Das Geld der anderen

31. August 2010, 19:42
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Warum sich Wiener Stadtwerke, EVN und Co auf diesen unappetitlichen Deal einlassen, bleibt ihr Geheimnis

Im teilstaatlichen Stromkonzern Verbund müssen Sektkorken geknallt haben. Und Verbund-Chef Wolfgang Anzengruber kann sich zufrieden auf die Schenkel klopfen. Denn er hat nicht nur die umstrittene Kapitalerhöhung für Österreichs größten Stromkonzern in trockenen Tüchern, sondern auch noch Mitzahler für die wirtschaftlich nicht rasend attraktiven Kraftwerksprojekte in der Pipeline der Verbund AG.

Warum sich Wiener Stadtwerke, EVN und Co auf diesen fragwürdigen Deal einlassen, bleibt ihr Geheimnis. Von wirtschaftlicher Vernunft, Sparsamkeit und zweckmäßigem Umgang mit Steuergeld waren sie dabei offensichtlich nicht geleitet. Denn genau genommen zahlen die (teil-) staatlichen Verbund-Aktionäre doppelt: Einmal für die Kapitalerhöhung (damit ihre Verbund-Anteile nicht verwässert werden) und ein zweites Mal für Kraftwerke, deren Renditen in absehbarer Zeit die Kapitalkosten nur unwesentlich übersteigen dürfen.

Kaum zur Freude vieler Zwangsaktionäre und Stromkunden ist auch der Schaden dieses Kuhhandels ein doppelter: Der Bund schiebt einem Staatskonzern, der mit seinen abgeschriebenen Kraftwerken einer Gelddruckmaschine gleicht, eine halbe Milliarde Euro in den Rachen, nur weil der bei seiner Einkaufstour in Bayern zu viel Geld ausgegeben hat. Und weil sie ja mit dem Geld der anderen arbeiten, legen die staatlichen Landesenergieversorger - ebenfalls auf Kosten der Steuerzahler - noch was drauf, um Macht und Einfluss zu erhalten. So sehen unappetitliche Kuhhandel aus: undurchsichtig; von Neben- und Zusatzgeschäften geprägte Tauschgeschäfte, bei denen die Reibungshitze beim Über-den-Tisch-gezogen-Werden mit Nestwärme verwechselt wird.

Dass die Regierung just an jenem Tag eine halbe Milliarde Euro für den Verbund ausgibt, an dem sie aufgrund budgetärer Nöte die zusätzliche Kinderbeihilfe 2011 streicht (garantiert hat Finanzminister Josef Pröll nur die Auszahlung im September 2010), muss vor diesem Hintergrund als Kollateralschaden gelten, der beim Feilschen um einen Verbund-Aufsichtsratssessel unvermeidlich ist. (Luise Ungerboeck, DER STANDARD, Printausgabe, 1.9.2010)

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