Karge Weinernte bringt höhere Preise

31. August 2010, 14:42
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Die heurige Weinernte wird wegen der Witterung so gering ausfallen wie seit mehr als zehn Jahren nicht mehr

Wien - Die heurige Weinernte wird wegen der schwierigen Witterung so gering ausfallen wie seit mehr als zehn Jahren nicht mehr. Erste Schätzungen gehen von deutlich unter 2 Mio. Hektoliter aus, so wenig waren es zuletzt 1997 mit 1,84 Mio. Hektoliter. Von der Qualität her wird aber ein sehr guter Jahrgang erwartet - "wenn das Wetter nicht weiter so verrückt spielt", sagte Weinbauverbandspräsident Josef Pleil heute in einer Pressekonferenz. Nach dem verregneten Sommer hofft man auf einen warmen und sonnigen Herbst. Die kleine Weinernte bringt höhere Preise.

Wie sich höhere Traubenpreise auf die Konsumentenpreise generell auswirken werden, könne man nicht abschätzen, so Pleil. In manchen Bereichen werde es zu keinen Preiserhöhungen kommen, in manchen Segmenten schon. In den Supermärkten könnten vor allem bei den Einstiegsweinen aber auch im mittleren Preissegment vermehrt ausländische Produkte in die Regale kommen, wenn die Preise für österreichischen Wein zu stark angehoben werden. Es gebe in den Supermärkten Preisschwellen und am Weltmarkt sei genug Wein vorhanden. Auch als Winzer könne man mit großen Preissteigerungen wohl keine große Freude haben, weil man gewisse Marktsegmente verliere. Es sei nicht vorstellbar, dass österreichische Winzer auf das untere Segment verzichten, meint Pleil.

NÖ und Burgenland betroffen

Betroffen ist von den schwierigen Witterungsbedingungen und damit auch den kleineren Mengen beim Weißen vor allem der Grüne Veltliner, bei den Rotweinen die Sorte Blaufränkisch und weniger der Zweigelt. Regional wird vor allem in Niederösterreich und im Burgenland die Weinernte wesentlich kleiner ausfallen.

Im Weingarten hat es heuer jede Menge Probleme gegeben. Angefangen bei Frostschäden - gemeldet wurden bei der Hagelversicherung rund 1.000 Hektar - bis hin zu Pilzerkranken. Die anhaltenden Regenfälle während der Blütezeit Anfang Juni führten zu kleinen und lockerbeerigen Trauben. Relativ in Grenzen gehalten hat sich der Hagel. Eine durchschnittliche österreichische Weinernte liegt bei 2,6 bis 2,7 Mio. Hektoliter. Die Weinbauern hoffen nun auf einen schönen Herbst, sodass der Jahrgang "klein, aber oho" wird.

Steigende Preistendenz

Bei einer kleinen Ernte befürchteten die Aufkäufer, dass sie zuwenig Ware erhalten. Derzeit werden für ein Kilo Trauben 60 bis 65 Cent gezahlt, Tendenz "spürbar steigend", so Pleil. In einem Normaljahr halten sich in Österreich Erzeugung und Inlandskonsum die Waage, Exporte und Importe gleichen sich aus. Positiv entwickelt sich der Ab-Hof-Verkauf. Langfristig werde es aber notwendig sein, dass die Winzer im Supermarkt präsent sind, so Pleil.

Die Weinanbaufläche ist den vergangenen zehn Jahren leicht gesunken und lag 2009 mit 45.533 Hektar um 6,1 Prozent unter dem Wert von 1999, ergab die Weingartenerhebung der Statistik Austria, die im Zehn-Jahres-Rhytmus durchgeführt werden muss. Weingärten müssen allerdings auch in etwa alle 30 Jahre erneuert werden, gute Winzer ließen den Boden dann eine Zeit rasten sodass die Weinflächen Schwankungen unterworfen von rund 10 Prozent unterworfen seien, so Pleil. Die 6 Prozent lägen also innerhalb der normalen Flächenschwankungen.

Gestiegen ist die Anbaufläche von Rotwein wegen des Rotweinbooms Anfang der 2000er Jahre. "Mehr soll es nicht mehr werden", meint Pleil. Der Stand der Rotweinfläche entspreche den Markt- und Exportgegebenheiten. Rotwein angebaut wurde im Vorjahr auf rund 15.700 Hektar (+27 Prozent). Die Weißweinfläche lag bei 29.800 Hektar (-17,5 Prozent). Das Verhältnis von rund zwei Drittel Weißwein zu rund einem Drittel Rotwein solle sich nicht ändern.

Weniger Winzer

Deutlich weniger geworden sind in Österreich die Winzer. Die Zahl der Betriebe sank im vergangenen Jahrzehnt um 37 Prozent auf 20.181. Dabei haben vor allem viele Kleinstbetriebe aufgegeben - "Selbstversorger, Pensionisten, Hobbywinzer", so Pleil. Trauben aufkaufende Betriebe seien allerdings gut beraten, sich langfristige Partnerschaften für ihre Rohware zu sichern. Wenn ein Kleinbetrieb nicht das notwendige Geld erhalten, werde er aufhören. Die Zahl der Vollerwerbsbetriebe liege bei rund 10.000, also bei rund der Hälfte aller Betriebe. (APA)

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