Bessere Infarktverhütung möglich

30. August 2010, 13:03
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Bisher verwendeter Gerinnselhemmer Clopidogrel bekommt jede Menge Konkurrenz - Genetik entscheidend

Stockholm/London/Wien - Vor allem bei der Verhinderung weiterer Herzinfarkte nach einer ersten "Attacke" leistet die medikamentöse Hemmung der Blutgerinnung einen wichtigen Beitrag. Klassisches Arzneimittel dabei war viele Jahre lang niedrig dosierte Acetylsalicylsäure (ASS/Aspirin). In der jüngeren Vergangenheit wurde hier das etwas besser wirksame Clopidogrel ("Plavix") zu einem der weltweit meistverwendeten Arzneimittel. Doch jetzt kommt jede Menge Konkurrenz, die möglicherweise auch effektiver ist, hieß es beim Europäischen Kardiologenkongress in Stockholm.

ASS - zur Gerinnselverhütung zumeist nur in einer Dosis von 50, 81 oder 100 Milligramm pro Tablette einmal täglich verwendet ("Baby-Aspirin") - wirkt über die Hemmung der Entzündungsenzyme Cyclooxygenase. Clopidogrel und diesem ähnliche neuere Substanzen blockieren hingegen den P2Y12-Rezeptor auf den Blutplättchen. Allerdings ist diese Wirkung nicht bei allen Menschen gleich. Varianten im Gen CYP2C19, welches den Abbau des Wirkstoffes steuert, und im Gen ABC1B (für die Aufnahme in den Organismus verantwortlich) können die Effektivität bei der Verhinderung der Bildung von Blutgerinnseln herabsetzen.

Doch laut den neuesten Forschungen bieten ähnliche neu entwickelte Substanzen wahrscheinlich Vorteile für solche Herzinfarktgefährdete, bei denen Clopidogrel nicht ausreichend wirkt, zum Teil allerdings bei häufigeren Nebenwirkungen.

Weniger Todesfälle und Infarkte

In der britischen Medizin-Fachzeitchrift "The Lancet" online anlässlich der Vorstellung der Studie in Stockholm wird eine Untersuchung des schwedischen Spezialisten Lars Wallentin (Universität Uppsala) publiziert. In dieser PLATO-Studie wurden bei Verwendung von Ticagrelor im Vergleich zum älteren Clopidogrel um 16 Prozent weniger Herz-Todesfälle, Infarkte oder Schlaganfälle registriert. Allerdings traten bei längerfristiger Behandlung um 19 Prozent mehr Blutungen auf. An der Studie nahmen insgesamt 10.285 Patienten teil. Der Effekt des neuen Arzneimittels trat unabhängig von den bei den Probanden vorliegenden Gen-Varianten auf, welche die Wirkung von Clopidogrel beeinflussen.

Ähnliches kann offenbar auch mit Prasugrel, einem weiteren ähnlichen Gerinnselhemmer, erzielt werden. Jessica Mega (Brigham and Women's Hospital/Harvard Medical School) und ihre Co-Autoren publizieren anlässlich des größten europäischen Kardiologenkongresses eine Studie zur Verwendung von Prasugrel im "Lancet", wonach Varianten im ABCB1-Gen keinen Einfluss auf die Wirkung bei der Verhinderung von Infarkten haben. Dass auch das Gen CYP2C19 beziehungsweise seine beim Menschen auftretenden "Spielarten" den Effekt nicht beeinflussen, war bereits bekannt. Der Vorteil liegt auch darin, dass man sich teure Gen-Tests ersparen könnte. (APA)

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