Serie Echte Wiener

"Mein erster Eiskaffee war heavenly!"

30. August 2010, 18:46
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    foto: christian fischer

    Im Wiener Konzerthaus fühlt sich die ausgebildete Opernsängerin Elizabeth Dobie-Sarsam musikalisch heimisch, auf dem Bisamberg ist sie zu Hause.

Elizabeth Dobie-Sarsam arbeitet bei der IAEO und lebt auf dem Bisamberg - Die kanadische Sängerin erzählt, wie Wien ihr Zuhause wurde

Als ich mit 28 Jahren als ausgebildete Sängerin nach Wien gekommen bin, war mir eines sofort klar: Mit Opern-Deutsch wie "Kennst du das Land, wo die Zitronen blüh'n" kriegt man nicht einmal ein paar Semmeln beim Bäcker ums Eck. Ich weiß noch, wie mein damaliger Freund, aus Kanada wie ich, immer alles grammatikalisch korrekt auf einen Zettel geschrieben hat, bevor er einkaufen ging. Ich habe einfach drauf losgequatscht, und das hat ziemlich gut geklappt. Ungut war deswegen niemand zu mir. Mit Englisch als Muttersprache hat man es hier leichter, selbst wenn man nicht perfekt Deutsch spricht.

Mit den Artikeln habe ich allerdings bis heute Schwierigkeiten. Warum etwa der Mond im Deutschen männlich ist, verstehe ich nicht. Mein Mann sagt, dass ich das Problem für mich gelöst habe, indem ich einfach schlampig spreche und statt "der, die, das" einfach nur "d" sage.

Meine ältesten Erinnerungen an Wien sind die Mariahilfer Straße und mein erster Eiskaffee. Das war 1978, und ich habe als 20-Jährige mit meinem kanadischen Chor hier an einem Wettbewerb teilgenommen. Wir waren damals in einer Jugendherberge beim Technischen Museum untergebracht, und ich werde nie vergessen, als wir die ganze Mariahilfer Straße hinunter in die Innenstadt gegangen sind. Und der Eiskaffee war "heavenly" .

Heute lebe ich seit 24 Jahren hier, bin mit einem Österreicher verheiratet, meine Kinder gehen in österreichische Schulen. Dass es mich einmal dauerhaft nach Wien verschlägt, habe ich damals nicht geahnt. Ebenso wenig, dass ich einmal in der Presseabteilung der Atomenergiebehörde arbeiten werde.

Aufgewachsen bin ich mit fünf Geschwistern in einer presbyterianischen Pfarrersfamilie in Ottawa. Dort habe ich auch Musik studiert. Danach war ich zwei Jahre an der Royal Scottish Academy in Glasgow, anschließend habe ich in New York und Toronto gelebt und bei der Canadian Opera Company gesungen.

Als ich 1986 schließlich die weltbekannte Sopranistin Irmgard Seefried kennenlernte, bin ich nach Wien gezogen, um bei ihr Unterricht zu nehmen. Mit mehreren Ensembles bin ich zu dieser Zeit in ganz Europa aufgetreten. Zum Glück habe ich einen Teilzeitjob bei der Uno gefunden und konnte dadurch weiterhin auf Konzertreisen gehen. Meine musikalische Heimat habe ich vor zwei Jahren in der Wiener Singakademie, dem Chor des Konzerthauses, wiedergefunden, nachdem ich ein paar Jahre nicht gesungen habe, als die Kinder klein waren. Mit meinem Mann wohne ich seit 1990 in der Villa Magdalenenhof auf dem Bisamberg, die wir als Eventlocation betreiben. Der Bisamberg ist Heimat für mich: Unser Garten, die kleinen versteckten Heurigen, der Blick auf die Stadt. Ich lebe mittlerweile länger in Wien, als ich je in Kanada gelebt habe. Ob ich Heimweh habe? Nein. Ich habe "Mutter-Weh". Meine Eltern und Geschwister leben in Kanada, und ich sehe sie nur alle paar Jahre. Ob ich hier bleiben werde? Wahrscheinlich.

Wenn ich die "Wiener Blut"-Plakate sehe, frage ich mich, was das sein soll. Wir sind hier zu Hause: Ich bin Kanadierin, mein Mann ist ein Österreicher, der im Irak aufgewachsen ist, unsere Töchter haben die Doppelstaatsbürgerschaft. Und meine Schwiegermutter, die mittlerweile wieder in Wien lebt, ist nach dem Zweiten Weltkrieg mit ihrem irakischen Mann nach Bagdad gegangen. Ihre Vorfahren kamen aus Tschechien und Serbien, sie ist also eine echte Wienerin. Trotzdem hat sie heute mit 84 Jahren noch immer einen irakischen Pass. (Bettina Fernsebner/DER STANDARD-Printausgabe, 31.8.2010)

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Posting 1 bis 25 von 60
1 2
Pessimist-Realist
 
00
24.3.2011, 22:37
Ausnahmen bestätigen ... ;-)

Perseus0
 
10
31.8.2010, 13:59

Und wenn der erste Eiskaffee der Dame grauslich geschmeckt hätte, Laaaangweilig

Izmir Schlecht
21
31.8.2010, 12:14

Immer zu demonstrieren, dass es gut integrierte Menschen aus anderen Ländern hier gibt, ändert nichts an den massiven Problemen mit den vielen, vielen anderen, schlecht bzw. gar nicht integrierten Menschen. Das Problem verschwindet dadurch nicht. Trotzdem fand ich den Artikel sehr lesenswert.

exilkaerntner
16
31.8.2010, 11:05
ja hübsch das interview einer WASP

also eines ausländers erster klasse. einer gutausgebildeten und gebildeten frau, die egal wohin sie das "schicksal" geführt hätte, es leichter gehabt hat es zu schaffen.
was hilft uns dieses interview bei den leider zahlreicheren ausländern 2. klasse??

Massimo Montanari
55
31.8.2010, 13:16
Haben Sie eine Idee,

wie wir uns gegen diese vielen erstklassigen Kärtner vom Schlag eines KHG wehren können. Sozusagen als Insider?

KomaPoster
12
31.8.2010, 13:10
Was hilft es, immer irgendwas kritisieren zu müssen?

Können Sie sich nicht einfach bloß daran freuen, dass es Menschen gibt, die es toll in Österreich finden. Die gerne hier leben.

exilkaerntner
13
31.8.2010, 13:14
darum geht es gar nicht!

nur jetzt eine ausländerin zu zeigen, die das privileg hat keine oder fast keine klötze in österreich nachgeschmissen zu bekommen, da sie ja zu den "guten" ausländern zählt als paradebeispiel zu bringen, ist doch ein bisl komisch! findens das nicht auch??

KomaPoster
12
31.8.2010, 13:45
Aber gerade darum geht es in dieser Serie. Um positive Erfahrungen in und mit Österreich.

Ich finde schon, auch dafür muss Platz sein in den Medien.

Nur so nebenbei: Jochen Rindt (Deutscher) fands in Österreich auch ganz gut.

exilkaerntner
12
31.8.2010, 14:42
aha!

deswegen pickt man gerade den typus raus, der nie und nimmer schlechte erfahrungen hier haben wird!
da kann man dann wirklich nur mehr aplaudieren!
meine frau ist auch ein WASP! US-amerikanerin! die hat auch null probleme!
eine gute freundin unserer familie könnte da andere geschichten erzählen! aber sie ist auch afroamerikanerin!

leitfaden
00

falsch.

I love Klimawandel
00
31.8.2010, 16:49
"meine mitschüler

haben mich bruce lee genannt", als kontrast zu ihrer behauptung: http://derstandard.at/128227378... ee-genannt

exilkaerntner
11
31.8.2010, 16:52
credo!

lesen=>denken=>posten
ist ihnen nicht bekannt!??
scrollens weiter runter und sie sehen meine antwort mit dem link!

I love Klimawandel
00
31.8.2010, 16:55
meine güte...

sind sie ein strenger. vielleicht sollten's wieder zurück in die analoge kärntner heimat fahren...

exilkaerntner
00
31.8.2010, 17:02
streng ? mit nichten!!

nur es geht mir gehörig auf den keks mich zu wiederholen. ich bin eben keine gebetsmühle.

leitfaden
00

mit neffen sind sie nicht streng? warum? und darf ich das diskriminierung nennen?

I love Klimawandel
00
31.8.2010, 17:07
fühlen sie

sich doch geehrt! eine einzige predigt macht noch keinen propheten!

Para Dox
00
31.8.2010, 15:33
Verstehe ich nicht

Gerade im Standard werden doch immer wieder die Problem von Ausländern, (Alltags-)Rassismus, ... .aufgezeigt. Es gibt eine eigene Integrations-Website (http://dastandard.at/) und in der Blattlinie steht dass der Standard gegen Rassismus, Diskriminierung, etc. eintritt (oder so ähnlich formuliert).

Jetzt macht man halt einmal eine Serie über Menschen, die sich problemlos integrieren konnten. Warum nicht?

exilkaerntner
00
31.8.2010, 16:31
siehe postings weiter oben

die frau ist in einer sehr priviligierten stellung.
da ist integration- nonanet- einfach gegeben.
sojemanden jetzt als "paradebeispiel" für gelungene integration zu bringen ist zwar für den herren/frau redakteur komfortabel. bringt aber nix neues!
diese typus wird nicht ausgegrenzt.

Für dieses Posting gilt die Unschuldsvermutung
00
31.8.2010, 13:27

drum gibt's ja eine serie, da kommen dann vielleicht auch leute, die es weniger leicht hatten usw

exilkaerntner
22
31.8.2010, 13:38
das gabs zwar schon!

http://derstandard.at/128227378... ee-genannt

der hat aber nur zur erkenntnis geführt, dass auch bei ausländern hcstrache zieht!
in dieser beziehung sehr erleuchtend und erheiternd!

Dreistein
 
11
31.8.2010, 10:50
Es sind halt leider nicht nur solche gut ausgebildeten Menschen, die zu uns kommen um hier zu arbeiten und zu leben.

Es wird wahrscheinlich nur sehr wenige aus westlichen Ländern geben, die zu uns gekommen sind, um sich hier aushalten zu lassen. Wenn ich mir aber die Asylwerber aus dem östlichen Europa, aus Afrika oder den muslimischen Staaten ansehe (Ausnahme ist vielleicht der Iran), dann sieht das anders aus.

Freilich, diese "Wiener Blut" Kampagne widerspricht sich selbst. Denn die heutigen "wachechten" Wiener entstammen zumeist von zugezogenen Menschen aus aller Herren Länder der Donaumonarchie und die waren auch nicht unbedingt die Bildungselite.

Cafe Corretto
11
31.8.2010, 08:58
Interessant ist, dass ..

der Standard seine Interviewpartner immer nach der FPÖ bzw. deren Äußerungen fragt und dann genau dass zu hören bekommt, was Zeitungslinie ist. Das gibt es bei keiner anderen unabhängigen Zeitung so offensichtlich.

Wer müsste den nun interviewt werden, den man nicht nach den Baluen frägt? Der Standard ist einfach ein Witz aber immer gut als Plattform für eine Konfrontation mit seinen Feindbildern.

Perseus0
 
00
31.8.2010, 08:36

Irgendwie kann ich mich mit diesen Themenartikeln nicht so ganz anfreunden. Der Grundgedanke der Redaktion ist sicherlich ein zu lobender, aber ehrlich gesagt finde ich die Artikel nur bedingt interressant.

Fazit: die Serie kann man sich meiner Meinung nach sparen, da gäbe es echt interessantere Sachen zu berichten.

Massimo Montanari
13
31.8.2010, 06:38
Sehr lesenswert! Danke!

Nichts für Effen, so nebenbei bemerkt! Aber die haben ihre eigenen Probleme. Sollen sie daran genesen.

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