Diskonter treiben Biomarkt an

30. August 2010, 17:29
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Magerer Absatz von Biofleisch, zähe Direktvermarktung

Wien - Die Bilanz klingt nach einem historischen, in Europa bisher einzigartigen Boom: Um ganze 40 Prozent ist der Bioabsatz in Österreich von Jänner bis April gestiegen, verkündete Landwirtschaftsminister Niki Berlakovich gestern, Montag, vor Journalisten. Der Umsatz mit Biolebensmitteln sei zugleich um 30 Prozent gewachsen.

Die Österreicher halten Bio weiter die Stange. Die Gründe für das Allzeithoch sind aber vor allem methodischer Natur: Diskonter Hofer stellte seine Marke "Zurück zum Ursprung" 2009 von konventionell auf biologisch um. Darauf seien mehr als 60 Prozent des Zuwachses zurückzuführen, rechnet Marktforscher Johannes Mayr vor, der als Chef von KeyQuest für Agrarmarkt Austria die Daten erstellt.

Damit vertreiben Diskonter bereits fast 36 Prozent der Biomengen, ein Jahr zuvor waren es erst knapp 28 Prozent. Wertmäßig decken Hofer, Penny und Lidl mehr als 27 Prozent des Biogeschäfts ab.

Nachdem der Biomarkt im Vorjahr erstmals schwächelte, rüsteten auch Rewe und Spar neu auf. Ihn habe überrascht, dass die anderen Ketten angesichts des Vormarsches der Diskonter nicht zurücksteckten, sondern ebenso zulegten, sagt Mayr. Bei ihnen habe aber vor allem das breitere Sortiment die Geschäfte angetrieben.

Spar und Rewe bauten die Zahl der Bioartikel in den vergangenen beiden Jahren um bis zu zwanzig Prozent aus. Zum Zug kamen dabei überwiegend Eigenmarken.

Molkereiprodukte, Gemüse und Obst sind am Biomarkt die Schrittmacher. Fleisch rangiert weit abgeschlagen. Und werde es weiterhin schwer haben, sagt Stephan Mikinovic, Chef der AMA. Gehe es bei Joghurt gerade einmal um ein paar Cent, die für Bio mehr zu berappen sind, könne das beim Kilo Fleisch mitunter bis zu zwölf Euro ausmachen. Die Kosten für die Bioproduktion sind bei Fleisch deutlich höher, nur wenige seien bereit, sie abzugelten.

Alles in allem sind derzeit 6,1 Prozent aller Lebensmittel im Einzelhandel bio. Mikinovic sieht ein Potenzial von bis zu 15 Prozent in den nächsten zehn Jahren. "Solange Haushalte mehr fürs Auto als für Kinder ausgeben, ist noch viel zu tun." Auch in der Gastronomie hat Bio nach wie vor Seltenheitswert. Treue Biokunden gibt es wenige. 80 Prozent nehmen es sporadisch, nach und nach bildeten sich aber stabilere Käufergruppen heraus.

Vom Boom in den Handelsketten können sich Direktvermarkter wenig abschneiden. Der Biomarkt werde für sie zäher und schwieriger, erzählt Gerhard Zoubek, Chef von Adamah, der in der Woche 4000 Biokisterln ausliefert. Viele seiner Lieferanten zögen sich zurück, weil sie ihre Kosten nicht mehr hereinbrächten. Bio werde immer stärker über den Preis verkauft, kleine Produktionsbetriebe blieben auf der Strecke. (Verena Kainrath, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 31.8.2010)

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