Forschungsrat sieht Mängel bei Forschungsinfrastruktur

31. August 2010, 17:32
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Studie stellt Defizite bei gemeinsamer Nutzung von Infrastruktur und internationalen Beteiligungen fest

Wien - Mängel bei der österreichischen Forschungsinfrastruktur ortet der Rat für Forschung und Technologieentwicklung (RFT). Laut einer vom Rat beauftragten Studie gebe es Defizite speziell bei der institutionsübergreifenden Nutzung von Geräten oder sonstiger Infrastruktur und bei "größeren, international sichtbaren Forschungsinfrastrukturen", berichtete der scheidende Vorsitzende des RFT, Knut Consemüller, in einer Aussendung am Dienstag.

"Spitzenforschungsinfrastruktur ist die Basis für die Bündelung von exzellenten Wissenschaftern, verstärkte Kooperationen zwischen Wissenschaft und Wirtschaft, exzellente wissenschaftliche Ausbildung und das Entstehen einer attraktiven Forschungsumgebung", sagte Consemüller. Für die Bestandsaufnahme wurden Universitäten, Fachhochschulen und Privatuniversitäten sowie Unternehmen mit einem hohen Forschungsanteil befragt. Insgesamt umfasst die Auswertung 1.024 Forschungsinfrastrukturen in Form von Großgeräten und Forschungseinrichtungen, Core-Facilities, Sammlungen (Datenbanken und Archive) und geschlossener baulicher Infrastruktur, die ausschließlich für Forschungs- und Entwicklungstätigkeiten genutzt werden.

Aufholbedarf gegenüber anderen EU-Ländern

Die Studie bestätige zwar "eine akzeptable Anzahl von Forschungsinfrastrukturen in Österreich", bei größeren, international sichtbaren Einrichtungen gebe es im Vergleich mit anderen forschungsintensiven EU-Ländern aber "deutlichen Aufholbedarf", heißt es in der Aussendung. Ein Defizit bestehe zudem in der kooperativen Nutzung der Infrastruktur". Rund 75 Prozent aller erhobenen Infrastrukturen würden ausschließlich von der betreibenden Organisation genutzt. Institutionsübergreifende Nutzung von Großgeräten würden kaum stattfinden.

Der Rat empfiehlt daher "eine bessere Vernetzung und der verstärkte Ausbau von Service Centern sowohl an den Hochschulen als auch in den Unternehmen. Dies würde gleichermaßen die Exzellenz in der Wissenschaft fördern und die Kosten von Großinfrastrukturen senken.

Um in der internationalen Forschung auch weiterhin im Spitzenfeld zu bleiben, werde es für Österreich auch zunehmend wichtiger, sich an internationalen und europäischen Kooperationen zu beteiligen, etwa über die Initiative "European Strategy Forum on Research Infrastructures" (ESFRI). In den 44 geplanten Projekten im Rahmen der ESFRI-Roadmap 2008 sei bei der derzeitigen Finanzierungslage nur eine österreichische Teilnahme an vier Projekten gesichert.

Mehr Geld dringend nötig

Nicht zuletzt erachtet der Rat eine Steigerung des Budgets für internationale Kooperationen als dringend nötig. Für den Zeitraum 2010 bis 2014 bedürfte es rund 1,2 bis 1,5 Milliarden Euro für die Erneuerung der Forschungseinrichtungen sowie der Errichtung neuer Infrastruktureinheiten. Alleine die staatlichen Universitäten weisen laut der Erhebung in diesem Zeitraum rein für Forschungsinfrastrukturen einen Bedarf von rund 660 Millionen Euro aus.

Für den Wissenschaftssprecher der Grünen, Kurt Grünewald, machen die Aussagen des Rates über den Finanzbedarf die "fahrlässige Unterdotierung der Universitäten und der österreichischen Forschung augenscheinlich". Ohne neue Proteste werde es allerdings laufen wie bisher. "Geschlossener Widerstand" sei unumgänglich, um sich nicht mitschuldig zu machen. (APA)

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