Wichtiges Bevölkerungssegment wurde zum Konsum erzogen und setzt seine Gewohnheiten auch im Alter fort
York - Heiße Sommer und andere Folgen der Klimaerwärmung sind ein Problem, das besonders alten Menschen zu schaffen macht. Gleichzeitig gehört die sogenannte "Baby-Boomer"-Generation, die bald in die ältere Gesellschaftsgruppe vorrückt, zu den größten Mitverursachern des Klimawandels - aufgrund des Lebensstils, zu dem sie einst erzogen wurde. Zu diesem Schluss kommt eine schwedisch-britische Forschergruppe in einem Bericht. "Die Überalterung der Gesellschaft wird den Klimawandel zusätzlich verschärfen", so der Berichtsautor Gary Haq von der Universität York.
Zwar machen sich die Bevölkerungsgruppen mittleren und höheren Alters Sorgen über das Klima, selbst betroffen fühlen sich davon jedoch nicht. "Zu Unrecht", betont Haq. Die zunehmenden Hitzesommer in Europa und Australien bringen vor allem Ältere in Lebensgefahr. "Es gibt sehr unterschiedliche Gruppen von Senioren. Manche pflegen einen sehr aktiven Lebensstil und sind in soziale Netze gut eingebunden, viele jedoch nicht. Besonders die körperlich, finanziell und emotional weniger Gesicherten sind sehr verletzlich bei Klimaeinflüssen."
Konsumfreudig bis ins hohe Alter
Dabei sind es gerade die Senioren von Morgen, eben die Baby-Boomer der heute zwischen 50- und 64-Jährigen, die zu den Hauptverursachern des Klimawandels gehören dürften. "Diese Gruppe hat mit 13,5 Tonnen CO2 pro Jahr und Person den größten ökologischen Fußabdruck der Bevölkerung. Sie pflegen einen deutlich anderen, konsumbetonteren Lebensstil als die heute Alten", so Haq. Die Baby-Boomer sind zwar sehr besorgt über den Klimawandel, zugleich jedoch skeptischer als alle anderen, dass er vom Menschen mit ausgelöst sei.
Besonders brenzlig ist die Angelegenheit, da sich der Konsumstil der Baby-Boomer mit deren Alterung in Schichten verschieben wird, in denen bisher weniger konsumiert wurde. "Sofern die Pensionssysteme nicht kippen, werden sie weiter Fernreisen machen und einen sehr aktiven Lebensstil pflegen. Dazu trägt auch bei, dass sie sich noch länger guter Gesundheit erfreuen werden als bisher bei Senioren üblich." Befragungsergebnisse der Forscher zeigen, dass diese Gruppe zwar bereit ist, zum Klimaschutz beizutragen, gleichzeitig ist sie ungewiss, was sie dabei am besten tun können.
"Pensionisten haben wesentliche Ressourcen, mit denen Sie aktiv werden können", so Haq. Was zählt, ist vor allem die Weitergabe von Lebenserfahrung, sowie auch die Bereitschaft zu ehrenamtlichem Einsatz. "Diese ergibt sich eher aus ihrem eigenen Antrieb statt aus einem bloß vermeintlichen Mehr an Freizeit. Denn Ältere sind heute weit aktiver als ihre Elterngeneration." Bisher fokussieren jedoch fast alle Klimaschutz-Maßnahmen jüngere Altersschichten.
Zielgruppen-Umorientierung
Um Klima in dieser Gesellschaftsgruppe zur Sprache zu bringen, liefern die Forscher zehn Ratschläge. Vorurteile müssen beseitigt werden, wie etwa jenes, dass Senioren unfähig zu Engagement, passiv oder uninteressiert seien. Wichtig ist, sie näher kennen zu lernen, auf vertraute Akteure zurück zu greifen, Gespräche mit Gleichaltrigen und geeignete Rahmen dafür zu wählen sowie positive Botschaften zu liefern. Vorbilder aus dem realen Leben sind entscheidend, ebenso Einbeziehung und größtmögliche Teilnahme im Dialog. Schließlich gilt es sicherzustellen, dass die Vorbedingungen für Veränderung gegeben sind. (pte/red)