Kinder & Gesundheit

Wenn der Bauch krampft

Karin Jirku, 31. August 2010, 16:44
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    foto: ines friedrich/pixelio.de

    Das Baby streckt den Rumpf durch und zieht die Beine instinktiv an.

Eines von zehn Neugeborenen plagen Dreimonatskoliken - Bauchkrämpfe und Geschrei lassen Eltern mitunter verzweifeln

Als Vincent drei Wochen alt war, begann der Terror. Er schrie und schrie und war durch nichts zu beruhigen. Weder Herumtragen, noch sanftes Schaukeln oder halbstündliches Stillen zeigte sich erfolgreich. Das Schreien war heftig und unstillbar. „Ich war ein Zombie. Um ein Uhr früh begann er zu schreien und erst gegen fünf Uhr morgens hörte er damit auf, wenn ihm vor Erschöpfung die Augen zufielen", erzählt seine Mutter. Ein Check beim Kinderarzt verriet: Der Kleine war vollkommen gesund und gedieh prächtig. Das Phänomen hinter der quälenden Symptomatik: Dreimonatskoliken.

Alle Babys schreien dann und wann, um ihren Befindlichkeiten und Bedürfnissen Ausdruck zu verleihen. Eine tägliche Schreidauer von bis zu einer Stunde gilt dabei als völlig normal. Jeder achte bis zehnte Säugling schreit jedoch ungewöhnlich viel mehr, ohne erklärbare Ursache und besonders häufig in den frühen Abendstunden. "Schreibabys" werden diese Kinder genannt, Dreimonatskoliken stecken häufig dahinter. 

Der amerikanische Kinderarzt Moris Wessel definierte 1954 erstmals eine Dreierregel für „exzessives Schreien im Säuglingsalter": Anfälle von Reizbarkeit, Aufregung und Schreien über einen Zeitraum von mindestens drei Wochen, an mindestens drei Tagen pro Woche, über mehr als drei Stunden pro Tag. Während der Schreiepisoden ist der Bauch des Säuglings aufgetrieben, der Rumpf nach hinten überstreckt und die Beine angezogen - ein Verhalten mit dem das Baby instinktiv versucht Entlastung zu finden.

Gründe für Beschwerden unklar

Vincent erfüllte die „Wessel-Kriterien" in allen Punkten. Angeblich sind Buben häufiger von der Dreimonatskolik betroffen. Warum das so ist und wie es zu den Symptomen kommt, wissen auch Experten nicht befriedigend zu beantworten. Die Vermutung steht im Raum, dass Koliken durch das rasche Wachstum des Säuglings entstehen. Von der Geburt bis zum Ende des ersten Lebensjahres verdreifacht das Baby in der Regel sein Geburtsgewicht, die Organfunktionen sind unausgereift, der Magen-Darm-Trakt des Kindes wird seiner Aufgabe noch nicht ausreichend gerecht.

Fakt ist: Im Darm dieser Säuglingen befindet sich eine Menge Gas. Ob ein Baby jedoch während der Mahlzeit einfach zu viel Luft schluckt oder aber manche Kinder mehr Darmgase produzieren ist unklar. Genauso wenig ist bekannt, ob diese Ansammlung von Gasen tatsächlich für die Bauchkrämpfe verantwortlich ist. Möglicherweise rufen auch verstärkte Bewegungen des kindlichen Darms die schmerzhaften Koliken hervor. Über eine eventuelle Lactose-Unverträglichkeit wird als Ursache für das Phänomen ebenfalls diskutiert.

Alles wird wieder gut

Beruhigend ist einzig der Gedanke, dass das Kind gesund ist, sofern andere Erkrankungen im Vorfeld ausgeschlossen wurden. Eine Belastung für Eltern wie Kinder sind Dreimonatskoliken aber allemal und selbst das Wissen darüber, dass die Probleme in aller Regel nach drei bis fünf  Monaten von selbst wieder verschwinden, ist in diesem Zeitraum ein schwacher Trost

Um die Familien von ihren Qualen zu erlösen finden sich eine Reihe von Ratschlägen und therapeutischen Alternativen in diversen Ratgebern und Internet-Portalen, die sich nach dem trial and error Modell mehr oder weniger hilfreich erweisen. Neben der Anwendung bestimmter Massagetechniken, der Verabreichung von beruhigendem Fencheltee, der Einhaltung bestimmter Stillpositionen, kann sich auch der Versuch das Kind mit Geräuschen abzulenken mitunter lohnen. Wenn das alles nicht hilft, bringt vielleicht ein wärmendes Kirschkernkissen auf dem Bauch den gewünschten Erfolg, oder aber ein Fieberthermometer vorsichtig in den Anus eingeführt, reduziert die drückende Gasansammlung. Der stillenden Mutter wird unter anderem empfohlen fortan auf den Genuss blähender Lebensmittel zu verzichten und darauf zu hoffen, dass sich die ersten drei Monate nicht länger wie drei Jahre anfühlen. (derStandard.at, 31.8.2010)

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NicHo
00
4 Monate lang

Bei uns hats 4 Monate lang (nachmittags/abends 2-4 Stunden) gedauert... heftige Bauchkrämpfe. Ich habe literweise aufgebrühten Kümmel getrunken, der Zwerg bekam Sabtropfen, Magentee, Kümmelwasser aus der Apotheke, immer wieder eine Bauchmassage (mit einem Bäuchleinöl), Fussmassagen, ein warmes Kirschkern- oder Dinkelkissen auf den Bauch, ich hab ihn stundenlang im Fliegergriff herumgetragen, wir waren bei der Cranio Sacral Therapie, manchmal hab ich auch zum Wind(Darm-)rohr gegriffen... und dann alles nochmal, und immer wieder... alles schaffte ein wenig Erleichterung, aber es wurde nicht wirklich gut... Dann die Erlösung: Eine Woche lang "Dropchen" - das sind Milchsäurebakterien aus der Apotheke und die Koliken waren futsch!

DagmarRehak
 
00
Klassische Geschichte... Irgendwann ist es vorbei und das letztversuchte Wundermittel war's dann.

Wenn es wirklich an einem Mangel an Milchsäurebakterien gelegen hätte, wäre das Kind innerhalb kurzer Zeit schwer erkrankt, und man hätte es auch am Stuhl erkennen müssen, dass dem Kind Milchsäurebakterien komplett fehlen.
Zu wenig Milchsäurebakterien sind nicht möglich, denn auch nur ganz wenige hätten sich innerhalb kurzer Zeit zu einer großen Menge vermehrt.

Dropchen kann es also nicht gewesen sein.

NicHo
00

Bei meinem Kind und dem einer Bekannten war es eben so, dass es nur wenige Tage nach dem Therapiebeginn mit Dropchen Linderung gab. Selbstverständlich können nicht die (=alle) Milchsäurebakterien gefehlt haben, aber eben einige gute Bakterien, bzw. die Zusammensetzung war nicht optimal... wir hatten auch einen Rückschlag mit 6 Monaten als ich Antibiotika nehmen musste, und der Kleine prompt mit Koliken darauf reagiert hat. Die waren aber nach 2-3 Tagen wieder vorbei.

Ich sage nicht, dass es immer hilft, bzw. immer an der Darmflora liegt... aber nach 4 Monaten ist es (wie gesagt nach Rücksprache mit dem Kinderarzt) einen Versuch wert.

NicHo
00
Nachtrag

Soweit ich weiss kann man in den ersten 3 Monaten aber nur mit Liebe, Wärme (Badewanne, Tragetuch, Kirschkernkissen,...) und Massagen helfen... da gibt man der Darmflora eine Chance sich selbständig aufzubauen.

Bei uns war halt das genannte Nachhelfen die Lösung - die Notwendigkeit besteht bestimmt nicht bei jedem Kind - muss der Arzt entscheiden.

Ich fands auf jeden Fall wundervoll dann endlich ein schmerzfreies Kind zu haben :)

Harry Dresden
02
bezüglich weinen/schreien kann ich Dagmar recht geben

unser kleiner schreit nicht ohne grund, er meckert eher und zappelt, wenn er etwas will.

wenn er wirklich mal weint/schreit, dann wenn die windel randvoll ist oder er eine schlechte körperhaltung hat.

meiner meinung nach, sind viele eltern einfach nicht in der lage, richtig ins kind reinzuhören, weil sie von der realität sowieso schon lange überfordert und gestresst sind. der stress überträgt sich aufs kind - teufelskreis.

hier meine liste die ich durchgehe, wenn er doch schreit:

+ halte-/liege-/trageposition wechseln
+ finger hinhalten: nuckelt er heftig dran => hunger
+ über die schulter werfen, rücken und popsch massieren => rülpser?
+ windel voll?
+ ist ihm langweilig? vorsingen, stofftiere, etc.

mindestens eines davon ists immer

denkmal
00
14.9.2010, 20:37

na sehr viel mehr möglichkeiten gibts eh nicht mehr =)

blaue blume
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@ Fräulein Dagmar H.

Offensichtlich sind Sie noch zu jung resp unerfahren um über dieses sensible Thema fundiert Auskunft geben zu können, oder schlicht weg intolerant!

Allein der Appell an die betroffenen Eltern: gebt nicht auf! Euer Kleines leidet und Ihr nicht minder!!!

Seit Wochen nun erfahre ich das am eigenem Leibe, wir besser gesagt, und es ist zum Verzweifeln! Weder die Schulmedizin noch Alternative konnten und könne uns weiterhelfen. Wir haben keine Kosten gescheut und so ziemlich alles ausprobiert und doch, nichts hilft!
Nun nähern wir uns dem vielbeschworenem 3. Monat uns es wird deutlich besser, erträglicher!
Sofern möglich, nicht abschotten, raus gehen unbedingt, Wald, Natur, Parks...
Zudem viel und ausgiebig mit Verwandten und Freunden kommunz

Golda sagt:
00
12 wochen lang

...das war wirklich eine schlimme zeit. wir konnten nirgends hingehen, weil er so viel gebrüllt hat vor lauter schmerzen. was es ein bisschen erträglicher gemacht hat: die osteopathin und viiiel geduld und liebe.
und auf einmal wars vorbei.
im nachhinein gesehen kommts einem dann ja nicht einmal mehr so schlimm vor - ich sag nur: oxytocin sei's gedankt!

DagmarRehak
 
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Er hatte keine Schmerzen.

Odette
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sondern?

DagmarRehak
 
10

Angst, weil ihn keiner festgehalten hat.

Golda sagt:
01
Was, wenn ich dir jetzt sag, dass...

ich ihn ca 20h/d festgehalten und getragen und ganz eng an meinem körper gehabt hab und er hat trotzdem gebrüllt hat.
er hat auf mir gewohnt.

DagmarRehak
 
10

Ich weiß, dass das viele so probieren, aber das ist nicht immer das Richtige. Manchen Babys genügt das, aber manche brauchen mehr Enge und richtiges Schaukeln. Es muss sich so anfühlen wie in der Gebärmutter. Da bist du ja auch nicht ganz langsam und vorsichtig gegangen, sondern ganz normal schnell. Diese Bewegungen werden beim normalen Herumtragen und Schaukeln nie erreicht.
Also fürs nächste Mal: Nimm einen elastischen Schlauchstoff, steck das Baby rein, und beim Schaukeln darf es ruhig heftiger zugehen, und lauter auch. Das Fruchtwasser geht nämlich bis ans Trommelfell.

denkmal
01
14.9.2010, 20:46

so sehr sie manchmal übertreiben in diesem punkt haben sie recht. was auch immer meinen kleinen zwickt sobald wir ihn ins tragetuch wickeln und am gymnastikball sitzend auf und ab hüpfen (zu wild darf man das natürlich auch nicht machen...) ist der kleine glücklich und zufrieden und unterwegs kann man im gehen hüpfen bzw. leichte kniebeugen machen (was ja der kondi auch nicht schadet...), es sei denn natürlich er hat hunger, aber das merkt man eh sehr schnell. den kinderwagen hätten wir uns im übrigen sparen können aber das wollt ich vorher niemandem glauben....

Bambolina
01
Mein Sohn...

hatte als Baby diese Koliken (meist gegen Abend) auch und ich habe ihn seinerzeit (ist nun 35 Jahre her !) instinktiv in die mit warmen Badewasser gefüllte Wanne gesetzt - das ging so die ersten 5 Lebensmonate dahin ! Er war nach dem Hineinlegen bzw. -setzen sofort entspannt und beruhigt. Es geht eben nichts über gewisse Hausmittelchen ...

Herr Konkurs
10
Ganz einfaches Mittel

Meine Söhne hatten auch alle eine "Dreimonataskolik" beim ersten haben wir auch die üblichen Mittel wie SAB-Tropfen, Kümmelzäpfchen usw. ausprobiert, bis uns der Kinderarzt von unserem Mittleren (Prof. Pollak, ist sicher vielen ein Begriff) einen Tipp gegeben hat - ein eigentlich ganz logisches und einfaches Mittel, das nicht viel kostet und wirklich effizient ist - er empfahl uns ein Darmrohr in der Apotheke zu kaufen. Das ist nichts weiteres als ein dünnes aus elastisches Kautschukrohr mit dem man ganz einfach das Baby "entlüftet". Ein großer Vorteil davon ist, man führt dem Baby nichts zu, keine Medis usw. und es kann auch keinen Schaden anrichten, da es wirklich ganz weich und biegsam ist. Wir haben es dann beim jüngsten auch verwende

Denes
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SAB und Darmrohr haben bei uns auch geholfen

Vielleicht warens bei uns auch keine Dreimonatskoliken, aber das ist mir ziemlich egal, wenns hilft.

DagmarRehak
 
00
Es waren mit Sicherheit keine Dreimonatskoliken. Die gibt es nämlich nicht.

Aber ok, wenn es geholfen hat, ist es gut.

Allerdings finde ich es schon interessant, dass sich manche Babys beruhigen lassen, indem man ihnen mit einem Röhrchen hinten drin herumbohrlt. Eventuelle blockierte Gase erreicht man damit nämlich nicht. Die sind viel zu weit vom Anus entfernt, wenn überhaupt. Mit dem Darmrohr erreicht man nur einen Bereich, der bei Überdruck sowie einen Ausstoßungsreflex auslöst.

Statt SAB Tropfen kann man dem Baby auch feinkörnigen Sand geben. Der bringt auch Schaum zu platzen und wird ebenfalls nicht vom Körper aufgenommen. Aber das ist bei einem Baby auch sinnlos; das hat nämlich keinen Schaum im Verdauungstrakt. Muttermilch gerinnt im Magen und trennt sich in einen ziemlich wässrigen Teil und in so eine Art Käseflocken. Da ist kein Schaum. Auch der Schaum, der sich durch Schütteln des Milchpulvers im Wasser bildet, bleibt im Bauch nicht stehen. Der fällt sogar schon in der Flasche zusammen. Bis das Kind nämlich den oben schwimmenden Schaum erreicht hat, ist der nämlich ganz zusammen gefallen. Und selbst wenn es ihn schluckt, allein durch die Gerinnung im Magen kann der Schaum nicht stehen bleiben.

Es hätte also auch Sandfüttern und Popobohrln geholfen. Wenn Sie da gesagt hätten: "Ich weiß nicht warum, aber es hat geholfen.", hätte man Sie im besten Fall irritiert angesehen. Aber wenn Sie das gleiche machen, nur in einer medizinischen Verpackung, gelten Sie als normal.

Golda sagt:
00

ein darmrohr hilft nur bei blähungen, nicht aber bei bauchkrämpfen! und die müssen nicht nur durch "zu viel luft" im baucherl entstehen!

DagmarRehak
 
11

Ein Darmrohr hilft natürlich auch bei Blähungen nicht, denn damit erreicht man sowieso nur den Enddarm, und wenn da Gase drin sind, flutschen die ganz von selber raus.

wolf_vienna
22
Na und?

Koliken geplagte Kleinkinder hat es voriges Jahr gegeben, in meiner Kindheit und auch vor 100 Jahren. Wo ist da die Neuigkeit bzw. das Problem, abgesehen davon, dass es natürlich schmerzt?

DagmarRehak
 
61

Nein, Koliken-geplagte Babys hat es vor 100 Jahren nicht gegeben. Da konnte man noch mit den Bedürfnissen der Kinder umgehen. ZB gab es da Körpersocken, die die Oma gestrickt hat und in die die Babys einfach reingesteckt wurden, manche unten offen mit Topferl drunter, und wer sich Windelnwaschen leisten konnte, strickte unten zu.
Auch jetzt gibt es keine Koliken-geplagten Babys. Das sagen nur die Eltern, weil sie die Verantwortung für das Wohlbefinden des Kindes nicht übernehmen wollen.

Angelika70
00

Sie reden dermaßen einen Schwachsinn. Unterhalten sie sich mit Großeltern oder älteren Familienmitgliedern, wie da die Kindererziehung aussah. Oder lesen sie einfach bezugnehmende Literatur.

Unwissen ist heilbar.

DagmarRehak
 
01

Ja stimmt schon, die Babys sollten früher schreien, aber sie taten es nicht. JETZT schreien sie.
Aus dem einfachen Grund, weil man sie fest eingewickelt hat, bis es modern wurde, dass sie "frei strampeln können". Erst mühsam entdeckt man die alten Methoden wieder, wie Tragtuch und (neudeutsch) Pucken.

jaws
05

"Da konnte man noch mit den Bedürfnissen der Kinder umgehen. "

Owa jo. Die Mohnzuzler, den ganzen Tag lang in Gitterbetten eingesperrte oder auch an den Topf angekettete Babies, Säuglinge, die man stundenlang schreien ließ, um sie nicht zu verwöhnen... jaja, als die Zeiten noch gut waren und die Menschen alle so g'scheit wie Du, da nahm man die Bedürfnisse von Babies ernst und wusste vor allem auch mit ihnen umzugehen.

Bruhaha.

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