"Und ich habe Ja gesagt"

31. August 2010, 17:06
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Vorstandsverträge werden um fünf Jahre verlängert - Staatsgeld bleibt

Wien - Der Countdown zur geplanten Fusion von Raiffeisen Zentralbank (RZB) und Raiffeisen International (RI) läuft in vollen Zügen. Wie berichtet, soll der Zusammenschluss rückwirkend zum Jahresbeginn 2010 erfolgen und im Herbst in alle Register eingetragen werden.

Aufatmen kann auch die oberste Führungsebene. "Alle Vorstände werden 2011 neue Fünf-Jahres-Verträge bekommen, sagte der Chef der fusionierten Raiffeisen Bank International (RBI), Herbert Stepic, am Rande einer Pressekonferenz. Ein trotz der Anstrengungen sichtlich motivierter Stepic (63), dessen Vertrag nächstes Jahr ausgelaufen wäre, sagte: "Der Präsident (Walter Rothensteiner, Anm.) hat mich gefragt, ob ich noch fünf Jahre weitermachen will. Und ich habe Ja gesagt." Nachsatz: "Schauen Sie mich an. Schau ich aus wie ein Nichtwollender?"

Vehement abgelehnt wird von Stepic hingegen die geplante rigorose Bankensteuer in Ungarn, die die Bank im Halbjahr bereits mit 18 Mio. Euro belastet. Im Gesamtjahr werde die RI durch dieses "Paradebeispiel für fehlgeleitete Maßnahmen" mit 36 Mio. Euro belastet, sagte Stepic. Das führe dazu, dass sich in Ungarn die Kreditzinsen um 75 Basispunkte verteuern. Dabei werde die "Sondersteuer, die der ungarische Finanzsektor tragen muss, die strukturellen Probleme des Landes nicht lösen", im Gegenteil, durch das kurzfristige Stopfen von Budgetlöchern würde der notwendige Reformdruck zugedeckt. Außerdem würden zwei Drittel der zusätzlichen Steuereinnahmen dadurch aufgefressen, dass das Wirtschaftswachstum um ein halbes Prozent abgeschwächt werde, argumentierte Stepic.

Die Einführung einer Bankensteuer in Österreich werde sich nicht mehr verhindern lassen, diese werde aber so eingebettet sein, dass sie nicht so negative Auswirkungen haben werde wie in Ungarn. Anders als die Erste Bank sieht Stepic für eine vorzeitige Rückzahlung der Staatshilfe (die RZB erhielt 1,75 Mrd. Euro) keinen Grund. "Wir zahlen dafür acht Prozent, und es ist Bestandteil des Eigenkapitals. Ich sehe daher keine Logik darin, es in nächster Zeit zurückzuzahlen." Auch eine Kapitalerhöhung sei kein Thema.

Spitze erreicht

Bei den faulen Krediten sieht Stepic in den nächsten Quartalen noch Zuwächse, dann werde aber die Spitze erreicht sein. Die RI habe derzeit 5,4 Mrd. Euro (10,4 Prozent der Kundenkredite) an sogenannten "non performing loans" ("faulen Krediten"), bei der künftigen RBI seien es 6, 5 Mrd. Euro (8,5 Prozent).

Die RI hat im ersten Halbjahr 2010 den Konzern-Periodenüberschuss auf 171 Mio. Euro mehr als verdoppelt. Die Nettodotierungen zu Kreditrisikovorsorgen sanken um 42 Prozent auf 560 Mio. Euro. Das Ergebnis vor Steuern legte auf 304 Mio. Euro zu. (cr, DER STANDARD, Printausgabe, 1.9.2010)

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