Forum Alpbach

Industrie baut Verteidigungswall

Andreas Schnauder, 31. August 2010, 18:49
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    foto: apa

    IV-Präsident Veit Sorger sorgt sich um den Industriestandort Österreich. Hohe Lohnforderungen und Steuererhöhungen belasten die Wettbewerbsfähigkeit, meint er.

Die Industrie kämpft gegen hohe Lohnforderungen und Steuererhöhungen, der Standort Österreich falle bereits zurück

Die Industrie kämpft gegen hohe Lohnforderungen und Steuererhöhungen. Der Standort Österreich falle bereits jetzt zurück, so der "Weckruf" von IV-Präsident Sorger. ÖGB-Chef Erich Foglar kontert scharf.

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Alpbach - In der Industrie ist die Stimmung fast so wie das Wetter in Alpbach. Nur wenige Meter unter der Schneefallgrenze malte der Präsident der Industriellenvereinigung, Veit Sorger, zum Auftakt der Wirtschaftsgespräche ein eher frostiges Bild. Nach dem harten Fall der Produktion im Vorjahr sei der aktuelle Aufschwung eher eine Folge von Lageraufbau und Konjunkturstimuli, aber nicht selbsttragend. Und was auf den Sektor zukommt, kann Sorger und Generalsekretär Markus Beyrer alles andere als erwärmen.

Einschränkungen bei der Gruppenbesteuerung und bei den Stiftungen, Bankenabgabe und andere in der Regierung diskutierte Maßnahmen hätten das Zeug, den ohnehin schwächelnden Wirtschaftsstandort Österreich weiter zurückzuwerfen. Dazu kommen Lohnforderungen der Gewerkschaft, die im Herbst Kaufkraftzuwächse sehen will. Sorger versucht auf der Kollektivvertragsfront den Spieß umzudrehen: Die Erhöhung der Metallerlöhne um 1,6 Prozent im Vorjahr sei aus Arbeitgebersicht "nicht leistbar" gewesen. Was zu viel an Mitarbeiter ausgeschüttet wurde, werde man nun anrechnen.

Sorger begründet das nicht nur mit der mäßigen konjunkturellen Situation, sondern auch mit der Kurzarbeit. Laut einer internen Berechnung habe die Maßnahme im Vorjahr 454 Mio. Euro gekostest, davon seien zwei Drittel auf die Betriebe entfallen. Die Mitarbeiter hätten in Form von Lohnverlusten nur neun Prozent der Förderung getragen, die öffentliche Hand ein Viertel. Somit sei das Argument, die Arbeitnehmer hätten für die Krise gezahlt, "nicht gerechtfertigt".

Ähnlich hart ins Gericht geht er mit der Politik. Gegenüber dem Handelspartner Deutschland oder dem von der IV gern zitierten Musterschüler Schweden habe Österreich Wettbewerbsfähigkeit eingebüßt, weshalb das Wachstum dort deutlich höher ausfalle. Österreich habe insbesondere im Vergleich zu Deutschland seinen Vorsprung verloren. Schuld sei vor allem, dass "Wachstumsförderung ignoriert" und Strukturreformen verabsäumt worden seien. Deshalb lehne die Industrie auch "jede Art von neuen Steuern ab" und fordert Einschnitte bei Gesundheit, Pensionen und Verwaltung. Um das Budget in den Griff zu bekommen, schlägt Sorger die Abschaffung des 2008 beschlossenen Anti-Teuerungspakets vor, zu dem die 13. Familienbeihilfe, die Verlängerung der Hacklerpension und die Umsatzsteuerbefreiung für Medikamente zählen.

Die auch in manchen VP-Kreisen akzeptierten Einschnitte bei Gruppenbesteuerung und Stiftungen kommen für die IV ebenfalls nicht infrage. Zudem sorgt sich Beyrer um die Auswirkungen der Bankenabgabe, zumal diese mit höheren Eigenkapitalanforderungen an den Kreditapparat einhergehe. Selbst nach der Abschwächung der Pläne drohe das Wachstum in Europa um 0,5 Prozentpunkte zu schrumpfen.

Die Äußerungen der Industrie haben zu einer harschen Reaktion von Gewerkschaftschef Erich Foglar geführt. Das Budget nur zulasten der Pensionisten, Kranken und mit einer Verwaltungsreform zu sanieren sei eine Illusion. Foglar fordert "faire Beiträge" von Vermögenden und den Betrieben. (Andreas Schnauder, DER STANDARD, Printausgabe, 1.9.2010)

Kommentar posten
24 Postings
leela
01
Endlich Weltmeister!!!!

Endlich Weltmeister!!!!
In 100m Weitsudern....

Wir san so oam,
wir haum ka göd,
die Hackler kossn so vüü,
und jetzt woins mehr göd
und üwastundn ohne zuschläge woins a ka mocha.
a zeitkonto wos gratis üwastundn mochn solln woins a kans
Uns mog sowiso kana,
suder suder suder

Jedes Jahr zur Herbslohnrunde das "übliche Gesudere"

Kantojyrsin
01

Mir fehlen die Worte ob der Boshaftigkeit, die dieser Sorger an den Tag legt. Aber ist schon recht, solange zündeln, bis sich jemand verbrennt.

Unpolitisch
01
5 + x

Bei den diesjährigen Lohnverhandlungen hat die Zauberformel "5 + x" zu lauten. In Deutschland brummt der Konjunkturmotor dank der Euro-Schwäche schon auf Höchsttouren und ein wenig zeitverzögert wird das auch bei uns eintreffen.

Auf der anderen Seite bezahlen die PIGS-Länder mit ihren Handelsdefiziten den Aufschwung in Deutschland. Erst eine faire Erhöhung der Lohnstückkosten in Deutschland und Österreich werden die Europäische Union stabilisieren können.

Was nützen den Reichen die Supergewinne, wenn übermorgen die Weltwirtschaft wieder krachen geht?

5 + x !

Kantojyrsin
00
"Was nützen den Reichen die Supergewinne, wenn übermorgen die Weltwirtschaft wieder krachen geht?"

Sie sind zumindest zwei weitere Tage reich.

didi111
00
Was wäre, wenn den guten Veit ..

..einmal der moralische Weckruf himself ereilen würde?

Dann könnte er ja auch mal in sich gehen und die moralische Ebene und ihre Rechtfertigung bezüglich seines Tuns bei der HGAA hinterfragen.

Da würde ihm geholfen werden.....surley...

Sunsurfer
01
Warum ist ein Angestellter eigentlich IV-Präsident?

luquas
00

Er hat 's ja eigentlich wirklich leicht, der Sorger Veit! Dank Gewerkschaften, die nur noch ihre eigene Bedeutungslosigkeit verwalten, hat er kaum mit Gegenwehr zu rechnen.

trautal
00
Freiwillig geht da gar nix..

In Wirklichkeit ist es doch so, dass immer der falsche Zeitpunkt für Lohnerhöhungen ist: Haben wir Hochkonjunktur weiß man nicht wie es weitergeht, vielleicht ists ja bald vorbei damit. Geht die Kurve runter ist sowieso nix drin für die Hackler, Krise ist sowieso ganz schlecht und gehts dann wieder bergauf darf man das "zarte Pflänzchen" nicht abwürgen. Kurzum - am Liebsten würden Veit Sorger und Co alles für sich behalten, die ArbeiterInnen sollen gefälligst an die Gewinne der Unternehmen denken und nicht so selbstsüchtig sein!

sociovation
03
Klares Bekenntnis zu CSI

Corporate Social Irresponsibility

alles, was ich zu sagen habe:
00
31.8.2010, 23:42
Nach dem harten Fall der Produktion im Vorjahr sei der aktuelle Aufschwung eher eine Folge von Lageraufbau und Konjunkturstimuli, aber nicht selbsttragend.

Zugunsten des Wachstums haben die eigenen Wünsche und Bedürfnisse immer hintanzustehen. Bescheidenheit von einem selbst wird eingefordert, damit die Wirtschaft vorankommt, der „Wohlstand für alle” ist gleichbedeutend mit dem Verzicht auf den eigenen Wohlstand. Bescheidenheit praktisch erzwungen und als eingeforderte Tugend – das ist die Maxime unter der ein Leben in Lohnarbeit. insgesamt geführt zu werden hat:
- Kommt nämlich nach der Krise die „Erholung“, verträgt die auf gar keinen Fall irgendwelche Lohnforderungen.
- Und wenn die Wirtschaft so richtig boomt und die Preise auf breiter Front steigen, dann gibt es von Seiten der Arbeitgeberverbände und der Wirtschaftsweisen ein wahres Trommelfeuer:

weiterlesen: http://is.gs/5vb

also dann ...
00
richtig ist, dass der "aufschwung" ... nicht selbsttragend ist - aber eben weil

die l ö h n e ...auf dem niveau von 2000 (nominell) oder darunter (real) liegen, und deshalb der privatkonsum = zw. 55-70 % des BIP
(eu-weit als auch in Ö, D, F z.b.)
nicht "tragend" ...ist.

dass, NONA, auch die investitionen (15-20% d. BIP)
nicht anspringen, verwundert noch weniger...,
weil die unternehmer diese ja an der zuk. NACHFRAGE
= L Ö H N E ...ausmachen.
d.h.
alles hängt an den löhnen - JEDER halbwegs gebildete ökonom weiss dies !
. . .ausser der IV, die ja nur auf ihre gewinne (aufkosten der arbeitnehmer !) schaut.

und der ÖGB...
hat diese entwicklung - seit 2000 - auch noch durch niedrige abschlüsse m i t g e t r a g e n ! ! !
auch sie...schauten NUR auf ihren gehalt
- sonst nix !

alles, was ich zu sagen habe:
00
31.8.2010, 23:39
der Standort Österreich falle bereits zurück

bei der verarmung der menschen. kapitalismus - war das nicht das mit "wohlstand für alle"? nein, das haben sie nur behauptet.

Max Kahlenberg
018
31.8.2010, 21:57
Und was ist mit Veit Sorger´s Kohle aus der HYPO-Deal-Zockerei ???

So jemand ist in der Rolle eines IV-Bosses 100% unglaubwürdig !

bingobongodongo
02

wie immer; für sich das meiste für die anderen nichts.

dabei übersieht er geflissentlich, daß gerade deswegen A immer weiter zurückfällt.

sociovation
03
Glaubwürdigkeit gehört

definitiv nicht zur job description eines IV-Bosses...

also dann ...
00
31.8.2010, 23:42
sorry - NEIN : weil - die sind a l l e ... so,

insbes. der rote trabant : androsch.

jose luis schuster
01
31.8.2010, 21:33

aus der rubrik:

wünsche ans christkind

Gobi Todic
00
31.8.2010, 23:35
pro wunsch

eine watschen an jeden aktionär.

Langp
012
31.8.2010, 20:02
Wenn'S der Wirtschaft gut geht...

im übrigen ist's nicht neu, daß die IV eine Vertretung für spezielle Interessen ist. Erstaunlich allerdings ist die immer noch grösser werdende Schamlosigkeit.

also dann ...
112
31.8.2010, 19:21
naja ... die argumente der IV ... haben mit der vwl. realität nichts gemein, denn

zwischen (2004-08) stiegen - nominell
- die brutto-überschüsse um ca. 45 %
(das BIP nur um ca. 22 %)
- die löhne aber nur um 19 %
...die löhne/beschäftigte s a n k e n um 17 % ( ! ).
http://www.statistik.at/web_de/se... detail=586

REAL jedoch
- s a n k e n die lohnstückkosten um 8 %
(d.h. die produktivität steckten überwiegend die unternehmer in ihre tasche - der ÖGB verhandelte wie ein flachgelegtes mauserl...)
- die gewinne stiegen um ca. 50 %
(da ja die netto-ausrüstungsinvestitionen (inkl. der afa) sanken).

es gibt überhaupt keinen grund (auch 2009 erzielten ca 90 % der unternehmen gewinne !) für den ÖGB...
lohnzurückhaltung zu üben !

10-10-10- hc
02

danke für die Zahlen. Vielleicht sollte man den Hypo-Zocker mal dazu befragen.

Mensch ärgere dich!
01

wenn das stimmt, dann ist das eine Frechheit sondergleichen!

also dann ...
01
hier finden sie alle grafiken/belege : lohnsttückkosten ´grafik 15.166 :

seit 2000 :
Ö = - 7 %, D - 8 %,
ES + 123%, GR + 123 % !
d.h.
die export-erfolge der industrie...,
- wurden mit lohndumping in A,D erkauft
- sind den überproportionalen lohnzuwächsen in Itlaien, Spanien, Griechenland zu verdanken.
siehe 15.116 :
die Leistungsbilanzüberschüsse...

http://www.jjahnke.net/wochenbri... 42442.html

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