Intel öffnet Hintertür zu Handys

31. August 2010, 09:12
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Mit der Übernahme der Handysparte von Infineon unternimmt Intel erneut einen Anlauf, um auch im boomenden Smartphone-Markt Fuß zu fassen

1,4 Milliarden Dollar (1,1 Mrd. Euro) ist es dem weltgrößten Chiphersteller Intel wert, im Bereich von Smartphones Fuß zu fassen. So viel zahlt Intel für die Drahtlossparte des Halbleiterherstellers Infineon: Chipsätze, die von Herstellern wie Apple für das iPhone oder Samsung für seine Galaxy-Handys verwendet werden (der WebStandard berichtete). Auf die Infineon-Niederlassung in Villach dürfte der Verkauf keine unmittelbare Auswirkung haben, da in Österreich vor allem Automobil- und Industrieelektronik entwickelt und produziert wird. Infineon Austria bleibe bei Austria, erklärte Infineon-CEO Peter Bauer bei einer Pressekonferenz in München Montagnachmittag. In Österreich arbeiten rund 2500 Leute bei Infineon, die bleiben sollen.

Einkaufstour

"Der Kauf des Drahtlosgeschäfts von Infineon stärkt das zweite Standbein unserer Computing-Strategie - nämlich Internetverbindungen - und ermöglicht uns für alle drahtlosen Bereiche ein entsprechendes Produkt-Portfolio anzubieten", begründete Intel-CEO Paul Otellini die Übernahme. Für Intel ist das innerhalb sehr kurzer Zeit der zweite große Einkauf: Vor wenigen Wochen übernahm der Chiphersteller um 7,7 Mrd. Dollar den Sicherheits-Software-Hersteller McAfee. Beide Käufe erfolgen mit Barmitteln. Auch Samsung und Broadcom sollen für die Sparte geboten haben, für die Infineon ursprünglich zwei Mrd. Dollar erzielen wollte. Infineon werde sich nunmehr auf seine Kernbereiche konzentrieren, erklärte Infineon-CEO Peter Bauer in München.

3.400 Mitarbeiter

Neben dem Drahtlosbereich erzeugt Infineon Halbleiter für Automobilelektronik, für die Energieerzeugung und Übertragung sowie für Kredit- und Schlüsselkarten. 2008/09 trug die Sparte 917 Mio. zum Umsatz von 3,03 Mrd. Euro bei. Der Kauf erfolgt vorbehaltlich der Zustimmung der Kartellbehörden in der EU sowie in den USA. Intel und Infineon gehen davon aus, dass ein Closing im ersten Quartal 2011 möglich ist. Der Verkauf betrifft 3400 Infineon-Mitarbeiter, 1600 in Deutschland, die anderen großteils in Asien, "deren Talent und Kultur wir erhalten wollen, auch wenn sie Teil der Intel-Familie werden", erklärte der für den Mobilbereich zuständige Intel-Vizepräsident Anand Chandrasekher. Die Infineon-Sparte soll als unabhängige Einheit bestehen bleiben. Intel werde investieren, damit aus einem "schnellen Verfolger ein Herausforderer und Marktführer werden kann". Bei der nächsten Mobilfunkgeneration LTE wolle man zeigen, dass dies möglich ist.

Richtung Smartphones

Intel versucht seit geraumer Zeit, über PC-Prozessoren hinauszuwachsen. Ende der 90er-Jahre lizenzierte der Konzern Technologie des britischen Mobilfunk-Chipherstellers ARM, verkaufte aber diesen Zweig 2006 wieder mit Verlust. Auch der in Netbooks verbaute Atom-Prozessor konnte bei Smartphones nicht Fuß fassen. Die Siemens-Tochter Infineon ging 2000 an die Börse. Es folgten jahrelang Verluste. Seit dem Krisenjahr profitiert das Unternehmen von anziehender Nachfrage, für 2009/10 wird ein Gewinn erwartet. Vonseiten der Anleger wächst der Druck auf einen Anteil aus dem Verkauf. "Eine hohe Ausschüttung wäre denkbar", empfahl Analyst Harald Schnitzer von der DZ Bank. (spu, Reuters/ DER STANDARD, Printausgabe, 31. August 2010)

 

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    Intel will mit Infineon auf Smartphones

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