Echte Wiener

"In Wien gibt es doch genug, um es zu teilen"

Andrea Heigl, 31. August 2010, 17:36
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    foto: standard/fischer

    "Ich vermisse Istanbul, aber ich kenne Wien besser" - Seyit Arslan in der Redaktion der türkisch-österreichischen Wochenzeitung "Zaman Avusturya"

Eigentlich wollte Seyit Arslan nur ein paar Semester Elektrotechnik in Wien studieren. Heute ist er Journalist, und Wien ist seine Stadt

Der 11. September 2001 hat die Welt sehr verändert - an diesem Tag hat sich auch mein Leben verändert. Im türkischen Fernsehen habe ich gesehen, wie Flugzeuge in das World Trade Center fliegen, ich dachte, es wäre ein Film. Dass es ein Terroranschlag war, habe ich am gleichen Tag in Österreich erfahren. Denn ich bin am 11. September 2001 nach Österreich immigriert. Drei Jahre bleibe ich maximal in Wien, habe ich damals gesagt. Aber jetzt ist Wien meine Stadt geworden. Hier habe ich meine Frau Zehra kennengelernt, die Informatikerin ist und ebenfalls aus der Türkei stammt. Hier wurde vor acht Monaten Tahir, mein Sohn, geboren. Ich habe Elektrotechnik studiert, zuerst in Istanbul, dann an der Technischen Universität Wien. Aber Technik war nicht ganz das Richtige für mich, ich habe mich sehr für Politik und Soziales interessiert. In den letzten Monaten meines Studiums kam das Angebot, Geschäftsführer von Zaman zu werden. Ich habe während des Studiums schon ab und zu dafür geschrieben, Journalismus begeistert mich. Zaman erscheint seit ungefähr drei Jahren wöchentlich, auf Deutsch und auf Türkisch. Ich habe das Geschäft mit zwei oder drei Mitarbeitern übernommen, heute arbeiten in unserem Büro in der Rotenturmstraße acht Leute.

Ohne Deutsch hat man gar nichts

Während des Studiums habe ich als Mathematiklehrer gearbeitet und dabei die Probleme von Familien ganz gut kennengelernt. Viele wissen nicht, wie das österreichische Bildungssystem funktioniert. Deutsch ist das Wichtigste. Wenn man die Sprache lernt, hat man Aufstiegschancen, sonst hat man gar nichts. Ich selbst habe erst hier in Österreich Deutsch gelernt, ein Jahr lang. An der TU habe ich mich auch mit Englisch ganz gut durchgeschlagen. Istanbul, die Stadt, in der ich aufgewachsen bin, ist für mich die schönste Stadt der Welt. Meine Familie ist dort auch zugewandert, sie kamen 1970 aus einer kleinen Stadt in Mittelanatolien. Mein Vater hat nur die Grundschule absolviert, später wurde er dann Geschäftsmann. Bildung hat einen großen Stellenwert in meiner Familie, besonders meine Mutter hat mir immer sehr geholfen. Anstatt über wichtige Themen wie Bildung zu diskutieren, redet man hier oft nur über Kleinigkeiten. Zum Beispiel, dass die Firma Nöm Milch - also Süt - mit türkischer Aufschrift verkauft. Das ist ganz einfach ein Marketingkonzept, das hat nichts mit einer Parallelgesellschaft oder Desintegration zu tun. Österreich ist ein starkes Land, es müsste viel wichtigere Themen diskutieren und eine Vision für sich selbst finden. Sonst geht man verloren in diesem alltäglichen Hin und Her: Was hat Strache gesagt, was ist die Reaktion der Muslime, und so weiter. Seit ich hier lebe, wird immer wieder über Minarette geredet. Es ist für die Menschen schon zur Gewohnheit geworden, über Reizwörter wie Islam oder Türken oder Moscheen zu diskutieren. Aber die meisten haben kein soziales Problem mit Ausländern, sie haben einfach Zeit, darüber zu reden. In Wien gibt es doch genug, um es zu teilen. Es gibt genug Wasser, genug Strom, genug Geld in dieser Stadt. Viele Zuwanderer arbeiten Tag und Nacht. Trotzdem sind 42 Prozent der Türken hier entweder arm oder von Armut bedroht. Was ist das für ein Sozialstaat? Migrationspolitik wird mit Ängsten vermischt. Aber Religion ist eine private Sache, die in manchen türkischen Familien kaum eine Rolle spielt. In meiner schon: Meine Frau trägt ein Kopftuch. Das ist ihre Entscheidung, in die ich mich nicht einmische. Sie hat es schon getragen, als wir uns kennengelernt haben. Bei uns in der Redaktion fasten auch alle jetzt im Ramadan. Das ist ein sehr besonderer Monat. Beim Fastenbrechen am Abend ist die Flutkatastrophe in Pakistan ein großes Thema, ich habe oft gehört: Wir haben etwas zu essen, in Pakistan haben sie das nicht. So etwas gibt uns Motivation zum Fasten und auch zum Spenden. Eine türkische Hilfsorganisation hat sogar bei uns in der Zeitung inseriert.

Türke oder Österreicher?

Ob ich hier alt werden will? Gute Frage. Ich vermisse Istanbul, aber ich kenne Wien besser als die Stadt, die ich als Zwanzigjähriger verlassen habe. Ob sich mein Sohn später als Türke oder als Österreicher fühlt, das ist seine Entscheidung. In einer globalisierten Welt wird man sich diese Frage in 20 Jahren vielleicht gar nicht mehr stellen. Wichtig ist, dass man ein guter Mensch ist. Wir haben hier viele Freunde, ein gutes Umfeld, ich bin zufrieden mit unserer 60-Quadratmeter-Wohnung. In Istanbul hätten wir vielleicht 100 Quadratmeter und einen Balkon. Mit meinem Studium könnte ich dort gut leben. Ich muss nicht in Österreich bleiben, sollte ich diskriminiert werden. Viele Menschen sagen jetzt vielleicht: Dann geh doch heim. Aber das ist wirklich keine kluge Antwort. (Andrea Heigl, DER STANDARD Printausgabe, 1.9.2010)

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Posting 1 bis 25 von 58
1 2
Dein schönster Traum
00
20.2.2011, 22:24
Wozu brauchen wir in Wien...

...eine türkischsprachige Zeitung?

Wer hier bleiben will, der hat sich anzupassen und unsere Sprache zu erlernen, unsere Zeitungen (gibt eh ein große Auswahl für jeden Geschmack) zu lesen.

habediehre habediehre
10
Hr. Arslan

Es wird immer leute geben, die Vorurteile gegen Sie und Ihretgleichen haben.. Ignorienz eifoch..

edu2
23
Viele Zuwanderer arbeiten Tag und Nacht. Trotzdem sind 42 Prozent der Türken hier entweder arm oder von Armut bedroht. Was ist das für ein Sozialstaat?

Will Seyit Arslan andeuten, dass die Türken nur wegen des Sozialstaates herkommen?

DerAndere34
21
Will Seyit Arslan andeuten, dass die Türken nur wegen des Sozialstaates herkommen?

ähmm

ja, genau deswegen kommen sie

arbeiten und etwas schaffen kann man in der türkei auch

nur ist es trotz türkentum, heile islamische welt und dergl. nicht so toll infarstrukturiert
:-)

ricko
44
S. Arslan ist ein beispiel misslungener integration

er arbeitet fuer eine tuerkische zeitung in tuerkischer sprache, welche die subgesellschaft foerdert. er hat sich gesellschaftlich und kulturell nicht angepasst, unsere emanzipatorischen errungenschaften verneint er, mischt sich lieber direkt ein ("kopftuch").

waeren alle muslimischen migranten integriert, wuerde arslan arbeitlos sein. integration ist sein feind.

ob er hier alt werden will, weiss er noch nicht, sollte er aber diskriminiert werden, koenne er jederzeit gehen, das muss er sich nicht bieten lassen. in der zwischenzeit teilt er unsere sozialleistungen und durchschnittseinkommen. davon gibt es viel, das sollte man auf viele verteilen

der_kleine_pariser
 
00

er ist sehrwohl ein beispiel von gelungener Integration.

Integration ist nicht gleich assimilation, das wird sehr oft verwechselt, von Ihnen offensichtlich auch.

KindDesKellers
10
Sie verwechseln

das Kopftuch mit der Burka!!!
Sie geistig hoch begabter Hirnakrobat

KindDesKellers
22
angenommen

sie kommen mit 30 nach Österreich dann werden sie sicher sprechen lernen, aber bestimmt nicht so gut lesen.
Da ist es gut wenn sie zumindest auf Türkisch lesen können was in Österreich so los ist.

von einem anderen Blickwinkel betrachtet(und das können sie doch so gut) INTEGRIERT er die Türken in Österreich, indem er sie über Österreich informiert.

KindDesKellers
31
nein!

Ein Kopftuch ist keine Unterdrückung der Frau.
Auch Rockstars und Bäuerinnen bei der Arbeit oder Putzfrauen tragen es.

Es wird, auch wenn die türkischen Migranten alle täglich als Integrationsmaßnahme 3 Stunden Volksmusik hören müssen, auch künftig 50 jährige Menschen geben die es einfach geistig nicht mehr packen Deutsch in Wort und Schrift zu beherrschen.

Für diese gibt es eine türkische Zeitung.

Er bezahlt Steuern, und baut keine Bomben, ich zwinge ihm sicher nicht unsere Kultur auf.

jo eh
01

es ist ein unterschied, ob man arbeitskleidung trägt
oder ob man anhand eines textils, frauen in "ehrenwert" und "unehrenwert" einteilt.
warum müssen männer kein KT tragen und somit über ihre "reinheit" nicht öffentlich zeugnis ablegen?
schon mal darüber nachgedacht?

eine bandana wie sie einst axel rose trug, ist kein sexistisches symbol.

KindDesKellers
11
nein nein und nein!

Seine Frau macht das freiwillig!

Das Kopftuch ist keine Unterdrückung der Frau.

Die Burka ist Unterdrückung der Frau, das Kopftuch ist keine Unterdrückung der Frau!!!!

verstanden?

ich kann es gerne nochmal wiederholen.

jo eh
00
sie sollten genauer lesen, was ich geschrieben habe.

das KT ist ein sexistisches, frauendiskriminierendes symbol.
selbst wenn es frauen aufgrund von sozialisation oder freiwillig aus politischer/religiöser überzeugung tragen.
es soll ja auch frauen geben, die die burk.a freiwillig überwerfen- und? ändert das was an der botschaft der burk.a? nein. eben.

sie sollten sich nicht unnötig wiederholen, sondern sich besser informieren. dann würden sie erkennen, dass es sich dabei um ein patriarchales, reaktionäres symbol handelt.
daran wird sich nichts ändern, selbst wenn sie mit aller kraft die ihnen unangenehme realität ausblenden.

es soll auch österr. frauen geben, die mit reaktionärem, patriachalem gedankengut konform gehen (frau rosen.kranz zb)

KindDesKellers
00
ich habe ja

gelesen das sie glauben das ein Kopftuch ein patriarchalisches reaktionäres Symbol ist.

Aber es ist ungefähr so wie ein BH.

Unsere Nonnen haben es auch auf.

Ich muss ihnen sagen das sie sich nicht auskennen.

Es ist ein Symbol dafür das man zu seiner Religion steht,
es ist praktisch,
es gibt welche in verschiedenen Farben und mit Mustern oben drauf,
sie sollten vielleicht lieber eine Muslime selbst fragen.

Manche Menschen glauben an Gott, ich finde das doof, aber ich werde es ihnen nicht verbieten.

Das Kopftuch wird nach und nach bei den moderneren sowieso von selbst verschwinden.
So wie bei uns das Kreuz aus den Klassenzimmern verschwindet, und die Leute aus der Kirche austreten.

jo eh
01
fail - leider

1) nonne ist ein geistlicher beruf (wie abt, priester etc) - den eine erwachsene frau nach intensiver probezeit, aufgrund eigener, reiflicher entscheidung ergreifen kann.

KT-trägerin ist kein geistlicher beruf. oder wollen sie andeuten, dass die 13,14jährigen msl. schülerinnen mit KT nonnen sind?

nonnen dürfen außerdem nicht heiraten und kinder kriegen - teil der job description.

2) nach ihrer logik stehen msl. männer also nicht zu ihrer religion, weil sie kein kopftuch tragen?

3) SIE kennen sich nicht aus, wenn sie die sexistische, patriarchale bedeutung des KT bestreiten.

4) sie vergleichen kopftuch mit einem BH - selten so gelacht! wusste gar nicht, dass der BH ein religiöses (und politisches) symbolik ist.

ricko
13
leider haben sie integration nicht verstanden

das frauenmerkmal verhuellende, patriarchische symbol des kopftuchs mit denen von arbeitern zu vergleiche zeugt schon davon welches geiste kind sie sind.

er zahlt steuern, richtig, bekommt unsere sozialleistungen, obwohl er erst seit seinem 30ten lebensjahr hier wohnt. islam-patriarchisches und superpositionierendes denken hat hier nichts verloren.

sie traeumen eine gruene 7 bez diplomaten-migrantenwelt herbei.

Seriöser Hütchenspieler
03
Diese Serie ist doch eine Farce

Die Realität sieht anders aus:
http://de.wikipedia.org/wiki/Date... 2-2009.png

DerAndere34
12
zuerst dachte ich

toller artikel, es stimmt also doch nicht alles was man so (aus dem eher rechten spektrum) hört.

oder doch?

S.A. hat also einen Beruf der es ihm ermöglicht ein angenehmes Leben zu führen, er macht sich über die aktuellen Themen gedanken und hat natürlich seine meinungen dazu.

nach dem zweiten lesen des artikels stören mich aber einige dinge doch.

er gibt eine türkische zeitung für österreich heraus. seine zielgruppe ist daher eindeutig; türken die kein/kaum deutsch können und vl. auch nicht wollen/brauchen.
verständlich dass er dem wort süt auch keine wirkliche bedeutung beimisst.
8 Personen arbeiten bei ihm - bei einer gelungener integration der migranten bräuchte man ihn gar nicht.
aber so hat er 5 mitarbeiter mehr.

KTHXBYE
01

Sehe ich nicht so. Die Frage ist doch vielmehr, welche Inhalte er mit seinem türkischen Medium transportiert, was ich, mangels Information, nicht beurteilen kann. Das kann ebenso ein wertvoller Beitrag zur Integration wie das extreme Gegenteil sein.

Man muß die Leute abholen, wo sie sind, wichtig ist, wo man sie von dort aus hinführt.

edu2
01
Man muß die Leute abholen, wo sie sind, wichtig ist, wo man sie von dort aus hinführt.

Es wird immer unreflektiert davon ausgegangen, dass die Leute sich hinführen lassen wollen. Das setzt jedoch auch die Bereitschaft dieser Leute voraus. Nur wer sagt das, das sie das auch wollen?
Überdies MUSS man das wirklich, ist es nicht vielmehr eine Bringschuld der Migranten?

Mirstetta Toni
00

sind die mieten in istanbul so günstig, oder verdient man dort um so viel mehr? bitte um aufklärung.

ricko
05
diese serie - ein weiterer verschleierungsversuch der realitaet

http://www.welt.de/politik/d... ezirk.html

a grünes stricherl
 
30
was hat das eine mit dem anderen zu tun?

können sie mir das bitte erklären ohne verwendung rassistischer stereotype ..

ricko
12

unsterstellen sie mir praeventiv rassisitsche stereotype zu verwenden?
die serie steht unter 'integration in wien' und hat, wenn sie es ihren augenlicht zulassen, den zweck ein bestimmtes bild zu vermitteln, dass es so in seiner gesammtheit nicht gibt.

a grünes stricherl
 
30
tut diese serie das?

oder ist dasetwas das sich nur in ihrem kopf entwickelt.

wo steht denn dass diese serie ein repräsentatives bild aller immigranten zeichnet?

die serie behandelt immigrationsschicksale.

schön. das tut sie. und sie beschweren sich dass keine schlecht integrierten vorkommen. ok. aber warum werfen sie der serie vor nicht ihre weltsicht zu bestätigen?

von repräsentativ oder "deckt alle facetten ab" steht nirgendwo etwas.

oder unterstellen sie gleich allem das auch mal positive seiten zeigt "manipulation" ... der fp antihumanen propaganda aber unterstellen sie dies nicht?

Mathias
 
20
Sie wollen doch nicht gebildete Menschen mit billigen Proleten vergleichen? (egal welcher Nation!)

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