Industrielle mit "Nachforderung"

31. August 2010, 12:47
21 Postings

Vorleistung für Flexibilität: Die Industrie habe sich den Abschluss über der Inflation im Vorjahr eigentlich nicht leisten können

Alpbach - Die Industrie geht mit einer Nachforderung aus dem Vorjahr in die Anfang September beginnende Metaller-Lohnrunde. "Wir haben uns den Abschluss im vergangenen Jahr eigentlich nicht leisten können - der Abschluss über der Inflation in einem Rezessionsjahr war eigentlich eine Vorleistung für uns zugesagte Flexibilität - das haben wir nicht bekommen. Wir werden das in die Runde einbringen", sagte Industriellenchef Veit Sorger am Dienstagvormittag in Alpbach. Im Vorjahr hatte man bei den Metallern mit 1,45 Prozent (Ist) bzw. 1,5 Prozent (KV) abgeschlossen.

Sein Generalsekretär Markus Beyrer sagte, er sehe die Lohnforderungen in Deutschland (sechs Prozent) eher als "Theaterdonner" an. Die Industriellenvereinigung (IV) wandte sich gegen angebliche Versuche der Gewerkschaft, die Kurzarbeit als ihr Zugeständnis zu "verkaufen": "Das war ein gemeinsames Instrument, die Beschäftigung aufrechtzuerhalten", sagte Beyrer.

Die Kosten für die Kurzarbeit

Zwei Drittel der Kosten der Kurzarbeit (300 Mio. Euro) seien von den Unternehmen, 25 Prozent vom Staat und nur neun Prozent von den Arbeitnehmern bezahlt worden. Für 25 bis 30 Prozent weniger Arbeit hätten die Arbeitnehmer um neun Prozent weniger Lohn bekommen, in manchen Betrieben sei das durchaus als "Zuckerl" gesehen worden.

Insgesamt haben die auf ihrem Höhepunkt mehr als 60.000 Kurzarbeiter 454 Mio. Euro gekostet. Die Maßnahme, die nun weitestgehend ausgelaufen ist, wird allgemein als erfolgreich angesehen. Sie hat mitgeholfen, die österreichische Arbeitslosigkeit in der Krise (relativ) gering zu halten.

IHS rät zur Vorsicht

Die jetzt beginnende Herbstlohnrunde läuft für den Wirtschaftsforscher Bernhard Felderer (IHS) "in einer besonders heiklen Situation" an. Österreich befinde sich in der ersten Phase des Aufschwungs. Deshalb sei eher Vorsicht geboten.

Klar sei, dass die Arbeitnehmer nach der schwersten Wirtschaftskrise seit Jahrzehnten Anteil an der Erholung der Wirtschaft forderten und auch haben sollten, so der Wirtschaftsforscher. Besser wäre es aber, etwas abzuwarten, ob diese Erholung auch wirklich kommt, sagte Felderer in Alpbach

"Weckruf für Standortqualität"

Die Industriellenvereinigung stellte ihre diesjährige Pressekonferenz zu Beginn der Alpbacher Wirtschaftsgespräche unter das Motto "Weckruf für die Standortqualität". Sorger und Beyrer zeichneten Schweden und Deutschland als Vorbild für Österreich - Schweden, weil die Skandinavier in den Neunzigerjahren eine tiefe Krise durch Strukturreformen bewältigt haben und Deutschland, weil der nördliche Nachbar (erwartetermaßen) heuer etwa doppelt so schnell wachsen wird wie Österreich (drei gegenüber 1,5 Prozent).

"Österreich verliert im Vergleich zu wichtigen Wirtschaftspartnern kräftig", die Zeit des Wachstumsvorsprungs sei offenbar vorbei, erklärte Sorger. Die IV bekräftigte ihre Ablehnung gegen jede Steuererhöhung, die das Wachstum nur belasten würde. Sie forderte Einsparungen beispielsweise im Gesundheits- und Pensionsbereich (Abschaffung der Hacklerregelung). (APA)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Industriellenchef Veit Sorger macht sich auch Sorgen um die Standortqualität.

Share if you care.