Wie man allzu häufig vorkommende Familiennamen loswird

30. August 2010, 16:14
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Deutsche Forscher rechnen die Auswirkung ihrer "Selten gewinnt"-Regel vor

Bielefeld - Familiennamen haben sich in den indoeuropäischen Sprachen aus verschiedenen Ursprüngen entwickelt. Am häufigsten leiten sie sich von Berufsbezeichnungen, Orten (z.B. "Berger" und ähnliche im süddeutschen und österreichischen Bereich weit verbreitete Namen auf -er) oder körperlichen Eigenschaften eines Vorfahren (z.b "Klein") ab oder waren ursprünglich sogenannte Patro- bzw. Metronymika. Bei letzteren wurde an den Vornamen von Vater bzw. Mutter ein Teil, der "Sohn" oder "Tochter" bedeutet, angehängt, was unter anderem in Skandinavien zu der Fülle an Namen führte, die auf -son oder -sen enden.

Das gibt - erst recht wenn man Namen von Zuwanderern aus anderen Sprachkreisen dazurechnet - eine ganz schöne Bandbreite, und doch ist die Zahl der Möglichkeiten begrenzt. Wenn auch nicht so extrem wie in China, wo auf über 1,3 Milliarden Menschen nur 700 Familiennamen kommen; 41 Prozent der chinesischen Bevölkerung verteilen sich überdies auf einen der zehn häufigsten Familiennamen. 

Ungleichverteilung

Bielefelder Forscher errechneten für Deutschland eine Zahl von etwa einer Million Familiennamen für 82 Millionen Einwohner - klingt nach viel, auch hier gibt es aber einige, die unverhältnismäßig häufig vorkommen und je nach Vorname zu mitunter hohen Raten von "Doppelgängern" führen können. Heißt man beispielsweise Peter Müller, hat man in Deutschland über 5.000 Namensvettern, Thomas Müllers gibt es immer noch über 3.600 - für Google-Suchen ein Desaster.

In Dänemark mit seinen nur 5,4 Millionen Einwohnern sieht es noch "drastischer" aus. Dort sind Namen wie Jensen, Nielsen, Pedersen und Andersen so häufig, dass dies als Problem empfunden wird und man gesetzlich die Erfindung eigener Familiennamen freigegeben hat (in der dänischen Presse spöttisch als "face lifting" bezeichnet).

Die Abhilfe

Die Wissenschafter Harald Jockusch und Alexander Fuhrmann schlagen dagegen eine ganz andere Methode vor, um die häufigsten Familiennamen in der Bevölkerung zu "verdünnen": Der seltenere der beiden Namen der Partner soll zum Familiennamen werden. Was im Laufe der Zeit mit den Namenshäufigkeiten passiert, wenn diese "Selten gewinnt"-Regel befolgt wird, wurde im Computermodell getestet.

Die Berechnungen ergaben, dass die "Selten gewinnt"-Regel erstaunlich effektiv ist: Bereits nach 50 Jahren wären im einfachen Modellfall (die Kinder ersetzen die Eltern) die drei in Deutschland häufigsten Namen - Müller, Schmidt und Schneider - auf ein Fünftel ihrer jetzigen Häufigkeit abgesunken. Im realistischen Fall dauert es etwa länger, aber die drastische Abnahme der häufigsten Namen ließe sich noch während eines Menschenlebens beobachten. (red)

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