Anwesenheitspflicht: SPÖ konsensbereit

30. August 2010, 19:30

Beim Plan, Flüchtlinge zu kasernieren, bewegt sich die SPÖ auf Maria Fekter zu - Norbert Darabos spricht jetzt von Mitwirkungspflichten statt von Anwesenheitspflicht

Alpbach/Wien - Die Verhandlungen zwischen ÖVP und SPÖ über die von Innenministerin Maria Fekter geforderte Anwesenheitspflicht von Flüchtlingen im Asylzulassungsverfahren befindet sich in der heißen Phase. Am Rand des Forum Alpbach bestätigte Verteidigungsminister Norbert Darabos eine Annäherung an Fekter. Man könne aber nicht von "Anwesenheitspflicht" sprechen, erklärte er, "nein, wir sprechen von 'Mitwirkungspflicht'". Es gehe darum, dass ein Asylwerber "teilnehmen muss am Verfahren, dass er Auskünfte geben und die Untersuchungen (der Behörden, Anm.) mitbegleiten muss".

Stelle ein Flüchtling künftig einen Antrag, so solle er im Erstaufnahmezentrum "einem Programm, das über Tage festgelegt wird" unterzogen werden, konkretisierte Darabos. Dort dürfe er jedoch "nicht mit physischem Zwang über einen längeren Zeitraum festgehalten werden", ergänzte sein Sprecher Stefan Hirsch. Zudem dürfe die Internierung "nicht pauschal, sondern nur nach Einzelfallprüfungen" stattfinden, um "Verfassungskonformität" zu ermöglichen.

Internierung in England legal

Der österreichische Verfassungsgerichtshof hat mehrfach entschieden, dass jedes Einsperren von Asylwerbern - in den vorgelegten Causen in Schubhaft - von Fall zu Fall abgeklärt werden muss. Die Frage sei, ob Hinweise existierten, dass sich ein Asylwerber dem Verfahren entziehen wolle. Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg hingegen hat 2008 die siebentägige Internierung eines Irakers im britischen Asylzentrum Oakington zu Beginn seines Verfahrens für menschenrechtskonform erklärt. Der Mann war eingesperrt worden, um zu prüfen, ob sein Asylantrag angenommen werden solle. Dieser wurde abgelehnt.

In der SPÖ ist das Einlenken von Darabos nicht unumstritten. "Mitwirkungspflichten und Sanktionen gibt es im Asylgesetz schon genug: Gebietsbeschränkung, Meldeverpflichtung, Schubhaftgründe", sagt Nationalratsabgeordnete Sonja Ablinger. Sieben der 57 SPÖ-Parlamentarier, so betont sie, teilten ihre Ansicht. (Irene Brickner, Thomas Mayer/DER STANDARD-Printausgabe, 31.8.2010)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 57
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VI SHU
10
mitwirkungspflicht = anwesenheitspflicht

interessanter "denk"schluss. da es nicht unterschiedliche grade an mitwirkungspflichten geben kann, und vor dem gesetz doch angebl jeder gleich ist, und jeder bürger im verfahren bei einer behörde dieser mitwirkungspflicht unterliegt, müsste dies zug um zug bedeuten:

anwesenheitspflicht bei einer arbeitslosenmeldung, bis das AMS geklärt hat, ob ein versicherungsfall vorliegt.

anwesenheitspflicht bei abgabe des lohnsteuerausgleichs beim finanzamt, bis geklärt, ob die gestellten ansprüche zu recht bestehen.

u.s.w.u.s.f.

Peter Hammer 06
00
Faymann-SPÖ fällt um! Ich habe nicht anderes erwartet,....

...und es stimmt mich traurig.

chrispy_Chicken
10
bei fekter hab ich ja schon aufgegeben

.... aber dass die SPÖ immer wieder neue Wege zum Umfallen findet, ist schon verwunderlich.

Und das sind dann genau die, die am ersten Mai inbrünstig "die Internationale" anstimmen, weil sie ja ach so links sind. Wer soll denn die noch wählen. Da geh ich ja lieber gleich zum Schmied (FPÖBZÖFPK) und nicht zum roten Schmiedl...

Ernst Kratochwil
01
Die Duldung unkontrollierter Massenzuwanderung ist

aber nicht zwingend eine Linke Forderung.

Es gibt auch andere Möglichkeiten der Solidarität.
Das sollte man einmal abklären, bevor man sich zu stark in der Irrmeinung verfängt, die SPÖ müsste für grenzenlose Zuwanderung eintreten, und alles andere wäre ein "Umfallen".

Und das mit dem "Schmied u. Schmiedl" ist auch falsch. Die Wahlentscheidung treffen fast alle Wähler nicht nur wegen einem Thema, und für viele ist eine SPÖ nur mit einem realistischen Kurs im Fremdenrecht wählbar. Das gilt auch für viele Wähler, für die die SPÖ in vielen Bereichen ansonsten "der Schmied" ist.

chrispy_Chicken
00
gebe Ihnen grundsätzlich recht, man muss aber bedenken...

Vorweg: ich glaube, dass ein Großteil der FPÖ-Wähler sehr wohl aufgrund EINES Themas genau diese Partei wählt.

Was ich aber an der SPÖ kritisiere, ist, dass sie eben keinen klaren Kurs im Fremdenrecht vorgibt.
Die eine Seite, die Solidatität (die NICHT Massenzuwanderung sein kann, da haben Sie recht)fordert - z.B.: in Oberösterreich, und die Bundespartei, die das zwar auch fordert ("menschliche Regelungen"), aber bislang bei jeder vorgeschlagenen Verschärfung (siehe z.B. Fremdenrechtsnovelle 2002) eher in Richtung ÖVP/FPÖ tendiert ist.
Ich stehe hier tendenziell "links" (ohne "freien Zuzug" zu wollen) - und eine Partei, die hier zwar meine Ansichten predigt, aber die anderen umsetzt, darf ich sehr wohl kritisieren, oder?

Peter Hammer 06
00
Kritisieren ist gut und richtig....

...wie angekündigt den SCHMIED wählen ist nicht gut und nicht richtig.

chrispy_Chicken
00
keine Angst ;)

den Schmied wählen werd ich so schnell nicht - das war aus der Sicht derjeniger gemeint, die aufgrund der für sie wichtigen Zuwanderungsdebatte gleich zum Schmied FPÖ wandern und nicht bei der SPÖ bleiben, einfach weil dieses Thema um einiges mehr dominant ist als viele andere.

Peter Hammer 06
00
Mit meiner Ex-Partei, besser gesagt mit deren ....

..." Spitze", bin ich auch nicht einverstanden.
Nur, ich denke daran, den Schmied NIE zu wählen. ;-)

Kaktus51
01
SPÖler, denkt doch mal an Bruno Kreisky und an seine Behandlung, als er vor den Nazis flüchten musste.

SPÖler, wo habt ihr eure Führungskräfte mit Visionen und Rückgrat versteckt?

SPÖler, die Wärme, die ihr bei der ÖVP spürt ist nicht Nestwärme, das ist die Reibungshitze wenn ihr über den Tisch gezogen werdet.

M. P.1
00

Die ÖVP ist nichts anderes als die FPÖ im Schafspelz.

Außer die Fekter, die hat nicht einmal einen Schafspelz.

orang orang
11
31.8.2010, 22:29
Was soll

das, ständig wird das Thema am Kochen gehalten und von den tatsächlichen Problemen in diesem Land abgelenkt.
Kein Österreicher wird einen Euro mehr in der Tasche haben, im Gegenteil, ein Schwachsinn löst den anderen ab und wir zahlen.
Die ÖVP will die FPÖ rechts überholen und die SPÖ schwenkt auch schon auf die Überholspur ein. Thema heute bei Meischberger - kopflos, planlos, ahnungslos, warum werden wir so schlecht regiert - und was wird bei uns diskutiert? Gar nichts - bei uns werden nur Vorträge gehalten.

M. P.1
10

ÖVP, FPÖ und BZÖ haben lieber, dass das Volk auf Türken, Moslems und Asylanten hin haut, als dass das Volk checked, was die so alles verbockt haben, wofür das Volk nun bezahlen kann, und deshalb sie selbst prügelt (was allerdings vollkommen gerechtfertigt wäre).

M. P.1
00

Da lebt wohl jemand hinter'm Mond (ad Rotstrichler).

sadfasd sdfasdfas
01
31.8.2010, 19:38

Na und?

Wenn mir die Krankenkasse im Krankenstand Ausgehzeiten vorschreiben darf, wird selbiges wohl auch für Flüchtlinge zumutbar sein.

Wer zahlt schafft an!

Ar Mutschgerl
00
31.8.2010, 18:17
Mit anderen Worten: Die SPÖ fällt um,

und niemanden wunderts. Zum wievielten Mal übrigens in dieser Legislaturperiode allein?

frauvonkiki
21
31.8.2010, 17:02

nun ja, ich denke es geht auch darum den flüchtlingen den kontakt zu hilfsorganisationen zu erschweren, die ihnen mit übersetzungen und gesetzeslage helfen könnten. ist der antrag erstmal gestellt, kann dieser nicht mehr geändert werden. bei traumatisierten, die insbesondere vor behörden und polizei unter enormen stress stehen, kann dieser antrag dann schon mal schlecht formuliert werden. und voila...

Fine Tuning
11
31.8.2010, 13:48
Nun ja,

"konsensbereit" würde voraussetzen, dass die SPÖ hier einen eigenen Standpunkt vertritt und dieser tatsächlich in die Entscheidung mit einfließt. Kann ich hier nicht erkennen, daher würde der Titel besser lauten "SPÖ anpassungswillig". Aber wen kümmern denn solche sprachlichen Feinheiten.

Kein Tag ohne weitere Grauslichkeiten.

Gleichzeitig brennen viele andere Themen, wo aber jahrelang nichts weitergeht. Beim Sündenbock "Asylant" geht alles in Windeseile.

Blend
12
31.8.2010, 14:32

Ich bin sicher, der Darabos wird eine Regelung durchsetzen, bei der möglichst viele Asylwerber untertauchen können.

hexe caracas
14
31.8.2010, 11:54
nach einer langen gefährlicher Flucht

müsse ein Dach über dem Kopf, 3 warme Mahlzeiten am Tag, Seelsorge oder psychologische Betreuung und Taschengeld höchst willkommen sein...
ich würde noch Gesundenuntersuchung und einen Englischsprachkurs vorschlagen...

Harry Y.
 
11
31.8.2010, 14:59
Menschen, die schon eingesperrt wurden

oder überhaupt Gewalt zuteil wurde, schätzen dessen Wiederholung / das Eingesperrt werden nicht gar so.

Christoph Baumgarten
32
31.8.2010, 11:28
Ich versteh die Logik dahinter nicht

Wie bitte sollen Unterbringungsstellen leerer werden, wenn man die Leute zwingt, dauernd dort herumzusitzen?
http://www.politwatch.at/stories/m... klichkeit/
Ich muss mir jetzt den SPÖ-Vorschlag genauer anschauen, um zu verstehen, was damit gemeint ist. Mitwirkungspflicht wär in dem Sinn OK, dass man sagt, zu festgelegten Behördenterminen müssen die Leute erscheinen, sonst fliegen sie aus dem Verfahren. Alles andere wäre Humbug, inhuman und menschenrechtlich unhaltbar.

rosalie68
20
31.8.2010, 13:04
diese Vorgabe..

ist schon umgesetzt - dazu brauchen wir keinen neuen Profilierungswahn einer Frau mit belasteter Kindheit ..

Spider_Jerusalem
01
31.8.2010, 11:17
Herzerwärmend.

Vom Freiheitsentzug über die Anwesenheitspflicht zur Mitwirkungspflicht. Jetzt sozialdemokratisch genug?

Subari
15
31.8.2010, 11:14

Wenn ein Asylwerber auf dem Weg ins Asylparadies Österreich in einem unserer Nachbarländer von der Polizei aufgegriffen wird, dann ist dieses Land gemäss Dublin-Abkommen verpflichtet, ihn erkennungsdienstlich zu behandeln und seine Fingerabdrücke im EURODAC-System zu erfassen.
Nach der Asylantragstellung in Österreich kann dann durch Abgleich der Fingerabdrücke die Reiseroute ermittelt werden. Durch Befragung erfährt man in der Praxis nicht viel.
Nur: Manche Dublin-Staaten lassen sich mit der Erfassung der Fingerabdrücke viel Zeit.
Wenn dann nach Erfassung der Fingerabdrücke durch das zuständige Land die Reiseroute endlich ermittelt werden kann, dann sind die Asylwerber oft schon verschwunden.

Harry Y.
 
10
31.8.2010, 15:17
Es ist ein schlichter Wahnsinn,

einen flüchtenden Menschen wie einen Verbrecher zu behandeln. Es ist trotz Griechenland usw. äußerst zynisch und dumm, Österreich als Asylparadies zu bezeichnen.

'Verschwundene Asylwerber' können auch nicht Sozialleistungen beziehen....sie werden also doch arbeiten müssen? Wieso sollten sie also nicht verschwinden? Müßte sich doch darüber nicht die Fr. Innenmin. freuen?

'Durch Befragung erfährt man in der Praxis nicht viel':
die Zufriedenheit über das Ergebnis einer solchen hängt auch davon ab, was man schon vor der Befragung zu wissen vermeint. Ich würde gerne mehr über die Herangehensweisen der Beamten wissen: wie treten sie an diese Flüchtlinge heran?

Es reicht auch nicht, hier subtil den Asylwerbern zu unterstellen, sie sagten nicht

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