Regierung stoppt Fachhochschul-Ausbau

31. August 2010, 13:07
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Wenn es mehr Geld gibt - Stopp tut Karl weh - Schmied: Auf "Basis der Gegebenheiten" nicht mehr möglich

Wien - Die Regierung stoppt den Ausbau der Anfänger-Studienplätze an den Fachhochschulen (FH) und bekennt sich gleichzeitig zu deren weiterem Ausbau. Aufgrund mangelnden Budgets sieht der am Dienstag im Ministerrat beschlossene neue FH-Plan 2010/11-2012/13 vorerst eine "qualitative Weiterentwicklung und Konsolidierung" der Fachhochschulen vor. Seit Gründung der FH im Jahr 1994 wurden die Anfänger-Studienplätze bisher stets erweitert.

Derzeit studieren an den Fachhochschulen rund 36.000 Personen in 315 Studiengängen, davon sind rund 14.300 Anfänger. Vom Bund gefördert werden knapp 32.000 Plätze - pro Studienplatz fließen 7.940 Euro bei technischen bzw. 6.510 Euro bei wirtschaftlichen Studiengängen an die Erhalter. Die Bundesförderung betrug 2009 189,4 Mio. Euro, 2010 etwas mehr als 200 Mio. Euro. Vom Ausbaustopp ausgenommen sind natürlich jene Plätze, die vom Bund gar nicht finanziert werden: Das sind die rund 4.000 FH-Studienplätze im Gesundheitsbereich - sie werden von den Ländern bezahlt.

Karl: Stopp tut weh

Wissenschaftsministerin Beatrix Karl (ÖVP) erklärte am Dienstag vor dem Ministerrat, dass ihr der Ausbau-Stopp "natürlich" weh tue. Sobald es wieder möglich ist, solle es auch wieder neue Plätze geben, so die Ministerin. "Der quantitative Ausbau bleibt mein zentrales Ziel, das wir aufgrund der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen und der notwendigen Budgetkonsolidierung des Bundes aber nur unter Voraussetzung neuer Mittel erreichen können", so Karl in einer Aussendung. Unterrichtsministerin Claudia Schmied (SPÖ) sagte dazu, die SPÖ stimme dem Fachhochschulplan zu, da auf "Basis der Gegebenheiten" nicht mehr möglich sei.

Neue Mittel sollen nach Ansicht Karls vor allem durch eine Ökologisierung des Steuersystems hereinkommen: "Dazu brauchen wir ein gemeinsames Bekenntnis der Regierung." Konkret bedeutet der Ausbaustopp, dass es keine neuen Anfänger-Studienplätze gibt. Trotzdem steigt die Zahl der vom Bund geförderten Studienplätze von derzeit (2010/11) rund 31.800 bis 2012/13 auf 33.100, da die nun beginnenden Anfänger dann noch in höhere Jahrgänge wechseln.

Neuer FH-Plan

Der FH-Plan sieht weiters vor," eine Konzentration auf bestehende Einrichtungen und Standorte anzustreben". Damit solle eine kritische Größe bei Infrastruktur und Personal sowie der Aufbau einer standortbezogenen Scientific Community erreicht werden. Eng fachverwandte Studiengänge sollen konzentriert, Qualitätskriterien bei Standortentscheidungen vorrangig mit einbezogen sowie auf mögliche Kooperationen mit Unternehmen geachtet werden.

Weitere Eckpunkte des FH-Plans betreffen die Förderung berufsbegleitender Bildungsangebote und die Erhöhung der Durchlässigkeit des Bildungssystems. So sollen etwa mehr Studenten ohne Matura an die FH, außerdem sollen FH-Absolventen leichter an eine Uni wechseln können. Außerdem soll die Mobilität der Studenten weiter gefördert sowie der Anteil von Frauen und Personen mit Migrationshintergrund an den FH-Studenten gesteigert werden.

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