Hessen: Bouffier neuer Ministerpräsident

31. August 2010, 19:01
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"Prince Charles" von Hessen übernimmt Roland Kochs Erbe

In Hessen ist am Dienstag nach mehr als zehn Jahren die Ära von Ministerpräsident Roland Koch (CDU) zu Ende gegangen. Koch, der seinen Rücktritt schon vor Monaten angekündigt hatte, schied aus der Staatskanzlei aus. Zu seinem Nachfolger wurde der bisherige Innenminister Volker Bouffier (CDU) gewählt.

Die Wahl Bouffiers ging im Landtag glatt über die Bühne. CDU und FDP verfügen über eine bequeme Mehrheit. Alle Stimmen von CDU und Liberalen (insgesamt 66) entfielen auf Bouffier, der in den vergangenen Jahren oft spöttisch als "Prince Charles von Hessen" bezeichnet worden war - weil er immer im Schatten von Koch gestanden war und ihm elf Jahre lang treu gedient hatte.

Koch war am Abend zuvor von vielen prominenten Politikern verabschiedet worden, darunter Kanzlerin Angela Merkel und Altbundeskanzler Helmut Kohl, der kaum noch öffentlich auftritt. Merkel würdigte Koch als "Homo politicus", konnte sich aber eine kleine Spitze nicht verkneifen: "Ich hoffe, dass er mir auch aus der Ferne weiter Ratschläge gibt."

Der 52-jährige Koch will in die Privatwirtschaft wechseln, was viele in CDU/CSU bedauern. Bayerns Ex-Ministerpräsident Edmund Stoiber (CSU) soll Merkel gedrängt haben, Koch doch ins Bundeskabinett zu holen. Stoibers Befürchtung: Ohne Koch werden der Union viele konservative Wähler verlorengehen. Den CDU-Landesvorsitz hat Koch schon im Juni an Bouffier übergeben.

Merkel muss sich auch im hohen Norden mit einem neuen Gesicht vertraut machen. Nachdem das Landesverfassungsgericht das Wahlrecht von Schleswig-Holstein gekippt und Neuwahlen binnen zwei Jahren angeordnet hat, legte Ministerpräsident Peter-Harry Carstensen den CDU-Vorsitz nieder. Unklar ist, ob er die CDU noch einmal in die Wahl führt. (Birgit Baumann aus Berlin /DER STANDARD, Printausgabe, 1.9.2010)

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    Volker Bouffier regiert nun in Hessen.

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