"Spitalsaufenthalte um 20 Prozent reduzieren"

30. August 2010, 19:13
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ÖVP-Mediziner Rasinger kritisiert fehlende Planung in der Gesundheitspolitik

Wien - "Es ist unsinnig, ständig nur auf die Spitäler hinzuhauen." Erwin Rasinger ärgert sich über die Schlagseite der immer lautstärkeren Kritik am Gesundheitssystem. Die Ineffizienz der vielen kleinen Krankenhäuser prangern Experten an, und die überzähligen teuren Akutbetten - doch dabei werde übersehen, dass dafür eine "Weltklasseversorgung" geboten werde, meint der ÖVP-Gesundheitssprecher. Nicht zufällig flüchteten jeden Sommer hunderte verletzte Österreicher aus dem Ausland auf schnellstem Wege in heimische Spitäler: "Weil man bei uns jederzeit ein Bett bekommt und nicht mit gebrochenem Bein sieben Tage auf eine OP wartet."

Trotzdem räumt auch Rasinger ein, dass nicht jeder (teure) Krankenhausbesuch hierzulande notwendig sei, und formuliert ein Ziel: Um 20 Prozent sollten die Spitalsaufenthalte reduziert werden. Aber das funktioniere nur, wenn im Gegenzug das schwache Netz ambulanter Versorgung ausgebaut werden. Ob Lungenfachärzte, Kardiologen oder Kinderpsychiater - derartige Angebote gäbe es am Lande außerhalb der Krankenhäuser oft nicht, sagt der Nationalratsabgeordnete und fühlt sich durch Vergleichszahlen bestätigt. 7000 Kassenvertragsärzte ordinieren laut Rasinger in Österreich. Deutschland verfüge über zehnmal mehr Einwohner, aber fast 20-mal so viele Ärzte.

Solange Bund, Länder und Krankenkassen jedoch so agierten, als trennten sie "gläserne Wände", werde sich daran nicht viel ändern, kritisiert Rasinger: "Die gemeinsame Planung funktioniert nur ungenügend." Symptomatisches Beispiel für systembedingten Egoismus: Um die Spitäler zu entlasten, müssten die Kassen den billigeren niedergelassenen Bereich ausbauen - aus betriebswirtschaftlicher Sicht sind sie jedoch zum Sparen verdammt. Wie man die Akteure zur besseren Koordinierung verdonnern könnte? Rasinger schlägt als ersten Schritt vor: "Einsperren wie bei der Papstwahl, bis etwas herauskommt." (Gerald John/DER STANDARD-Printausgabe, 31.8.2010)

  • ÖVP-Arzt Rasinger fährt gegen "gläserne Wände" an.
    foto: standard/robert newald

    ÖVP-Arzt Rasinger fährt gegen "gläserne Wände" an.

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