Langzeitstudie

Rauchen macht Teenager depressiv

30. August 2010, 18:14
  • Artikelbild
    foto: reuters/jason reed

    Rauchende Schüler: Frust statt Freiheitsgefühl

Experte: Zigaretten vermitteln Mündigkeitsgefühl - Auslöser zum Rauchen sei die Überlastung einer bestimmten Gehirnregion

Montreal/Iserlohn - Teenies, die auf dem Schulhof ihre Zigaretten paffen, wollen damit manchmal den täglichen Frust abbauen. Doch nun haben Forscher der Universitäten von Montreal und Toronto festgestellt, dass Zigaretten bei einigen Jugendlichen genau das Gegenteil bewirken. Rauchende Teens zeigten in Langzeituntersuchungen vermehrt Depressionen. Für die Untersuchung im Fachmagazin Addictive Behaviors wurden mehr als 670 Schüler befragt.

"Mit dieser Studie wollten wir die emotionalen Vorteile des Tabakkonsums erforschen", erklärt Studienleiter Michael Chaiton von der Ontario Tobacco Research Unit an der University of Toronto. "Obwohl Zigaretten zunächst die Stimmung aufheitern können, zeigt sich als Langzeiteffekt eine Zunahme von depressiven Symptomen bei den Heranwachsenden." In der Untersuchung wurden Schüler verschiedener sozialer Schichten in verschiedenen kanadischen Gemeinden befragt.

Vermeintlicher Stimmungsaufheller verursacht Depression

Die Studienprobanden wurden in drei Gruppen eingeteilt, die sich aus Nichtrauchern, Gelegenheitsrauchern, die Zigaretten nicht als Stimmungsaufheller sahen und jenen, die zur Frustbewältigung zum Glimmstängel griffen, zusammengesetzt. Die depressiven Symptome wurden anhand von gezielten Fragen nach Lust zu Aktivitäten, Schlafstörungen, Frustgefühlen, Traurigkeit, Nervosität, Zukunftsängsten und Sorgen definiert. Jene Schüler, die Zigaretten als Stimmungsaufheller konsumierten, entwickelten am ehesten Depressionen.

Warum Jugendliche eigentlich rauchen

"Wir rauchen, um das Bevormundungsgefühl loszuwerden", meint der Psychocoach Andreas Winter. "Rauchen ist verboten und daher machen es die Jugendlichen heimlich. Sie beweisen sich damit, dass sie frei sind", erklärt der Experte, der sich intensiv mit Raucherentwöhnung beschäftigt.

"Der Auslöser zum Rauchen ist die Überlastung einer bestimmten Gehirnregion, die den Erwartungsdruck registriert." Auch jeder Nichtraucher will eine solche Entlastung, lässt sich dafür etwas anderes einfallen. Der Erwartungsdruck spiele jedenfalls eine entscheidende Rolle, betont Winter, der auch davon ausgeht, dass es leicht sei mit dem Rauchen aufzuhören.

"Rauchen macht zwar krank, aber nicht süchtig, und man kann mühelos damit aufhören, denn ein angelerntes Verhalten sorgt für den Zwang zum Rauchen, aber keine körperliche Sucht", so der Experte. Dabei gehe es nicht um zwanghaftes "nie-mehr-rauchen-dürfen", sondern um die Freiheit zu entscheiden, ob man rauchen will oder nicht. (pte)

Kommentar posten
20 Postings
Peter Pichler
 
01
Ursache / Wirkung / Wissenschaft in Funktion von Propaganda

OK . Depressionen sind unter jugendlichen RaucherInnen häufiger ...

Daraus zu folgern dass das Suchtverhalten die Depression auslöst ist eine mögliche Schlussfolgerung... Umgekehrt, ... das Depressionen die Ausbildung von Suchtverhalten fördern eine andere...

Persönlich glaube ich das zweiterer Zusammenhang bedeutender ist... wenn man ganz genau nachsieht wird man höchstwahrlich in beide Richtung Effekte sehen...

... nach so einer Studie so zu tun, als hätte man Depressionen als Folgeerkrankung des Tabakkonsums identifiziert... hat mit Wissenschaft nichts zu tun, sondern ist Propaganda ...

Bei so einer Art der Argumentation darf man sich nicht wundern, dass wir Suchtkranken uns verarscht fühlen und NR AktivistInnen nicht ernst nehemn.

Heiße Luft
00
2.11.2010, 23:01

zwischen der einen und der nächsten zigarette, entscheide ich mich zumeist nicht zu rauchen!

Lux Perpetua
11
31.10.2010, 13:05
Rauchen macht zwar krank, aber nicht süchtig?

Ein echter Experte! Da erübrigt sich jeder Kommentar.

Der hat wahrscheinlich noch nie eine 30-Marlboro-Raucher, der auf Null reduziert, krachen gesehen, der Dölli.

Rauchen ist und bleibt eine stoffgebundene SUCHT!

Peter Pichler
 
00
Seh ich als Süchtiger auch so...

... es gibt definitv körperliche Entzugserscheinungen...

... die können sicher überwunden werden...

Veniamin Kostitsin-Teterin II
12
causalität ist schon ein hund

aber hauptsache man kann wieder etwas wider zigaretten schreiben

KleinerDrache80
04
31.8.2010, 14:54
Interpretation?

"Jene Schüler, die Zigaretten als Stimmungsaufheller konsumierten, entwickelten am ehesten Depressionen." - Das bedeutet doch, das das Rauchen nicht generell depressiv macht. Titel ist also falsch. Es könnte ja auch sein, dass diese Jugendlichen ohnehin eine Depression entwickelt hätten, auch ohne zu rauchen. Weiter gedacht könnte sogar das rauchen die Entwicklung der Depression verlangsamen? Man könnte also auch die Überschrift: "Rauchen als Symptom zur Früherkennung von Jugendlichen die depressive Verstimmungen entwickeln" nennen.

oblomow II
06
31.8.2010, 09:40
henne?

... oder ei?

gewuerzmuehle
20
31.8.2010, 08:19
Alternativen gibt´s halt leider noch wenig...

...hier mein Vorschlag:

http://www.youtube.com/watch?v=rnLZ30-Bj88

Herr Reinsch
00
31.8.2010, 10:01

Luft atmen?

roundabout
12
31.8.2010, 06:51

...und verringert die geistigen Fähigkeiten.

I_prefer_not_to
02
30.8.2010, 23:05

Das Ergebnis dieser Studie kann man aber auch genauso umgekehrt interpretieren:

Zur Depression neigende Teenager fangen eher mit dem Rauchen an.

Der Satz
"Jene Schüler, die Zigaretten als Stimmungsaufheller konsumierten, entwickelten am ehesten Depressionen."
weist ja auch in diese Richtung.

Also entweder wurden in dem Artikel entscheidende Details der Studie weggelassen, oder die Studie verliert sich tatsächlich in einer Null-Aussage, weil Ursache und Wirkung nicht erkennbar sind.

hed
01
31.8.2010, 22:09
studien, ihre interpretation und mediale darstellung

folgen halt einem "plan". und derzeit wird eben alles unternommen, um das rauchen zu verteufeln.

Bassoon
110
30.8.2010, 21:23

"Rauchen macht zwar krank, aber nicht süchtig, und man kann mühelos damit aufhören, ..."

Rauchen stimuliert bestimmte Hirnregionen, die sich nach dem Genuss immer wieder an diesen sehnen. Somit macht Rauchen auch süchtig. ^^

"... denn ein angelerntes Verhalten sorgt für den Zwang zum Rauchen, aber keine körperliche Sucht"

Naja, für mich gehört das Gehirn zumindest bei den meisten Menschen die ich kenne, zum Körper :-)

KleinerDrache80
01
31.8.2010, 15:01
Gemeint ist

vermutlich, dass das Rauchen keine körperlichen Entzugserscheinungen verursacht, die mit Medikamenten behandelt werden müssten.

Tatsächlich werden nikotinerge Rezeptoren (manche auf Acethylcholin ACh ansprechende Rezeptoren sprechen auch auf Nikotin an) durch Rauchen unempfindlicher auf das Körpereigene ACh. Dadurch "braucht" der Körper Nikotin, damit er richtig arbeiten kann. Allerdings erholen sich diese Rezeptoren etwa 3-5 Tagen nach Beendigung des Nikotinkonsumes von selbst, das Gehirn arbeitet wieder normal - und das auch bei Menschen die Jahrzehntelang geraucht haben.

Lorelei Sonnenschein
00
31.8.2010, 16:57
...danke für die sehr interessante Info!

roundabout
00
31.8.2010, 06:53
Es handelt

sich dabei um das limbische System.

PostIt
01
30.8.2010, 23:39
ganz hinten am artikel

steht ja auch (pte)^^

warum dem bericht über dies studie die meinung von diesem "expert" angehängt wurde?

www.powerscout.net

ein klassischer fall für esowatch^^

Franz Mukal
214
30.8.2010, 19:37

"Jene Schüler, die Zigaretten als Stimmungsaufheller konsumierten, entwickelten am ehesten Depressionen."

Unglaublich, Menschen die schon in jungen Jahren Stimmungaufheller benötigen entwickeln am ehesten Depressionen, wer hätte an soetwas gedacht?

Hoi S.
 
04
31.8.2010, 09:21
Genau, zeigt wieder, wie fragwürdig manche Studien sind ...

bzw. wie offen für Interpretationen die Ergebnisse sind. No na: Wer zu Nikotin greift, weil er die Stimmung aufhellen will oder Nervosität überbrücken, dürfte wohl von Haus aus zu depressiven Verstimmungen neigen. Somit sind die Raucher wohl eher ein "Negativsample", gemeint ist eine Gruppe, die mehr zu Depressionen neigt als Nichtraucher. Die Aussage, Nikotion führe längerfristig eher zu Depressionen ist somit unzulässig, weil die vermutlich nicht Nikotin die Ursache für Depressionen ist, sondern die Untersuchten per se mehr zu Depressionen neigen als die Grupper Nichtraucher.

hagane
01
31.8.2010, 08:00

genau, man darf nieeeeemals etwas tun um seine stimmung aufzuhellen...
also, keine witze mehr, kein spielen, kein herumgeblödel und ja keine hobbys die einem spaß machen!
erst dann ist man wahrhaftig fröhlich und depressionsimmun...*räusper*

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.