Putin greift in Oligarchen-Streit ein

31. August 2010, 17:42
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Russischer Premier vermittelt im Duell um weltgrößten Nickelerzeuger

Moskau - Russische Oligarchen sind es nicht gewohnt, dass man ihnen Steine in den Weg legt. Als Oleg Deripaskas Privatflugzeug am Flughafen der nordsibirischen Stadt Norilsk keine Landeerlaubnis erteilt wird, wird Deripaskas Pressestelle schnell aktiv.

Das Landeverbot sei die Fortsetzung der Konfrontationspolitik des Norilsk-Nickel-Managements, ließ man über die russischen Nachrichtenagenturen verlauten. Dieses wolle verhindern, dass Deripaska an einer Krisensitzung mit dem russischen Premierminister Wladimir Putin teilnimmt.

Putin hatte Deripaska und dessen Widersacher Wladimir Potanin sowie regionale Politiker und Manager zu einem Treffen über die Entwicklungsperspektiven von Norilsk eingeladen. Das Schicksal der 200. 000-Einwohner-Stadt ist eng mit der dortigen Nickelproduktion verbunden. Um den größten Nickelproduzenten der Welt tobt seit zwei Jahren ein erbitterter Machtkampf. Seit der ehemals reichste Russe und Strabag-Aktionär Deripaska im April 2008 mit 25 Prozent bei Norilsk Nickel eingestiegen ist, gibt es nichts als Probleme mit Altaktionär Wladimir Potanin. Dieser hält nach dem Ausstieg des früheren Geschäftspartners Michail Prochorow ebenfalls 25 Prozent an Norilsk Nickel.

Machtkampf

Der Machtkampf eskalierte bei der jüngsten Aktionärsversammlung Ende Juni. Potanin gelang es, vier Aufsichtsratssitze sowie den Posten des unabhängigen Direktors zu besetzen. Deripaska erhielt nur drei Aufsichtsratssitze und zieht seitdem gegen diese Wahl zu Felde.

Derzeit prüfen die Staatsanwaltschaft sowie die Finanzmarktaufsicht, ob es bei der Aufsichtsratssitzung mit rechten Dingen zugegangen ist. Außerdem ist eine Klage Deripaskas bei einem Londoner Schiedsgericht anhängig. Der russische Premierminister hatte zwar in der Vergangenheit betont, sich nicht in den Aktionärsstreit einmischen zu wollen, verliert nun aber zunehmend die Geduld mit den Streithähnen. "Mir ist egal, wer von den Aktionären die Kontrolle besitzt. Die Hauptsache ist, dass die Probleme des Konzerns gelöst werden", sagte Putin.

Norilsk gilt als eine der weltweit am stärksten verschmutzten Städte. Putin kritisierte, dass andere Bergbauunternehmen in den vergangenen sieben Jahren ihre Emissionen reduziert hätten, es bei Norilsk Nickel jedoch keine Verbesserung beim Schadstoffausstoß gegeben hätte. Der Premierminister drohte, dass der Staat eingreifen werde, sollte es nicht bald zu einer Lösung kommen. Außerdem würden für Umweltverstöße Strafen fällig.

Bei seinem Besuch in Norilsk teilte Putin vor allem in Richtung des Interros-Chefs Potanin aus. Er kritisierte, dass der Buntmetall-Konzern eine Dividende von 50 Prozent des Gewinns ausgezahlt habe und Potanin im Gegensatz zu Deripaska den Kredit, den er in Krisenzeiten vom Staat erhielt, noch nicht vollständig abbezahlt habe.

Nach dem Treffen gab sich zumindest Russlands Regierungschef zuversichtlich, dass es im Konflikt um Norilsk Nickel eine Annäherung gibt. (ved, DER STANDARD, Printausgabe, 1.9.2010)

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    Wegen der Nickelproduktion gilt Norilsk als eine der schmutzigsten Städte der Welt.

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