Verfassungsklage

Wienerin kämpft um ihr Recht auf Betteln

Maria Sterkl, 30. August 2010, 15:15

Zum "Schutz vor Ausbeutung" wurde das Bettelverbot erlassen. Martina S. schützt sich selbst - und bekämpft das Verbot

Martina S. könnte Wiens bekannteste Bettlerin werden - dabei weiß kaum jemand, wie sie aussieht. Frau S., die seit Jahren in der Innenstadt um Geldspenden bittet, um sich selbst und ihren kranken Lebensgefährten zu erhalten, und die seit der Einführung des Wiener Bettelverbots Anfang Juni mehrere Hundert Euro an Strafe abführen musste, will nun eben dieses Bettelverbot zu Fall bringen.

Martina S. geht zum Verfassungsgerichtshof: Sie sieht ihr Recht auf freie Erwerbstätigkeit und ihr Recht auf freie Gestaltung ihres Privatlebens eingeschränkt. Einen regulären Job schafft sie wegen einer schweren psychischen Erkrankung schon seit Jahren nicht mehr. Das Betteln war für sie bis Anfang Juni die einzige legale Möglichkeit, sich finanziell über Wasser zu halten. Doch seit in Wien das "gewerbsmäßige Betteln" verboten ist, musste Frau S. öfters ihre gesamten Tageserlöse der Polizei aushändigen.

Kind ohne Mutter

Ein Schicksal, das sie mit vielen teilt, wie Eli Fröhlich von der "BettelLobbyWien" erzählt. BettlerInnen müssten bei Polizeikontrollen immer wieder ihr gesamtes Erspartes abliefern, da sie nicht beweisen können, was sie schon vor dem „Arbeitstag" mit sich getragen hatten. Dazu kämen noch Strafen bis zu 700 Euro beziehungsweise, bei Uneinbringlichkeit, mehrtägige Haftstrafen. „Bettelnde Mütter müssen ihr Kind oft tagelang unbeaufsichtigt lassen", kritisiert Fröhlich.

Wie viele Strafverfügungen seit Anfang Juni erteilt worden sind, kann die Wiener Polizei auf derStandard.at-Anfrage nicht sagen. Bettelnde berichteten jedoch von einem rigiden Vorgehen der BeamtInnen, sagt Fröhlich: „Der Ton der Polizei ist schärfer geworden."

"Betteln ist Notwehr"

Bei der Einführung des Bettelverbots argumentierten ÖVP und SPÖ, man wolle Ausbeutung und Menschenhandel bekämpfen. „Gesetze gegen Menschenhandel hat es aber schon vorher gegeben", kritisiert Ulli Gladik, eine Wiener Filmemacherin, die einige osteuropäische Bettlerinnen in Wien und Graz interviewt hat. Wie Gladik glaubt auch Markus Reiter vom Obdachlosen-Verein „NeunerHaus", dass es der Politik eher darum gehe, „den Umstand tiefster Armut in Österreich zu negieren" - und jene, die von diesem Problem zeugen, aus dem öffentlichen Raum zu verbannen. Reiter hält das für gefährlich: „Betteln ist oft die letzte Notwehrreaktion, um nicht obdachlos zu werden." Wer einmal die Wohnung verloren hat, schafft den sozialen Aufstieg aber viel schwerer als Menschen mit Obdach. 

Reiter, der von Sozialminister Rudolf Hundstorfer zu einem von 25 nationalen „EU-Botschaftern gegen soziale Ausgrenzung" bestellt worden ist, fordert die Regierung auf, genauer hinzuschauen: "Es muss gezielt erforscht werden, wie es mit den sogenannten 'Bettler-Banden' wirklich aussieht." Während SPÖ, ÖVP und FPÖ die Ausbeutung durch „Drahtzieher" und „Hintermänner" ins Treffen führen, geht die Wiener Sicherheitsdirektion auf Distanz: Von „Banden" könne keine Rede sein, auch die These der „Hintermänner" sei „bei näherer Betrachtung nicht haltbar", meinte Peter Goldgruber, Chef der Sicherheitspolizei in Wien, in einem "Kurier"-Interview Ende Juli.

Grüne finanzieren Klage

Die Wiener Grünen hatten im Landtag gegen das Bettelverbot gestimmt. Nun finanzieren sie die Klage beim VfGH und stellen Martina S. für die Dauer des Prozesses eine Sozialarbeiterin zur Verfügung. Die Grünen werfen der Wiener Landesregierung vor, die Ärmsten der Gesellschaft für Wahlkampf-Zwecke zu missbrauchen. Anders sieht das die SPÖ: Als das Bettelverbot Ende März im Wiener Landtag mit den Stimmen der schwarzen, roten und blauen Fraktionen beschlossen wurde, bot die SP-Abgeordnete Nurten Yilmaz ihre eigene Erklärung dazu: Man wolle „nicht weiter zusehen, wie Menschen ausgenützt und instrumentalisiert werden". (Maria Sterkl, derStandard.at, 30.8.2010)

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toberfrau2
02

Wenn eine Wienerin für ihren Lebensunterhalt betteln muß, dann sollen sich gefälligst die Sozialarbeiter von Wien Sozial und sonstige hilfreiche Geister in die Hände spucken. Mit deren Hilfe nämlich kann Frau XY ganz sicher ihren Lebensunterhalt ohne Bettelei sicherstellen.

Schmiernippel
00
Wenn nur Inländer betteln dürften, könnten die Lizenzan verleihen und hätten ein Einkommen;-)

fizzzzzz
 
00
10.9.2010, 10:24
Bettlergilde?

Diebesgilde,
Assasinengilde.....

Countblue
00
13.9.2010, 14:54
Gilde

der "Näherinnen".
SCNR

CB

Chocoholic
11
Erwerbstaetigkeit?

Ich hoffe, sie versteuert ihren Erwerb ehrlich?

super Typ
01
Einkünfte aus Bettelei sind nicht steuerbar.

Sie sind keine Einkünfte aus Gewerbebetrieb, da das Merkmal der Beteiligung am allgemeinen wirtschaftlichen Verkehr nicht vorliegt. (Keine Teilnahme am Güter- und Leistungsaustausch.)

Andreas83
20
So schwer psychisch krank

dass man nicht arbieten kann aber vorm Verfassungsgerichtshof Klagen einbringen kann sie schon?

Welche psychische Krankheit hat sie den?

Mynnia
01

Natürlich gibts das. Da brauchts bloß triggern, wenn dir eine Autorität vorgesetzt wird, oder Narkolepsie wär auch so ein Kandidat, Schizophrenie...Da gibts sogar einiges!

DagmarRehak
 
02

Ich glaube, es wäre nie ein Bettelverbot eingeführt worden, wenn nicht die da http://www.salzburg.com/online/na... xt=&mode=& so aggressiv am Werk gewesen wären.

§83SPG
08

In diesem Medium wurden Aussagen und Personen ein breites Forum geboten, welche behaupteten, dass es keine Bettlermafia, keine organisierten Banden gibt; ja dass alle Bettler autark, ohne kriminelle Strukturen dahinter agieren. Man konnte den Eindruck einer perfiden Verschwörung zum Nachteil der Schwächsten bekommen. Nun wurde in Wien eine solche (nicht existente?) Bande ausgehoben. Aber das ist dem Standard nicht einmal drei Zeilen wert. Anscheinend muß man doch die so verhaßte Kronenzeitung lesen, wenn man an die Wahrheit gelangen will. Wer betreibt nun Kampagnenjournalismus?

Lord Schaumloeffel
01
begreift hier denn keiner...

...dass auch die organisatoren dieses bettlerrings durch unsere kalt-kapitalistisch-egoistische konsumexistenz, verschärft durch rassismus und xenophobie zu diesem handeln gezwungen werden? die sind opfer unseres handelns bzw. wegschauens *).

*) ironie wieder aus.

DagmarRehak
 
01

Weil, so schließ ich messerscharf,
nicht sein kann, was nicht sein darf.

super cat
01
DagmarRehak
 
11

Als langjähriger Öffibenützer hat man sich eh schon die längste Zeit gefragt, wie es das gibt, dass 90% irgendwas mit den Füßen haben, und eigentlich technisch und finanziell gar nicht in der Lage wären, sich an den Ort zu begeben, an dem sie den ganzen Tag "betteln" (war ja kein echtes Betteln).
Ich hätte mehr darauf getippt, dass halt Familienmitglieder die Behinderten an ihrem "Arbeitsort" absetzen, damit sie auch was zum Familieneinkommen beitragen können, während die nichtbehinderten Familienmitglieder arbeiten gehen. Naja, zu romantisch gedacht. Die Wahrheit ist unvorstellbar brutal.

Es ist gut, wenn gegen solche Banden mit aller Härte vorgegangen wird, aber es ist nicht gut, wenn Martina S., die ja immer nur in die eigene Tasche gebettelt und ihr Geld quasi ehrlich verdient hat, das jetzt nicht mehr darf.

Alice hinter den Spiegeln
30
@dagmar

.. und sie wissen, was ECHTES betteln ist? haben sie das schon einmal tun müssen???

da reden leute von dingen, die so weit von ihnen entfernt sind und sie nur nerven, wenn sie ihnen gerade begegnen!
wer nicht am eigenen leib not erfahren hat, der sollte schweigen...
da gäbs hier nur sehr wenige, bis garkeine posts!

DagmarRehak
 
03

Ich weiß auch, was eine echte Steuerhinterziehung ist, hab's aber noch nicht gemacht.

Echtes Betteln ist, wenn man das erbettelte Geld dann selbst ausgibt. Wenn man dazu gezwungen wird, ist das was ganz was anderes.

rollie63
31

ich als steuerzahler muss auch zahlen obwohl sich hinter
den empfängern auch kriminelle vereinigen, die meine sozialabgabe zur persönlichen bereicherung missbrauchen. also nichts mehr zahlen wenn etwas faul sein könnte.

ichda51
11
SSPÖ will Menschen die arm aussehen strafen

Man ging hier noch viel weiter es geht darum dass die SPÖ verwahrlostes Aussehen zum Straftatbestand macht und somit ALLE Parteien rechts überholt hat

SPÖ im O Ton: Initiativantrag vom 1.3.10
Menschen "die ALLEINE DURCH IHR VERWAHRLOSTES AUSSEHEN

eine erhebliche Verunsicherung auslösen" werden unsinnigerweise mit einer Geldstrafe bis 700€ belegt bzw. weggesperrt und somit unsichtbar in Wahlzeiten

"Tolle" Strategie im Jahr der Armutsbekämpfung...

link zum zitat
http://martinmargulies.files.wordpress.com/2010/03/i... sp_lat.pdf

super Typ
01

Zwar heißt es in der Begründung des Initiativantrages, dass "z. B. Suchtmittelabhängige, Obdachlose, Mitglieder organisierter Bettelbanden [...} allein durch ihr verwahrlostes Auftreten eine erhebliche Verunsicherung auslösen", aber das verwahrloste Auftreten ist im Gesetzesentwurf nicht als strafbarer Tatbestand vorgesehen.

Nachtsonne
00
das gesetz ist bereits erlassen

herzl
31
31.8.2010, 19:24
700 Euro Strafe sowie alles geld bei der Polizei

abliefern, die Geldbussen bei Schwarzfahren, Ladendiebstahl sind da nichts.
Diese Einstellung ist Mittelalterlich, möchte ich sagen, stimmt aber nicht. Postmodern vielleicht?

minski
43
31.8.2010, 16:40
Wenn man nachliest was Rechtsextreme hier Verkommenes zusammenposten

ist SPÖ un ÖVP auf jeden Fall schwere soziale Vernachlässigung anzulasten und nicht nur bei diesem elenden Bettelverbot.

Was ist das bitte für eine Sozialpolitik?

Man züchtet hier wieder aus Geiz gefährlichen Rechtsextremismus heran!

Grigio
03
31.8.2010, 17:58

In Vorwahlzeiten wird die Keule geschwungen, dass es nur so poscht. Mittlerweile ist jeder schon rechtsextrem der nicht bei Rot über die Kreuzung geht.

unterschichtskind auf dem weg nach oben
32
31.8.2010, 16:48

und sonst geht's Ihnen? Sie sind ein recht einfältiger Mensch. und Sie sollten mal einen Holzbohrer kaufen und zwei Löcher in Ihr Brett vorm Kopf zu machen, damit Sie wieder was sehen. eingeschränkt aber immerhin aber mehr als jetzt.

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