Ein Land feiert seine "Unabhängigkeit"

31. August 2010, 18:13
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Mit dem Ende der Kampfoperationen der US-Armee hat der Irak seine Souveränität wiedererlangt, sagt Premier Maliki

Noch bleiben 50.000 US-Soldaten im Land, das unter einem politischen Vakuum und Gewalt leidet.

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Bagdad - Der Irak hat nach den Worten von Premier Nuri al-Maliki mit dem Ende des US-Kriegseinsatzes seine Unabhängigkeit wiedergewonnen. Die irakischen Sicherheitskräfte würden nun selbst gegen alle Bedrohungen vorgehen, ganz gleich ob sie aus dem Land oder von außen kämen, sagte Maliki am Dienstag in einer Fernsehansprache in Bagdad. "Der Irak ist heute souverän und unabhängig", fügte er hinzu.

Die sich häufenden Anschläge seit Beginn des Abzugs der US- Kampftruppen in diesem Monat beschrieb der Regierungschef als die verzweifelten Taten von Aufständischen. Zugleich versprach er seinen Landsleuten, mehr für die Sicherheit zu tun.

In Richtung Washington sagte Maliki, die Beziehungen zwischen dem Irak und den USA würden in Zukunft auf diplomatischer und wirtschaftlicher Ebene laufen. Er hatte sich schon in den vergangenen Tagen eine Einmischung in die Innenpolitik verbeten, auch, was die seit fast einem halben Jahr andauernde schwierige Regierungsbildung betrifft.

Der Regierungschef war zuvor in Bagdad mit US-Vizepräsident Joe Biden zusammengekommen. Die schleppende Regierungsbildung war Thema der Unterredungen. Auch rund ein halbes Jahr nach der Parlamentswahl am 7. März gibt es immer noch kein neues Kabinett. Biden hält sich seit Montag im Irak auf, um an der Zeremonie zum Beginn der neuen Unterstützungsoperation "New Dawn" (Morgendämmerung) teilzunehmen.

Am Dienstag endet der Kampfauftrag der US-Truppen. Die noch verbliebenen knapp 50.000 amerikanischen Soldaten sollen bei der Ausbildung der irakischen Truppen helfen und sie beraten. US-Präsident Barack Obama wird sich anlässlich des offiziellen Kriegsendes in einer Fernsehansprache Dienstagabend (Ortszeit) an seine Landsleute wenden. Er hatte im Wahlkampf versprochen, den Irakkrieg zu beenden. Am Vortag des offiziellen Endes des US-Kampfeinsatzes hatte Obama Soldaten besucht, die bei Militäreinsätzen im Ausland verletzt wurden. In den vergangenen sieben Jahren verloren die USA im Irak mehr als 4.000 Mann. Fast 32.000 wurden verwundet. (red/DER STANDARD, Printausgabe, 1.9.2010)

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    Premier Maliki verkündet die volle Souveränität. Den Irakern fehlt es aber weiter an Sicherheit und Infrastruktur.

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    foto: epa/sgt. 1st class roger m.dey
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