Ausbildungslotsen für Aufwind in der Luftfahrt

31. August 2010, 18:25
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Mangelhafte Vernetzung zwischen Ausbildung, Forschung und Wirtschaft bremst heimische Flugbranche

Forschungsstrategen haben es eindeutig schwerer als Piloten: Per Autopilot lässt sich das Technologieprogramm der heimischen Luftfahrtindustrie nicht steuern. So zeigt eine im Jänner 2010 publizierte und vom Forschungskoordinator für die österreichische Luftfahrt (Take Off) in Auftrag gegebene Studie, dass die Vernetzung der Unternehmen in diesem Technologiebereich noch nicht ausreichend vollzogen ist. 241 österreichische Unternehmen konnten mit dieser Studie identifiziert werden, die in der Luftfahrt einen Umsatz von rund 1,7 Mrd. Euro jährlich erwirtschaften. Wer dabei über welches Know-how verfügt, erschließt sich potenziellen Kooperationspartner oft nur schwer, da viele für die Luftfahrt relevante Technologien Querschnittsmaterie sind.

Im Wesentlichen gilt dieser Befund auch für die Ausbildungsperspektiven in der Luftfahrt. In einer noch nicht abgeschlossenen Studie von Pöchhacker-Consulting wurden bislang 20 heimische Bildungseinrichtungen benannt, die über luftfahrtspezifische Lehrpläne verfügen, insgesamt könnten es aber noch ein halbes Dutzend mehr sein. Acht Institute bieten auf Hochschulebene Luftfahrt-Schwerpunkte in der Lehre an. Deren Ausbildungsinhalt ist ebenfalls häufig Querschnittsmaterie (wie etwa der Leichtbau oder die Kommunikations- und Navigationssysteme). Studienautorin Beatrice Negeli-Ganz: "Die heimische Luftfahrtindustrie gibt an, sie könne noch wachsen, aber derzeit fehlt ihr die Strategie dazu."

Die Defizite in der strategischen Planung betreffen in erster Linie den intensiveren Austausch zwischen Lehre und Wirtschaft. "Die Unis befinden sich derzeit im Umbruch und müssen etwas tun. Sie wollen das auch, erfahren aber nur selten von den Bedürfnissen der Luftfahrtindustrie", so Elisabeth Huchler, die im Verkehrsministerium die Programmverantwortung für die (Aus-)Bildungsoffensive in der Luftfahrt trägt. "Momentan bildet die Wirtschaft häufig selbst und damit zu kurzfristig orientiert aus", so Huchler weiter. Das sei auch Standortnachteilen von Zulieferern geschuldet, die oft in Regionen sitzen, die für heimische Akademiker und ausländische Spezialisten eher unattraktiv seien.

Andererseits würden österreichische Institute über wertvolle Testfacilities für die Luftfahrt verfügen, die selbst für Kooperationspartner im Ausland interessant seien. Aber auch dieser Umstand müsste erst bekannt gemacht werden. Momentan sei man jedenfalls noch mit dem Zuordnen beschäftigt, welches Institut zu welcher Wertschöpfungskette passt.

Dabei helfen soll eine "Take-Off"-Veranstaltung mit internationalen Gastbeiträgen zu den Ausbildungsperspektiven in den Luftfahrttechnologien am 22. und 23. September. Know-how und Spezialisierung seien sowohl aufseiten der Lehre als auch bei der heimischen Industrie ausreichend vorhanden, "aber im Tagesgeschäft könne man oft nicht klären, was der eine vom anderen eigentlich braucht", so Huchler. (saum/DER STANDARD, Printausgabe, 01.09.2010)

 

  • Auf die richtige Spur gelotst, könnte Österreichs Luftfahrt schneller wachsen. Eine Bildungsoffensive soll dabei helfen.
    foto: standard

    Auf die richtige Spur gelotst, könnte Österreichs Luftfahrt schneller wachsen. Eine Bildungsoffensive soll dabei helfen.

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