Archäologie

Der früheste Leichenschmaus der Welt

30. August 2010 21:00
  • Artikelbild
    Foto: naftali hilger

    In dieser Höhle im nördlichen Israel versammelten sich vor 12.000 Jahren rund 35 Menschen, um von einer Schamanin Abschied zu nehmen - und rund 70 Schildkröten zu verspeisen.

Forscherinnen finden in einer Höhle in Israel 12.000 Jahre alte Überreste eines Fests

Washington - Seit wann feiern Menschen eigentlich Feste? Zwei Forscherinnen haben nun in einer Höhle im westlichen Galiläa die Überreste von festlichen Aktivitäten gefunden, die 12.000 Jahre alt sind und damit das bisher früheste bekannte Zeugnis von festlichen Zusammenkünften der Gattung Mensch darstellen.

Bereits vor knapp zwei Jahren hatten Natalie Munro von der Universität Connecticut und Leore Grosman von der Hebräischen Universität Jerusalem mit Funden in der Höhle Hilazon Tachtit, die 14 Kilometer von der Mittelmeerküste entfernt ist, wissenschaftliche Schlagzeilen gemacht: Munro und Grosman hatten die Überreste einer etwa 45 Jahre alten und 1, 50 großen Frau in einem Einzelgrab entdeckt. Wie sie damals im US-Fachblatt PNAS berichteten, bestand es aus einer ovalen, in das harte Gestein geschlagenen Mulde, die im unteren Bereich mit Lehm bedeckt war.

Die Forscherinnen gingen davon aus, dass es sich bei der Toten um eine Schamanin gehandelt haben musste. An Grabbeigaben fanden sich nämlich unter anderem rund 50 Schildkrötenpanzer, zwei Marderschädeln, Flügelknochen eines Steinadlers, Wildschweinknochen, ein Rinderschwanz sowie ein menschlicher Fuß.

Gegessene Grabbeigaben

Nun legen Munro und Grosman wieder in PNAS eine neue Deutung der Grabbeigaben vor, nachdem sie in der Höhle noch weitere Funde gemacht haben: abgeschabte Knochen dreier Auerochsen und noch mehr Schildkrötenpanzer, deren Gesamtzahl sich nun auf mindestens 71 beläuft. Die Spuren auf den Rinderknochen und den Schildkrötenpanzern lassen darauf schließen, dass sie zum menschlichen Konsum zubereitet worden sind: für den Leichenschmaus der Schamanin, wie die Forscherinnen vermuten.

Die Erstautorin Natalie Munro weiß zwar nicht genau, "wie viele Menschen an diesem Fest teilnahmen, weil wir keine Ahnung haben, wie viel Fleisch es in der Höhle gab". Anhand der gefundenen Knochen könne sie nur eine Mindestzahl schätzen, und die beträgt nach ihren Berechnungen mindestens 35 Festteilnehmer.

Was den Leichenschmaus so besonders macht, ist sein geschätztes Alter von 12.000 Jahren. Damit hat dieses erste dokumentierte festliche Großereignis in der Geschichte der Menschheit vor der Erfindung der Landwirtschaft stattgefunden. Damit haben Menschen nämlich erst in der frühen Jungsteinzeit vor etwa 11.500 Jahren begonnen.

Munro lässt sich angesichts des Funds zu weitreichenden Spekulationen hinreißen: Sie geht davon aus, dass es zuvor in der Gegend zu einem starken Bevölkerungswachstum gekommen war. Feste hätten entsprechend dazu gedient, "Gemeinschaften zu bilden, Spannungen abzubauen und soziale Beziehungen zu stärken." Und quasi parallel dazu habe man die Landwirtschaft erfunden. (Klaus Taschwer/DER STANDARD, Printausgabe, 31. 8. 2010) 

Kommentar posten
25 Postings
carambacarachoole
31.08.2010 22:22
Der früheste Leichenschmaus der Welt

vorher wurde nie gestorben, nachher schon ...

tec nine
31.08.2010 16:41
ich frag mich immer -

- was die irre Palin denkt wenn sie sowas liest

gomaxgo
 
31.08.2010 19:11
Glaub nicht das die palin irre ist

die denkt halt real, wogegen sie ideologisch irreal denken, begriffen ?

pipi pipifax
31.08.2010 23:38

schade, dass sie real und nicht fiktiv denkt ... nicht auszudenken, was sie uns ersparen wuerde, waere letzteres der fall. begriffen?

Nick Tameer
31.08.2010 20:48

Sollte sie wahnsinnig sein, dann muss es jedenfalls eine ganz andere Art von Wahnsinn sein als der, der eng bei Genie liegt.

Cuchullain
31.08.2010 14:06
War das etwa ....

... das ERSTE Abendmahl?

Franz Stefan
31.08.2010 13:02
Jetzt muß man nur noch die Lehmtafel finden,

... auf deren einer Seite die Stichworte für die Grabrede und auf der anderen das Menu für den Leichenschmaus steht.

gomaxgo
 
31.08.2010 19:21
ja und es waehre echt gut wenn man herausfinden

koennte wer diese unnuetzen und eher doofen explorationen eigentlich bezahlt. ich glaube dass das geld das hier verbrannt wird besser aufgehoben waehre wenn man eine palaestinenserschule mit kostenlosen essen beliefern wuerde anstatt das die kinder mit knurrenden magen herumsitzen.

das kleine Maßnahmenpaket
01.09.2010 13:56
einer muss halt immer daherkommen

mit dem üblichen Totschlag-Argument zu-was-ist-das-gut und diesmal sind Sie es.
Auch archäologische Ausgrabungsarbeiten schaffen Arbeitsplätze, und mit den Funden weckt man das Interesse an der Region. Und wenn Sie glauben, dass hier große Geldsummen verbrannt werden, da kann jeder vom Fach nur lachen.

Kapitalismus Luege
31.08.2010 11:32
war mein Lieblingswirt

die "Schidkroete" hat zugesperrt,
dann war "zum Adler" drinnen,

als "Schnitzelparadies" ein bisschen abgesandelt.

raff1
31.08.2010 11:01
...sowie ein menschlicher Fuß.

Mahlzeit!

das kleine Maßnahmenpaket
31.08.2010 15:51

Der war nicht zum Essen sondern bei den Grabbeigaben - vielleicht ihr drittes Standbein.

III1
31.08.2010 09:38
Man munkelt

dass die After hour noch immer in der Nachtschicht weitergeht..............

klönta
31.08.2010 14:07

Sie wollen doch nicht die Mesolithiker aus der Höhle mit den in die Nachtschicht gehenden Wesen vergleichen? Das wäre eine Beleidigung für die Bevölkerung vor 12000 Jahren. Die haben immerhin mehr hervorgebracht als so mancher Discoprolet. Zum Beispiel eine Klinge aus Radiolarit erzeugen und diese bei Bedarf nachzuschärfen. Schafft ein Schichtler wahrscheinlich bei einem Küchenmesser nicht :D

sturmy
31.08.2010 08:41
CHRISTBAUMSCHMUCK- WAR EINE WEIHNACHTSFEIER

An Grabbeigaben fanden sich nämlich unter anderem rund 50 Schildkrötenpanzer, zwei Marderschädeln, Flügelknochen eines Steinadlers, Wildschweinknochen, ein Rinderschwanz sowie ein menschlicher Fuß.

youknowwhatimsayin
31.08.2010 02:58

das ist sicher das grab von eva ;)

Grüneneun
30.08.2010 23:48
Würde mal sagen es waren mehr als 35 Leute

Jeder 2 Schildkröten und dann noch 10% vom Ochsen (Ochse so ca 50kg Fleisch, wahrscheinlich mehr), schafft man nicht so leicht, glaub ich

Comedian
30.08.2010 23:46
Naja, wegen 500 Jahren wollen wir nicht übermütig werden :)

Im Kino (10.000 BC) wird die Landwirtschaft auch mindestens 500 Jahre früher betrieben.

Dyne
30.08.2010 23:01

Es gab Lerchenzungen,Otternasen.......

Mirabeau
31.08.2010 00:13

Spalter!

Macht, Medien und meine Meinung!
30.08.2010 22:18
und ??

war das auch rindsbraten....?

zuckermaus3
30.08.2010 22:00
Da werden gleich wieder Besitzansprüche geltend gemacht werden!

vogel von der walterweide
31.08.2010 01:03
genau sie glauben ja auch..

..das menschen vor 12000 jahren sich schon nationalistisch eingeteilt haben, die möchtegern kritischen und aufgeklärten israel-hasser sind inzwischen so völkisch, wie die nazis von alpen-donau. die sprechen auch von "solidarität mit dem palästiennsichen volk" und von dem iran als einzig freien staat. bin gespannt wann die linken antiimperialisten mit den nazis gemeinsam demonstrieren.. hoppla das gabs ja schon, als die aik zu einer demonstration gegen die jüdische gemeinde aufgerufen hat..

banaubaba
30.08.2010 21:20
UrCool

KRIEGEN die dadurch wieder Recht für Krieg und Recht auf den Platz der Palestinenser den sie niemals hatten?
???

I_prefer_not_to
31.08.2010 14:01

Bitte nicht betrunken posten.

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.