieren? laaaaaange und jetzt wollen sie allen ernstes der ovp in den rücken fallen und fordern b i l d u n g das ist hochverrat an der konservativen politik.

modell t5
10
Ja, es gibt kein Islam-gen.

Dieser Ansicht bin ich auch. Es könnte nur gut möglich sein, dass der Hr. Sarrazin derselben Ansicht ist.

Außerdem: selbst wenn es ein solches Gen gäbe, wäre es wurscht. Es gibt ja auch Dicke und Dünne, Kleine und Große, Blonde, Rothaarige und Brünette usw. Deswegen kommt auch kein normaler Mensch auf die Idee, Kleine oder Rothaarige zu diskriminieren.

Bergdolm
45
Höchstwahrscheinlich hat sich Sarrazin aus einem "seriösen Diskurs herausgeschossen" - ABER

dieser Diskurs ist wichtig und notwendig.

In der heutigen Zeit geht das eben nur mit "Aufregern"! Einen 100 Seiten wissenschaftlichen Bericht zu diesem Themenkreis würden die wenigsten lesen, geschweige denn verstehen.

Die Problematik ist aber da!, und sie wird zunehmend ärger - "das Volk" spürt das.

Noch eine kleine Bemerkung, Herr Rauscher: Das Wort "herausgeschossen" hätte ich nicht verwendet. Das "Herausschießen" überlassen wir lieber der FPÖ mit ihrem "on-line-Spiel", da sind wir uns wahrscheinlich wieder einig.

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