Hintergrund

Die Kultur, die Intelligenz und die Juden

31. August 2010, 16:48

Wie Bundesbank-Vorstand Thilo Sarrazin argumentiert

Berlin - Bundesbank-Vorstandmitglied Thilo Sarrazin spitzt komplizierte Sachfragen zu und stellt sie in neue Zusammenhänge, so dass sich derzeit viele von seinen integrationspolitischen Thesen provoziert fühlen.

So spricht der frühere SPD-Politiker in seinem Interview mit der "Welt am Sonntag" von der kulturellen Eigenheit Frankreichs und Deutschlands, die aus dem west- und dem ostfränkischen Reich hervorgegangen sind. "Die kulturelle Eigenart der Völker ist keine Legende, sondern bestimmt die Wirklichkeit Europas", sagt er. Dann kommt die Frage: "Gibt es auch eine genetische Identität?" Und Sarrazin sagt: "Alle Juden teilen ein bestimmtes Gen, Basken haben bestimmte Gene, die sie von anderen unterscheiden."

Alle Juden teilen ein bestimmtes Gen? Das ist natürlich eine Provokation, zumal in der durch den Holocaust und NS-Rassismus bestimmten deutschen Debatte. Er habe sich nicht hinreichend präzise ausgedrückt, erklärt Sarrazin am nächsten Tag. Vielmehr seien "kulturelle Faktoren" für politische und wirtschaftliche Sachverhalte entscheidend. Verstanden wurde Sarrazin aber ganz anders.

Sarrazin sagt, er habe sich bezogen auf einen Text aus dem Berliner "Tagesspiegel" über neueste Forschungs-Ergebnisse aus den USA und Israel ("Abrahams Kinder"). Der ist allerdings so kompliziert, dass der Satz "Alle Juden teilen ein bestimmtes Gen", schlicht falsch ist. Was wäre denn dann mit Konvertiten?

Und dem langen Zeitungsartikel ist durchaus zu entnehmen, dass Aschkenasen (aus Nord- und Osteuropa) und Sepharden (ursprünglich aus Spanien und Portugal) sich genetisch näher stehen als den orientalischen Juden und sich im übrigen kräftig gemischt haben mit nicht-jüdischen Europäern, von denen sie 30 bis 60 Prozent des Erbgutes haben. Was nun?

Thesen über die genetische Bedingtheit von Intelligenz weisen Experten jedenfalls zurück. Sie seien "absoluter Unsinn", sagt der Entwicklungspsychologe Werner Greve der "Berliner Zeitung". Er forscht in Hildesheim über das evolutionäre Erbe des Menschen. "Zwischen Fritz aus Kreuzberg und Mehmet aus Kusadasi gibt es erstmal keine wesentlichen Unterschiede", sagt der Wissenschaftler. Aber beide bräuchten möglicherweise spezielle Unterstützung.

"Auch das ist sehr wichtig für die Entwicklung der Intelligenz: das differenzierte Eingehen auf individuelle Stärken und Schwächen." In einer Grundschulklasse mit 30 Kindern sei das kaum möglich. Deshalb brauche es gerade am Beginn der Schulzeit kleinere Gruppen. "Es gibt Unterschiede", räumt Greve ein. "Aber sie sind nicht wesentlich. Wir haben so unendlich viel gemeinsam mit Mitmenschen aus den entlegensten Gegenden auch genetisch."

Auch der Direktor des Instituts für Humangenetik an der Universität Bonn, Markus Nöthen, sagt dem "Kölner Stadt-Anzeiger": "Bei hochkomplexen Eigenschaften wie der Intelligenz sind hunderte von Genen im Spiel." Auch weniger intelligente Eltern könnten hochintelligente Kinder haben und umgekehrt.

Sarrazin beziehe sich auf Studien, nach denen 50 bis 80 Prozent der Intelligenz genetisch begründet seien, sagte Nöthen. Es stehe zwar fest, dass Intelligenz zu gewissen Teilen vererbt werden könne, "es durch die Vielzahl der beteiligten Gene aber bei Nachkommen immer wieder zu neuen Kombinationen kommt". Außerdem spielten die sozialen, wirtschaftlichen und kulturellen Bedingungen, in denen Kinder aufwachsen, für die Intelligenz ebenfalls eine wichtige Rolle.

Sehr zugespitzt argumentiert Sarrazin auch bei der demografischen Entwicklung: "Beim gegenwärtigen demografischen Trend wird Deutschland in 100 Jahren noch 25 Millionen, in 200 Jahren noch acht Millionen und in 300 Jahren noch drei Millionen Einwohner haben." Sehr wahrscheinlich wird die deutsche Bevölkerungszahl in den nächsten Jahren sinken. Aber Berechnungen über 300 Jahre? Wer hat denn im Jahre 1710 die Bevölkerungs-Explosion des 19. und 20. Jahrhunderts vorhergesehen? (APA/apn)

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Posting 1 bis 25 von 105
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Rudi Lechner
00
13.9.2010, 21:05

Gähn...

Isogseich Eini
00
11.9.2010, 15:31
15 % intelligenter

Mag sein, dass diese Aussage ihn vom Vorwurf des Nazitums freispricht. Aber nicht vom Vorwurf der simplen Doofheit.

Kluger Hans
01
12.9.2010, 02:57
vom nazitum vielleicht,

nicht vom rassismus;
es darf einem mann mit diesen erforderlichen kapazitäten (seiner stellung) nicht passieren, dass er sich mehrfach so missversrändlich ausdrückt, falls er sich darauf ausreden will.

Schrumpfschlauch
00
11.9.2010, 18:37
Einen 15 Punkte höheren IQ hat er geschrieben

h 90
00
11.9.2010, 05:48

Er hat uebrigens auch gemeint, statt moslemischer Einwanderer will er juedische weil die im Schnitt 15 % intelligenter als Deutsche sind.
Diese Aussage die ihn von Nazitum wohl freispricht wird nie erwaehnt.

Nick Tameer
01
16.9.2010, 16:40

Philosemiten sind Antisemiten, die Juden mögen, wie der schöne Spruchh lautet.

das Hendl
00
10.9.2010, 08:27
Ist das typisch?

Drückt sich S. immer so missverständlich aus? Na dann, Mahlzeit.
Oder hat er sich auf Terrain vorgewagt, auf dem er schlecht steht? Dann soll er es schnell wieder verlassen, schliesslich war er kein Niemand (seine Worte wurden gehört).
Das eine aufreizende waren die Interviews; wie stehts aber mit dem Buch?

BK W. Shoyssel
01
fmdj
00

vielleicht sollte man zuerst einmal überhaupt intelligenz definieren.

dann kann man das ganze amüsante drumherum der sarrazin-debatte immer noch durchkauen wie man will.

was mich fasziniert an .de, ist dass die immer so schräge abgehobene haider-testläufer aus der oberschicht haben. wenn da einmal ein richtig ein gewiefter kommen würd, würd's lustig werden bei den nachbarn.

agarthianer
00

traurigerweise ist auch die Diskriminierung unter
jüdischen Gläubigen so wenig hilfreich
http://www.grandestrategy.com/2009/07/r... ed-by.html

HerrHugo
04
und Integration in Israel

ist "Eine Bedrohung für den jüdischen Staat"

http://www.spiegel.de/politik/a... 10,00.html

als wären die um irgendetwas besser.

Nick Tameer
01
16.9.2010, 16:45

Als das Gen, von dem Sarrazin gesprochen hat, ist jedenfalls kein Antirassismus-Gen, aber das wird nicht nur durch die äthiopischen Juden klar. Ich möchte übrigens gerne einmal wissen, wie Sarrazin deren Genstatus einstuft.

DAS SCHLAGLOCH UND SEIN KIND
10

Die Kultur, die Intelligenz und die Juden.

Abrahams kinder haben sich weit entwickelt,nur weil die juden sich in geld verdienen gut auskennen und gelehrte menschen sind muss man die nicht gleich als das Böse darstellen,wenn andere Völker das genau so machen können sollen die es auch tun,anstatt über die juden zu jammern.

Nick Tameer
00
16.9.2010, 16:58

Die haben damals schon zu Moses Zeiten in der Wüste Großbanken gegründet und die Presse beeinflusst. Die allermeisten Juden dürften in der meisten Zeit ziemlich arm gewesen sein.

Mostbluzza
01
mal was zum innehalten

http://www.berlinonline.de/berliner-... index.html

nichtsdestrotrotz muss es sanktionen (soziale zuwendungen) geben, wenn integrationsunwilligkeit, basisbildungsverweigerung (hauptschule/lehre), extremismus und kriminalität festgestellt sind.

von den strebern, den ehrgeizigen und talentierten erfolgreichen redet eh keiner. damit meine ich auch jene, die ganz einfach ihre arbeit (wie viele "einheimische") machen, am fliessband oder am obststand. diese regeln sollten auch für einheimische gelten übrigens.

wenn bei missbrauch nicht einhalt geboten wird, kann das ganze eskalieren. dann zahlen vor allem die integrierten bemühten migranten/sprösslinge drauf.

ROSAROT17
51
wer hat das Buch wirklich gelesen?? rotes Stricherl NEIN/ Grünes Stricherl JA

bitte um ehrliche Angaben!

das fliegende spaghettimonster
 
02
Ich halte mehr auf Kommentare von Leuten,

die das Buch auch wirklich gelesen haben:

http://www.sueddeutsche.de/politik/d... 1.996129-2

hilde peymann
02

das meint robert misik: http://www.taz.de/1/archiv/... 7/04/a0156

Philbert Desanex
 
44
Selbstverständlich haben "alle Juden" ein bestimmtes Gen.

Ein bekannter Rabbi stellte schon vor längerer Zeit einmal fest, daß die Juden mit Vorliebe darauf herumreiten: "Wir haben Abraham zum Vater".

So gesehen, ist die Verneinung eines "jüdischen" Gens seitens der heutigen Möchte-gern-Juden eine Position, würdig eines wahren Antisemiten.

Mit der Zerstörung des Tempels im Jahre 70 u.Z. durch die Römer ist das Judentum, auch in seiner äußeren Form, obsolet geworden.

Was heute als Judentum auftritt ist, wie Islam und Kirchen, eine auf Selbsttäuschung und Betrug beruhende Ideologie, primitiv und gewalttätig.

DA hat die Wissenschaft allerdings recht: Ein Unterschied ist nicht festzustellen.

also dann ...
01
Die "mainstream-journaille" ... sollte hr. sarrazin einfach die R I C H T I G E N F R A G E N stellen, statt

wie von sinnen auf dem thema ausländer, intellignez...und genom herumzureiten :

sarrazin schreibt zu recht :
"D stünde vor einer Zeitenwende, die öffentlich viel zu wenig Beachtung findet" ...
aber es kommen KEINE antworten (d. bundesbankers)
auf die existentiellen probleme wie z.b :

- Die finale Phase unseres Geldsystems - und wie dieses zu retten sei !

- Eine tiefgründige Analyse dieser „Welt-Wirtschafts-krise“, die eigentlich eine Geldsystemkrise ist.

- die Rettungspakete für Südeuropa + seine Meinung zur größten Volksenteignung... der Geschichte !

DAS sind die existentiellen fragen an die sog.
finanz-elite-n i e t e n...
a la sarrazin,
axel weber,
trichet,
bernanke,
ackermann + bank_S_ter
usw.

also dann ...

Bernhard huber
 
12
Wer die schwachen Schüler besonders fördern will,

vernachlässigt die guten Schüler. Das ist die Praxis. Denn die Mittel, die zur Verfügung stehen, sind nicht unendlich, weder personell noch finanziell, und werden tendenziell weniger, Stichwort Budgetkrise und Schulden. Die Folge ist ein allgemein sinkendes Bildungsniveau, alleine aus diesem Tatbestand. Daran ändern auch die Statistikdaten über Matura und Studium nichts, denn die messen nicht die Qualität. Wenn andere Faktoren dazu kommen, die diesen Trend zum Mittelmaß verstärken, umso schlimmer.
Ich kann nur jedem empfehlen, das Buch zu lesen.

Bagel
02

So einfach funktioniert die Welt auch wieder nicht.
wenn das Durchschnittsniveau gehoben wird, dann profitieren natürlich auch die Guten.
Die wirklich Guten können sich ohnehin das meiste selbst beibringen.
Wichtig ist für sie ein Umfeld, in dem sie sich entfalten können.
Und später im Beruf brauchen sie Leute, die fähig sind ihre Ideen umzusetzen.
Die wirklich Guten profitieren auf jeden Fall von der Schwachenförderung.
Am wenigsten profitieren jene, die ein wenig über dem Durchschnitt sind.

asozialist.blogspot.com
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"Auch weniger intelligente Eltern könnten hochintelligente Kinder haben und umgekehrt."

SELBSTVERSTÄNDLICH! Die Variation und das Neuhervorbringen von Merkmalen in Kombination mit natürlicher Selektion sowie dem Wählen des (subjektiv) attraktiveren Partners nennt sich Evolution und funktioniert bei Mensch und Tier seit Urzeiten.
Aber statistisch gesehen bekommen im Durchschnitt(!!) intelligentere Eltern intelligentere Kinder. Das man mit optimaler Förderung extrem viel machen kann ist unbestritten, ändert aber nichts an dieser Tatsache.
Schlimm wird es erst, wenn unterdurschnittlich intelligente Menschen in großer Zahl viele Kinder bekommen und diesen Leuten die Förderung der Kinder auch noch egal ist. Erst wenn alle Faktoren zusammenkommen, gibt es eine merkliche Abweichung. Frage am Schluß: Ist denn das nicht auch so?

Interwirth
01
Diese Behauptung

ist durch keine seriöse Statistik untermauert.. Als intelligente Eltern gelten idR die Gebildeten (niemand interessiert sich für den IQ eines Hilfsarbeiters) - deren schwächere Kinder von der Umwelt nur widerwillig als solche akzeptiert werden (da hat das Kind doch lieber Aufmerksamkeitsdefizitsyndrome, unverarbeitete Konflikte, Burnout, usf), mehr gefördert und mit viel Druck durch höhere Schulen gezwängt werden. Weder Mozarts noch Einsteins Eltern sind durch herausragende Begabungen aufgefallen. Statistisch ist es viel wahrscheinlicher, dass das Kind sehr intelligenter Eltern dümmer ist als diese (das aber gut verbergen lernt) und das Kind sehr schlichter Eltern klüger als seine Erzeuger (es ihm aber keiner zutraut).

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