Moscheenbau in Europa

Moschee ist mehr als nur ein Minarett

30. August 2010, 20:42
  • Artikelbild
    foto: dpa/brandt

    Die Minarette der Hamburger Centrum-Moschee im September 2009: Der Hamburger Künstler Boran Burchhardt hatte die beiden 20 Meter hohen Türme in einer Aktion zum Kunstprojekt erklärt und mit grünen Sechsecken bemalt.

    Im deutschen Penzberg war der zeitgenössische Bau einer modernen Moschee von Architekt Alen Jasarevic nur möglich, indem die Penzberger Muslime das Projekt gemeinsam entwickelten und auch gemeinsam nach einem Sponsor suchten. Die Baukosten stiftete letztlich Sultan bin Mohamed al-Qasimi, der Emir von Sharjah.

Im internationalen Vergleich sind die Moscheen hierzulande konservativ - Die Gründe dafür liegen nicht nur in der Diskussionskultur zwischen Religion und Politik, sondern auch in der muslimischen Gemeinschaft selbst

Anas Schakfeh, Präsident der Islamischen Glaubensgemeinschaft (IGGiÖ), fordert die Errichtung mindestens einer, als solchen erkennbaren Moschee in jeder Landeshauptstadt in Österreich. Seit seiner Äußerung vor einer Woche gehen die Wogen hoch. Egon Kapellari, Grazer Diözesanbischof, legt den Muslimen nahe, auf städtebaulich dominante Moscheen zu verzichten. Die FPÖ fordert gar eine Volksbefragung, ganz nach dem Motto: Minarett, ja oder nein? Und der St. Pöltener Bürgermeister Matthias Stadler bemüht sich um Beschwichtigung, indem er meint: "Wir haben in der Stadt einige Gebetshäuser, mit denen das Auslangen gefunden wird. Die Glaubensgemeinschaften sind zufrieden."

Lange Zeit gab es in ganz Österreich nur zwei Moscheen mit Minarett. Seit der Neueröffnung der Haci-Bayram-Camii in Bad Vöslau im Oktober 2009 gibt es nun drei. Die übrigen 200 Gebetsräume - oft handelt es sich um Provisorien mit entsprechend kleiner Nutzfläche und schlechter Ausstattung - sind in bestehende Wohnhäuser integriert oder liegen in Hinterhöfen. Minarett gibt es keines.

"Es gibt in Österreich sehr viele verschiedene Vereine mit unterschiedlichen ethnischen Hintergründen", sagt Carla Amina Baghajati, Sprecherin der IGGiÖ. "Die innermuslimische Integration stellt immer noch eine große Herausforderung dar." Jeder Verein baue für sich selbst, entsprechend klein seien die budgetären Mittel. Sie reichten zwar für die Einrichtung von Gebetsräumen, nicht aber für den Bau von Moscheen.

Einzige Ausnahme ist die Türkisch Islamische Union für kulturelle und soziale Zusammenarbeit (Atib), die auch die Haci-Bayram-Moschee in Bad Vöslau in Auftrag gab. Allerdings wird sie fast ausschließlich von Türken besucht. Obwohl als offene Moschee konzipiert, werden die Gebete in türkischer Sprache gehalten.

Die Architektur des Gebäudes gibt Aufschluss über die maue Gesprächskultur zwischen Religion und Politik. Begleitet von Protestaktionen der FPÖ musste der Entwurf 30-mal überarbeitet werden. Das zur Ausführung gelangte Endresultat, laut Sonja Pisarik vom Architekturzentrum Wien (AZW) "keineswegs ein Meilenstein progressiver Moscheenarchitektur", ist mehr Karikatur als Moschee. Die Minarette, zwei 15 Meter hohe Stummel aus Glas, wurden im Innenhof ins letzte Eck gequetscht. Von der Straße aus ist das Gebäude als Moschee nicht erkennbar.

Moschee für alle Nationen

Dass es auch anders geht, beweist die bayrische Stadt Penzberg, rund 50 Kilometer südlich von München gelegen. Dort baute die islamische Gemeinde eine Moschee, die im deutschsprachigen Raum mit kaum einem anderen Bauwerk dieser Art vergleichbar ist.

"Der Bau war nur möglich, weil wir das Projekt unabhängig von unserer ethnischen Herkunft gemeinsam entwickelt haben", erklärt Gönül Yerli, stellvertretende Direktorin des islamischen Forums, "anders hätten wir das niemals geschafft."

Während das Grundstück von den Mitgliedern der Gemeinde finanziert wurde, ist die Errichtung der drei Millionen Euro teuren Moschee dem Emir von Sharjah, Sultan bin Mohamed al-Qasimi, zu verdanken. "Wir haben lange nach einem Sponsor gesucht", sagt Yerli. "Al-Qasimi hat sich bereit erklärt, die Kosten zu übernehmen, weil er davon beeindruckt war, dass sich hier Muslime aus unterschiedlichen Nationen an einem gemeinsamen Projekt beteiligen." Die Idee wird weitergetragen: Die Kommunikationssprache in der Penzberger Moschee ist Deutsch, die Predigten werden je nach Anlass auf Türkisch, Arabisch, Bosnisch oder Albanisch gesprochen. Meist gibt es eine Übersetzung.

Die Penzberger Moschee wird wohl ein Projekt mit Seltenheitswert bleiben. "Der Druck des globalen Islam, wie er hauptsächlich in Saudi-Arabien und einigen anderen islamischen Ländern propagiert wird, macht die ganze Sache sehr komplex", sagt Azra Aksamija, bosnische Architektin, die heute in Cambridge lebt und am Massachusetts Institute of Technology (MIT) über islamische Architektur forscht. Oft entstünden Symbole, die von konservativen Interpretationen islamischer und panislamischer Identität geprägt sind.

Ein Aufruf zur transnationalen Zusammenarbeit kommt ausgerechnet aus der Türkei. Dort setzt sich die islamische Religionsbehörde Diyanet, die im Land mehr als 76.000 Moscheen verwaltet, dafür ein, dass das Kirchenmuseum St. Paul in Tarsus wieder in eine christliche Kirche verwandelt wird. "Wenn ein Ort für Christen heilig ist und sie dort Gottesdienste abhalten möchten", sagte Ali Bardakoglu, Leiter der Diyanet, zur türkischen Zeitung Milliyet, "dann kann es keine Argumente geben, die ein Verbot rechtfertigen." (Wojciech Czaja/DER STANDARD-Printausgabe, 31.8.2010) 

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 75
1 2
patrese ricardo
00
Sollens doch dem Häuptl

und vielleicht auch noch den Grünen eine Minarette vor deren Hütte bauen!

Ich brauch das nicht.

Da höre ich lieber die Glocken läuten als das Gejammer von Muezzin (vielleicht auch noch über Lautsprecher oder Megafon!)

cipf
 
12

Ein Minarett hat mit einer Moschee gar nix zu tun.
Minarette sind - unterdrückende - Symbole einer türkischen Herrschaft im Orient.
So wie es Kirchen ohne Turm geben kann und gibt, so gibt es auch Gebetshäuser aller Religionen ohne Turm/Minarett...

So wie die Turmuhr (und das ohrenbetäubende Geläut) als Hilfestellung für die Bevölkerung, so hat auch das Minarett (das Geplärre der Muezzine) im Zeitalter der Uhren ausgedient.

Bruahaha
 
01
Ich finde man sollte den Mormonen, Amish und anderen Gruppen

mehr sichtbare Gebetsstätten geben.

Diese Religionen sind nämlich stark benachteiligt.

wero2
30
super futsis, komm on

ich haßte die böller zu ostern, zu silvester. Ihr, so scheint mir, wollt die mehr als einmal - alle tag, denn das ist recht, link ist stehlen, Ihr seit richtig - und ich denke mir, Ihr solltet den schaden durch arbeit wieder gut machen.

Euer flügelschlag hat diese welt an den abgrund gebrrrracht, nun bügelts wieder aus. oder Ihr werdets kaum verstehen wer wider Euch sein wird, auf dieser welt - oder mitten in der scheibe

Sternchen100
02
Wer Öl hat und Banken, schafft an (?)

Ich kann mich nur wiederholen: wenn die so bauen würden wie in Europa üblich: großes Hallengebäude (plus ev. 1-2 runde oder eckige Türme) würde sich keiner aufregen.

Aber so eine Monstrosität wie das grüngesprenkelte Unikum mit diesen urhäßlichen dünnen Türmen (die an WAS wohl erinnern?), nein danke! Man stelle sich so was vor in einem Kurort neben Tiroler oder Salzburger Bauernhäusern mit Geranienblumenkästen.

Außerdem sind die Musleme selbst schuld an ihrem schlechten Ruf: der kam erst durch die saudisch-wahabitische weltweite Missionierung und Fanatisierung auf, vorher war das nie ein Thema! Nirgendwo. Kaum steht so eine Moschee mit von Arabien bezahlten Imanen, laufen alle Musliminnen arabisch-vermumt umher. Etc.

Chien de Pique
01

Ganz stimmt das wohl nicht. Auch noch so dezente Gebäude, ja bloß adaptierte bestehende Wohnhäuser oder Gewerberäumlichkeiten sorgen für Aufregung und Bürgerinitiativen.
Allerdings transportiert eine besonders monumentale, besonders archaische oder besonders exotische Architektur natürlich eine andere Botschaft. Unsere (fast immer scheußlichen) modernen Kirchen sind aber auch kein Vorbild, sondern Symptom einer sterbenden, sich selbst aufgebenden Religion, das kann man von einer noch gelebten und vitalen nicht gut erwarten.

la ardilla diablo
62
31.8.2010, 20:48
omg immer dieses Theater

die Zeugen Jehovas haben auch in jedem 2. Kaff ihre Königreichssäle. Also können die Moslems ruhig auch ein paar Hütten aufstellen. Beides Religionen, man muss nicht gleich ein Mitglied bei denen sein, nur weil man den Bau ihrer Kirchen zulässt...

hinweis4
07
31.8.2010, 17:50
Jetzt haben wir endlich

eine gesellschaftliche Kultur, die ohne Primat des Christentums funktioniert, und jetzt kommt Religion mit all ihren destruktivsten Auswirkungen durch die Migrationstür und zwingt uns ihre Probleme auf.
Nicht glaubwürdig?

http://de.qantara.de/webcom/sh... 243/i.html

Bitte lesen!

ilmagnifico
71
31.8.2010, 13:52

Wohl eher Stahl_88
Ja was ist denn das Morgenland gutschiguh?! Im Mittelalter hängengeblieben?

ilmagnifico
43
31.8.2010, 13:50

Ich mag keine Menschen, die Suppe essen. Alle ausweisen!

derElch
210
31.8.2010, 11:48
Rapid?

Minarett mit Aufdruck eines Rapid-Fußballs?

Halbmond
192
31.8.2010, 12:57

geschmackloses vergleich.

mitch2
00

was ist denn daran geschmacklos?

Mirstetta Toni
111
31.8.2010, 13:24

für rapid?

Systemerhalter
01
31.8.2010, 12:45

und das auch noch in hamburg.
sche

hexe caracas
00
31.8.2010, 11:47
nur transnationale Moscheen haben Zukunft

(in Europa) - ich kann mIr vorstellen, daß es nicht einfach wird, aber das soll das Ziel im europäischen Islam sein und die Gebete sollen in der Staatsprache sein, so können alle Gläubigen davon profitieren...

Stahl_____666
515
31.8.2010, 10:45
.

Wer ein Minarett sehen will, soll ins Morgenland reisen.

Aurelia Biedermann
01
31.8.2010, 18:18
Pjotr Petlarnovski
 
133
31.8.2010, 13:34

wer stahl____666 will, soll zur hölle fahren

Mathias
 
110
31.8.2010, 13:54
Wer den Kreml sehen möchte ...

.. geht nach Moskau oder in ein Minimundus ;-)

mare! si
04
31.8.2010, 10:18
die minarette vom artikelbild

würden doch super nach hütteeldorf passen

Dr Don Tango
05
31.8.2010, 10:10

Uih. Nicht nur die Bundeshauptstädte bekommen Minarette auch die Fussballvereine.

Offensichtlich hat die Rapid eine eigene Moschee.

Find ich gut.

VaterUnser
11
31.8.2010, 09:59
als ersters die hagia sophia und dann die ganze welt...

zitat vom mehmet dem II.

Sahin A.
00

Als erstes Polen und dann die ganze Welt....
Zitat von einem Österreicher

naka
32
31.8.2010, 13:25
[HILFE! FÜRCHT! PANIK!]

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 75
1 2

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.