Deutsches Wachstum bremst ab

30. August 2010, 12:15
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Berlin - Der Wirtschaftsaufschwung in Deutschland wird sich nach Einschätzung des DIW im Herbst fortsetzen. Dabei bleiben die Zuwachsraten deutlich über den längerfristigen Durchschnittswerten, wie aus dem am Montag veröffentlichten Konjunkturbarometer des Deutschen Institutes für Wirtschaftsforschung hervorgeht.

Allerdings soll die Erholung an Kraft verlieren. Für das dritte Quartal erwarten die Experten einen Anstieg der Wirtschaftsleistung um 0,9 Prozent nach 2,2 Prozent im zweiten Quartal. "Die Konjunktur bleibt eindeutig aufwärts gerichtet", sagte DIW-Konjunkturexperte Ferdinand Fichtner. "Es besteht jedoch kein Anlass, die aktuellen Wachstumserfolge durch Steuersenkungen zu verfrühstücken."

Grund für die leichte Abkühlung sind laut DIW Sondereffekte, die im Herbst allmählich nachlassen. Durch die konjunkturelle Abschwächung in vielen Ländern - insbesondere in den USA, aber auch in China - werden deutsche Unternehmen wohl nicht mehr so viel exportieren. Auch die Nachholeffekte in der Bauwirtschaft nach dem strengen Winter seien weitgehend abgearbeitet. Dagegen dürfte der Konsum der privaten Haushalte das Wachstum stützen. "Dazu trägt insbesondere die robuste Entwicklung am Arbeitsmarkt bei, die die Arbeitsplatzsicherheit erhöht", erklärte DIW-Konjunkturexperte Vladimir Kuzin.

Sparen

Die Experten empfahlen der Berliner Regierung, den Aufschwung fürs Sparen zu nutzen. "Steuersenkungen würden nur Strohfeuereffekte auslösen, das strukturelle Defizit weiter erhöhen und die spätere Konsolidierung erschweren." Stattdessen komme es darauf an, Unternehmen und Haushalte vom Sparen zu überzeugen. "Dadurch werden neue Wachstumsimpulse gesetzt", erklärte Fichtner.

Angesichts der positiven Entwicklung forderte DIW-Präsident Klaus Zimmermann von Wirtschaft und Politik mehr gemeinsame Anstrengungen bei der Gewinnung von qualifizierten Fachkräften aus dem Ausland. "Deutschland muss innerhalb der Europäischen Union zum Motor werden für ein modernes Beschäftigungskonzept ohne überflüssige bürokratische Hemmnisse und nach den Bedingungen der Arbeitsmärkte", sagte Zimmermann. Man sei dringend auf qualifizierte Einwanderer angewiesen. "Denn ohne Zuwanderung könnte der Wirtschaftsaufschwung schon bald wieder vorbei sein." Auch langfristig seien Wachstum und Wohlstand nicht ohne qualifizierte Zuwanderung zu sichern. (APA/apn)

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