Gewerkschaft "Solidarnosc" zum 30. Jahrestag gespalten

30. August 2010, 20:37
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Eklat bei Jubiläumskongress: Pfiffe gegen Tusk - Demonstrative Abwesenheit von Lech Walesa

Warschau - Pfiffe für Regierungschef Donald Tusk, Applaus für Oppositionsführer Jaroslaw Kaczynski, demonstrative Abwesenheit von Lech Walesa: Die polnische Gewerkschaft "Solidarnosc" präsentiert sich 30 Jahre nach ihrer Entstehung politisch tief gespalten. Bei ihrem Jubiläumskongress am Montag in Gdynia (Gdingen) störten die Delegierten die Rede von Tusk mit Buhrufen und Pfiffen. Der Streikführer von 1980 und erste Chef der "Solidarnosc", Lech Walesa, blieb dem Kongress in Gdingen demonstrativ fern.

"Echte Solidarität schließt den Hass aus", mahnte Polens Ministerpräsident. Als er und Staatspräsident Bronislaw Komorowski den Saal verließen, gab es erneut laute Pfiffe. Demonstrativ beklatschten dagegen die Teilnehmer Jaroslaw Kaczynski, den Chef der national-konservativen Oppositionspartei Recht und Gerechtigkeit (PiS). Er hob die Rolle seines am 10. April bei einem Flugzeugabsturz gestorbenen Zwillingsbruders, Lech, bei der Gründung der "Solidarnosc" 1980 hervor.

Er soll damals wie die Werftarbeiter für mehr Rechte gekämpft haben, während andere Berater, die heute Tusk nahestehen, zu schnell den Kompromiss mit der Regierung schließen wollten. Jaroslaw Kaczynski warf den Regierenden vor, sie bedienten sich - wie in der Zeit der Diktatur - der Manipulation und Lüge.

Unzufriedener Walesa

Im Sommer vor 30 Jahren hatte eine Streikwelle an der polnischen Ostseeküste, bei der die Lenin-Werft in Danzig eine Führungsrolle spielte, zur Entstehung der "Solidarnosc" geführt. Am 31. August 1980 wurde in Danzig eine Vereinbarung mit der kommunistischen Staatsmacht unterzeichnet. Darin räumten die Machthaber den Arbeitern das Recht auf eine unabhängige Gewerkschaft ein. Dieser erste Schritt führte schließlich zum Ende der kommunistischen Herrschaft und strahlte auf das gesamte Osteuropa aus.

Lech Walesa sagte die Teilnahme ab. Er sei unzufrieden mit der polnischen Politik und auch mit der Rolle, die Solidarnosc heute darin spiele, erklärte Walesa am Montag in seinem Blog. "Nach 30 Jahren großen persönlichen Einsatzes bin ich heute schrecklich müde", schrieb Walesa in seinem Blog. "Darum bin ich nicht in der Lage, an vielen Treffen und Zeremonien aktiv teilzunehmen."

Walesa erhielt 2007 einen Herzschrittmacher. Er sagte dem Fernsehsender TVN24, die Solidarnosc müsse sich auf ihre Rolle als soziale Bewegung konzentrieren. Eine solche werde in Europa und weltweit gebraucht. Einzelheiten nannte er nicht. Walesa wurde jedoch zu einem Konzert am (morgigen) Dienstag in Gdansk (Danzig) erwartet, das im Mittelpunkt der Feierlichkeiten steht. Walesa war von 1990 bis 1995 Präsident. (APA/dpa/apn)

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