Mobile Geräte: App oder Browser?

Roland Kreutzer, 31. August 2010, 14:39
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    foto: privat

    Roland M. Kreutzer.

Der Trend und Hype geht im Moment zu Apps, für die man Geld verlangen kann - Roland Kreutzer im Ad-Blog über Web-Projekte

Bei vielen Web-Projekten stellt sich heute bereits zentral oder zumindest bei Schnittstellen am Rande die Frage nach der Art der Umsetzung auf mobilen Geräten. Und durch die diversen Stores und Applikations-Systeme dort bietet sich heute mehr als nur ein Weg, um dem User einen Inhalt zu zeigen.

Der eine Weg ist der über spezielle "Apps", die für ein Smartphone oder Tablet programmiert werden, meist proprietär (also gebunden an einen Anbieter) sind und im Gegenzug aber dessen Möglichkeiten voll ausnutzen können. Der andere Weg sind Websites, die an das Umfeld angepasst werden und so mobile-web-tauglich gemacht werden.

Der Trend und Hype geht im Moment zu Apps, für die man Geld verlangen kann (wo also Hersteller, Programmierer und Besitzer Einnahmen lukrieren können). Die Begründung lautet nicht selten, dass man nur damit ausreizen kann, was die Hard- und Software bietet. Der Nachteil liegt aber auf der Hand: Die App für mehrer Plattformen aktuell zu halten, ist mit Kosten verbunden (ich behaupte: selbst bei halbwegs guten Einnahmen schaffen es nur wenige Apps, sich zu finanzieren). Das Binden an den Anbieter samt dessen Restriktionen und Gewinnanteilen dürfte auch so manchem sauer aufstoßen. Und schließlich kommt beim User auch noch ein Wildwuchs verschiedener Lösungen an, die auch zu Inkompatibilitäten und fehlender Usability spätestens bei komplexeren künftigen Anwendungen zu Akzeptanzproblemen führen wird können.

Browser sind auch die Zukunft!

Die Zukunft orte ich daher eindeutig wieder beim Browser. Freie Wahl der Software und Plattform, standardisierte Inhalte, leichte Übertragbarkeit über alle Medien (Web, Mobile, Tablet, Set-Top-Box, Konsole...) und die vorhandene Infrastruktur sprechen auch dafür. Es wird sich beim Browser allerdings wieder einmal ein Innovationsschub ergeben, wie es schon häufig war. Die Integration in Betriebssysteme und die Einbettung von "rich media" aller Art sind Beispiele der Vergangenheit, wo genau das auch schon passiert ist. Und alle Zeichen zeigen mir, dass der "Apps"-Wildwuchs auch schon wieder in einen neuen Trend zum Browser mündet. Im E-Book-Bereich wird es nicht viel anders geschehen.

Warum ich das Thema hier anspreche ist auch leicht erklärt: Einerseits geht es um Investitionsschutz im Marketing, wo oft viel Geld in endliche Erfolge investiert wird. Andererseits auch um ein Aufstellen im relevanten Markt - einem, der wie ich annehme, aus einem sehr konvergenten Web der verschiedenen Zugangswege bestehen wird. Spezielle Apps werden darin genauso wie Social Media die Funktion des Zubringers in eine ansonsten wieder offene Welt eines "Web" haben. Das wiederum wird einige heute moderne Fähigkeiten inhalieren, aber dem bisherigen Browser-System wieder ähnlicher sein, als wir es angesichts der bunten Apps und Stores heute vermuten: Weil es für Anbieter einfacher und billiger ist und den Interessen der User näher kommt. (derStandard.at, 31.8.2010)

Zur Person:

Roland M. Kreutzer ist Geschäftsführer von Tripple ad-locator.net
www.ad-locator.net

eMail: kreutzer@tripple.at
Facebook: http://www.facebook.com/contator
Xing: https://www.xing.com/profile/Roland_Kreutzer2

Kommentar posten
19 Postings
online sheriff
01
lieber eine gute browser-site

also für nachrichtenseiten kann ich nur beipflichten:
lieber eine gute browser-seite als eine schlechte app (um ein beispiel aus d zu nehmen: mir reicht die browser-version des spiegel vollkommen). leider haben noch immer zu viele heimische news-sites weder das eine noch das andere gelungen hingekriegt.

v.a. bin ich nicht bereit für eine news-app zu zahlen die kaum einen zusatznutzen außer die vermeintlich bessere usability zu bieten hat. print-versionen interessieren mich nicht, da relevante print-meldungen meist auch so frei zugänglich sind.

und am aller unsinnigsten ist für mich die geplante kurier-mittags-beinahe-print-app-ausgabe. wer soll dafür was bezahlen?

Insulaner1
02
31.8.2010, 22:29
Mag zwar jetzt kleinlich klingen

aber beim App erspart man sich 1-2 "Klicks".

gianni speranza
00

man spart sich ja auch irrelevante daten wie werbung - und darum gehts hier vermutlich eigentlich, weil mit den "apps" die gschickte neue welt der mobilen geraete nicht mehr (so ohne weiteres) beworben werden kann (beispiel fahrplan); sj - unser aller messias - hat bzgl werbung und apps ja schon wieder eigene ideen wie man die zahlungskraeftigen/willigen early adopters weiterhin erreichen kann und damit als reichweiten abhaengiger content provider finanzierbar bleiben kann. es koennten also wieder mehr klicks werden...

hr. k. kann nicht wirklich glauben dass sich hw nahe apps (extrembeispiel camera) bzw applikationen mit zurecht hohem ressourcenbedarf (zb games) demnaechst im browser mit hervis werbebanner wiederfinden.

Roland Kreutzer
00

HW-nahe Apps wird es geben, auch größere Apps (vom Office bis zur Bildbearbeitung, Newsreader bis Game...). Davon ist keine Rede.

An zwei Seiten sehe ich aber kaum Nutzen: Medien, die teilweise schlechte Reader einer ordentlichen Mobile-Web-Version vorziehen sind die eine Sackgasse. Und interaktive Kundenbindungs-Werbe-Apps mit geringer Reichweite und hohen Kosten auf der anderen Seite auch nicht.

Um den Banner geht es da BTW kaum - den gibt es in Apps schließlich genauso. Wenngleich natürlich ein einziges Web mit Endgeräten, die auch mobil sein können, durchaus seinen Reiz in der Planung hätte.

Schottentor U-Bahn
52
31.8.2010, 16:20
Herzig!

Das liest sich wie ein Schulaufsatz!

Roland Kreutzer
01
31.8.2010, 16:32

Schule beginnt IMHO erst nächste Woche. Ist also keiner.

Fakt ist, dass derzeit viel Geld für meiner Meinung nach bald obsolete Anwendungen ausgegeben wird bzw. diese nicht die künftige Nutzung widerspiegeln. Der Anstoß zur Diskussion dazu (oder zum Nachdenken darüber) sei erlaubt.

Monopoly mit Hut
00

Dass es "bald obsolete" Anwendungen gibt, ist unbestritten. Man denke nur an die vielen "iBeer"-Varianten oder die tausend Apps, die nichts anderes sind als Bildersammlungen von mehr oder weniger bekleideten Menschen.

"Echte" Apps werden niemals durch Browser-Applikationen ersetzt werden können. Schon das "simple" Google Maps bietet als App den Zugriff auf das eigene Adressbuch und das Anlegen von Bookmarks, die lokal abgespeichert werden.

OpenMaps (u.a.) kann ganze Karten lokal abspeichern und damit offline verfügbar machen.

WolframAlpha funktioniert als App um Klassen besser.

Und was haben E-Books mit dem Browser zu tun? E-Books sind lokal abgespeichert. Über's Web wäre das Lesen unterwegs nicht möglich.

Schottentor U-Bahn
21

a) Mit "Schulaufsatz" war Ihr Schreibstil gemeint, und dabei bleibe ich.
b) Inhaltlich können Sie gerne Diskussionen anregen.
c) Ich teile Ihre Meinung jedoch nicht. Denn die meisten Browser-Zugänge für Anwendungen und Websites sind immer noch unpraktisch und holprig. Ich präferiere Apps bei weitem.
d) Das Kürzel "IMHO" verwenden Sie falsch, denn die Schule beginnt nicht "Ihrer Meinung nach" nächste Woche, sondern "soweit Sie wissen".

fat albert1
01
31.8.2010, 22:17

Ob das Alles-Im-Browser-Konzept angenommen wird oder nicht, wird glaube ich Chrome OS zeigen. Wenn ich darauf wetten müsste, würde ich eher dagegen setzen.

Roland Kreutzer
00

Chrome ist ein gutes Beispiel - OS oder Browser, beide Seiten zielen im Endeffekt auf das selbe Ziel ab. HTML5 nimmt auch viel der Entwicklung vorweg. Und da kommt sicher noch viel mehr - je mehr sich die App-Stores voneinander abschotten, desto größer die Suche nach Alternativen.

t 3
 
01
31.8.2010, 18:39
(1)fakt ist auch,

dass für ios und android (und wp7 an sich ebenso) ausgereifte und ausgefeilte entwicklungswerkzeuge existieren, die professionelle softwareentwicklung mit allem was das programmiererherz begehrt und benötigt unterstützt. das unterscheidt sich von der entwicklung für desktops fast nur mehr durch das was die geräte aufgrund neuer bedienkonzepte an ui/gui neuerungen fordern (und auch zulassen, da gibts schon haufenweise geniale sachen). und auf dem desktop ist es offenbar auch für viele (selbst kleine) entwickler drin 2-3 platformen ausreichend effizient zu unterstützen. das mengen-argument ist übrigens nicht anwendbar, denn wenn es für desktops 1000x soviele anwender gibt, gibts auch 1000x soviele sw-hersteller.

niemand kann ernsthaft wollen oder glauben, dass sich (app-)anwendungsentwicklung auf einer bereits extrem breiten basis - vom virtuellen studio bis hin zum ego-shooter - so bald durch html/css/javascript-pseudocompilate ersetzen lassen; wo z.b. jeder zugriff auf hw-resourcen 3-10x soviel aufwand erzeugt.

t 3
 
01
31.8.2010, 18:38
(2) letztens war zudem

auf mashable (glaub' ich) ein artikel über einen entwickler der eine ipad-app (also ein bruchteil der iphone/android usermenge) namens "uzu" anbietet, und damit z.z. etwa 2k usd pro woche einnimmt (bereits abzgl. apple-fees), und der geschildert hat dass sich das auf 14k gesteigert hat, als apple das als "app der woche" gefeatured hat.

man sollte nicht unterschätzen, dass diese durchaus erstaunliche neuerung um 1-5 euro software kaufen zu können die ofmals sehr, sehr gut gemacht ist und nützlich ist und spass macht bereits auf x-millionen potentielle käufer trifft, und daher sehr wohl entsprechende einkunftsmöglichkeiten bietet - auch für größere dinge als 1-2-mann/frau-entwicklerfirmen (obwohl die netterweise bisher am meisten profitieren); und selbst mit cydia wird gutes geld verdient.

in summe ist das ein markt, der in kürzester zeit einen äußerst beachtlichen umfang erreicht hat, ganz offenstichtlich weil alle seiten dabei gut wegkommen.

unvorstellbar wenn die technischen möglichkeiten einer browserbasierten entwicklung die grenzen dafür gewesen wären...

Roland Kreutzer
00

Stimmt. Der Mashable-Artikel betraf aber eine der Mega-Apps (Parkplatzfinder, wenn ich mich nicht irre). Und ja, es gibt ein funktionierendes Ökosystem für richtige (!) Anwendungen. Im Etat gehts aber um Marketing und Medien, vielleicht hätte ich das oben deutlicher machne sollen. Und in diesem Segment sehe ich solche wirklichen nützlichen Apps kaum. Nur teure. ;-)

Monopoly mit Hut
00

Dann verstehen Sie unter "Marketing und Medien" aber wirklich nur "Online-Werbung und Zeitungen". Gut, bleiben wir dabei.

Schon alleine die Amazon-App ist Gold wert, obwohl sie gratis ist. Genauso die Apps von Supermärkten (BILLA, Tesco). Zeigen den nächsten Supermarkt, führen Einkaufslisten, zeigen Sonderangebote an. Wenn das kein Marketing ist? H&M, IKEA wären die nächsten Kandidaten.

BBC, Guardian, Reuters, alle bieten Apps an, die gratis, werbefinanziert oder kostenpflichtig sind. Die Handhabung und Darstellungsqualität lässt sich mit Web-Applikationen nur schwer erreichen. Die leiden aber IMHO alle darunter, dass Nachrichten austauschbar sind. Sobald die Werbung stört, wird einfach die nächste App genommen.

t 3
 
00
(2)es war auf ars technica:

http://arstechnica.com/apple/new... uccess.ars

ad marketing und medien: dann verstehe ich allerdings die aussage des obigen artikels nicht mehr. wenn es ein funktionierendes ökosystem gibt, wird sich die genannte klientel wohl auch dort einnisten (also insbesondere werbung).

die kernaussage schien mir zu sein, dass das "proprietäre" app-entwickeln und der vertrieb über eigene stores _generell_ (sprich für die massen und die masse an anwendungen) - zugunsten browserbasierter mobil-anwendungen aufgegeben werden sollte (oder wird).

auch "konsumationsanregende" entwicklungen wie pulse oder flipbook lassen sich in absehbarer zeit nicht passabel im browser umsetzen und transportieren dennoch (bereits jetzt) inhalte (und werbung).

wenn sie nur meinten, dass sich nicht jedes online-medium eine eigen app stricken muss, so würde ich dem durchaus zustimmen. ist wohl auch nicht im sinne der konsumenten, die vmtl. lieber eine app haben, die ihre persönlichen favoriten kumuliert, anstatt hintereinander durch ein halbes dutzend unterschiedlich aussehender und anders zu bedienender apps zu switchen.

Roland Kreutzer
00

Genau so war es gemeint. Das "generell" würde ich nur mit "99%" übersetzen, denn mehr als 1% an Apps sehe ich nicht, die dort besser gelöst werden können. Alles, was bisher hier als positiv genannt wurde, wäre innerhalb dieser 1% - amazon-App, .... inklusive.

Und zum zweiten Post drunter auch gleich hier:
ja, genau. doch auch hier wird sich künftig noch viel in den browser verlagern - siehe rss-reader und co., notfalls als Plug-In.

t 3
 
00
19.9.2010, 19:55
sie irren völlig.

und schätzen scheinbar auch die jeweiligen technischen möglichkeiten falsch ein. merken sie sich doch einfach ihre prognose für den 1.9.2013 im kalender vor, und überprüfen sie dann wie richtig oder falsch sie gelegen sind...

t 3
 
00
(1)allerdings

wäre dann die frage zu stellen, ob es nicht noch interessanter ist, einen speziell aufbereiteten feed bei spezialisierten apps (wie eben pulse oder flipbook) unterzubringen - mit entsprechenden partnerschaften - anstatt einfach im browser hocken zu bleiben (und daher dennoch beträchtliche resourcen in die aufbereitung des content stecken zu müssen).

das wäre m.e. noch effizienter, weil man sich um den "schönen rahmen" und die dahinterstehende entwicklung und pflege eben nicht mehr kümmern muss und der konsument dennoch die vorteile einer erstklassigen usability (und die aggregierung mehrerer quellen) genießen kann.

z.b. "pulse for free", dafür aber fix mit einem webstandard-feed an erster stelle...

t 3
 
00
(-1)nummerierung verdreht...

;)

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