Europas gespaltene Union

31. August 2010, 19:01
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Deutschlands Exportmotor brummt zwar, doch der Karren der Eurozone steckt noch fest

Um die europäische Konjunktur ist es etwas ruhig geworden. Bis auf das deutsche Sommermärchen dank der Exportkonjunktur ist der Fokus von internationalen Investoren fast ausschließlich auf die US-Daten gerichtet worden. In Europa zählen für die Beruhigung von Anlegern derzeit nur die monatlichen Updates zu Staatsdefiziten und Verschuldung.

Doch das ist äußerst kurzsichtig. Denn das große Ungleichgewicht in der Eurozone ist noch überhaupt nicht beseitigt. Die Staatsschulden sind dabei mehr Symptom als Ursache. Chief Investment Officer Christian Nemeth von der Deutsche Bank Österreich sieht etwa noch einen weiten Weg für die EU-Rettung. Der Rettungsschirm habe akute Probleme gelöst, doch die strukturellen sind noch wenig angegangen. Denn die Länder, die heute über hohe Staatsschulden klagen, sind auch jene, die im internationalen Wettbewerb enorm an Wettbewerbsfähigkeit eingebüsst haben. Gemessen an den Lohnstückkosten haben Länder wie Griechenland in nur zehn Jahren fast 40 Prozent real gegen Deutschland aufgewertet und damit preisliche Wettbewerbsfähigkeit eingebüsst (siehe Grafik). Um das Problem in den Griff zu bekommen, dass die Unternehmen der EU-Peripherie mit hohen realen Aufwertungen zu kämpfen haben, braucht es auf die eine oder andere Weise Deflation, nicht nur in Griechenland.

Gleichzeitig waren es nicht Investitionen, sondern der Konsum oder die Bauwirtschaft, die treibende Kraft des griechischen oder spanischen Wachstums war. Die Länder leisteten sich daher hohe externe Defizite in Form von negativen Leistungsbilanzen. Sie finanzierten sich über Kapitalflüsse aus anderen Ländern, etwa von deutschen Banken. Diese Flüsse sind tatsächlich bereits etwas zurückgekommen. Doch der Kapitalrückfluss bedeutet auch, dass weiter gewisse Sektoren entschulden müssen. Das wird etwa in Irland dazu führen, dass das Bankensystem weiter Probleme haben könnte (kommenden Monat müssen 25 Mrd. Euro an Anleihen refinanziert werden - FT), aber auch dass die externe Finanzierung für spanische Sparkassen weiterhin teuer  ist. All' das deutet an, dass es unter Umständen noch zu früh ist, auf die Konvergenz in der Eurozone zu wetten und etwa griechische oder portugiesische Titel zu kaufen.

Deutschlands Wachstumsexplosion im zweiten Quartal war auf einige Einmaleffekte und starke Exportnachfrage aus Asien getrieben. Doch dieser Impuls ist ebenso von der US-Konjunktur abhängig. Europas Wachstum steht damit weiter auf tönernen Füßen, kein Wunder, dass die meisten Ökonomen daher nur die Euro-Wachstumsraten für 2010, aber nicht 2011, nachgebessert haben.

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    grafik: derstandard.at/marktmelange
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