SPÖ-Abgeordneter Christian Faul tritt nach Gespräch mit Voves zurück

31. August 2010, 14:05
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Abgeordneter stand zuletzt nach Journalistenattacke und verbaler Entgleisung in der Kritik

Der zuletzt unter Druck geratene steirische SPÖ-Abgeordnete Christian Faul tritt zurück.

Der Rücktritt des Abgeordneten Christian Faul erfolgte nach einem Gespräch mit dem steirischen SPÖ-Landesparteivorsitzenden Franz Voves. "Angesichts der Äußerungen von Nationalratsabgeordneten Christian Faul sowie der gegen ihn heute in einer Tageszeitung erhobenen Vorwürfe habe ich ein persönliches Gespräch mit ihm geführt. Nunmehr darf ich mitteilen, dass mir Christian Faul schriftlich seinen sofortigen Rücktritt als Abgeordneter zum Nationalrat mitgeteilt hat", sagte Voves in einer knappen Stellungnahme.

Die Tageszeitung "Österreich" hatte heute unbestätigte Vorwürfe gegen Faul veröffentlicht, wonach dieser in seiner Zeit als Lehrer Schüler geschlagen haben soll. Das wurde laut dem Bericht von einem Ex-Schüler - allerdings anonym - behauptet. Der 61-Jährige fiel zwar über weite Strecken als Hinterbänkler kaum auf, sorgte dann aber doch immer wieder für kleine, für die SPÖ wenig erbauliche Schlagzeilen. Unter dem Druck der sich in den letzten Tagen angehäufen Vorfälle musste der ehemalige Hauptschuldirektor - auch im Lichte der bevorstehenden Landtagswahlen - nun den Hut nehmen.

Entgleisungen

Faul hatte unlängst mit Attacken gegen Journalisten während der Nationalratssondersitzung letzte Woche und einer verbalen Entgleisung gegen den BZÖ-Abgeordnten Gerald Grosz bei einer Veranstaltung in Weiz wenige Tage danach für Empörung gesorgt.

Mit den Worten "Dieses A... wird in Weiz sicher nicht begrüßt" soll er am vergangenen Wochenende beim Mulbratlfest in seiner oststeirischen Heimatstadt dem Moderator zu verstehen gegeben haben, dass einer seiner "Lieblingskontrahenten", BZÖ-Landeschef Abg. Gerald Grosz, nicht begrüßt werden soll. Faul selbst wiegelte noch am Montag ab: Er habe keine öffentliche Äußerung in diese Richtung gemacht.

Schon 2009 Eklat wegen Faul-Äußerung

Zwischen Grosz und Faul war es bereits im Mai 2009 zum Eklat gekommen. Der Oststeirer hatte Grosz beschimpft, u.a. mit den Worten: "Du bist genau um den Schädel zu klein, wo das Hirn drin sein sollte", "Mit Ihrem Intelligenzgrad haben Sie gar keine Berechtigung hier aufzutreten" und schließlich "Sie sind Sternzeichen Krokodil: Große Pappen, kleines Hirn".

Die dank diesen Auftritts erhöhte Bekanntheit Fauls führte bald zum nächsten Problem: Es kam heraus, dass Faul zum Nationalrats-Gehalt von über 8.000 Euro brutto noch 75 Prozent des Direktoren-Gehaltes bezog. Seine Arbeit an der Schule für kolportierte 2.600 Euro netto beschrieb er selbst so: "Ich bin seit 28 Jahren Direktor, seitdem dienstfrei gestellt, das heißt, ich habe keine Lehrverpflichtung. Das Administrative macht seit meinem Einzug in den Nationalrat mein Stellvertreter." Nach heftiger Kritik wegen seiner Mehrfachbezüge nahm sich Faul selbst aus dem Schussfeld, indem er in Pension ging.

Fauls Rücktritt könnte für Christian Füller die Rückkehr in den Nationalrat bedeuten. Denn er ist hinter Faul der nächste auf der steirischen Landesliste.

(apa)

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    Aus eigenem Wunsch stellte Faul sich einem Alkoholtest, nachdem vermutet wurde, die Äußerungen gegen Grosz seien 2009 unter Alkoholeinfluss erfolgt. Ergebnis: 0,0 Promille.

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    Faul bei der Sondersitzung in der letzten Woche.

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