Japan stemmt sich gegen starken Yen

30. August 2010, 17:54
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Die japanische Notenbank stockt Programme für günstige Kredite auf, um den Höhenflug des Yen zu bremsen. Die Regierung kündigt Konjunkturstützen an

Die japanische Notenbank stockt Programme für günstige Kredite auf, um den Höhenflug des Yen zu bremsen. Die Regierung kündigt Konjunkturstützen an, um den Arbeitsmarkt in Schwung zu bringen. Experten sind skeptisch.

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Tokio - Japans Notenbank und Regierung signalisierten am Montag, dass der Höhenflug des Yen ihre Schmerzgrenze überschritten hat. Die Notenbank lockerte in einer Krisensitzung die Geldpolitik weiter und legte für die Banken ein neues sechsmonatiges Kreditprogramm zu 0,1 Prozent Zinsen in Höhe von 10.000 Mrd. Yen (93 Mrd. Euro) auf. Inklusive dreimonatiger Programme stellt die Bank von Japan dem Finanzsystem damit 30.000 Mrd. Yen zur Verfügung.

Zusätzlich kündigte die Regierung an, aus den Reserven 920 Mrd. Yen in neue Konjunkturprogramme zu leiten, um die abflauende Wirtschaft zu stützen. Weitere Maßnahmen könnten folgen, sagte Notenbank-Chef Shirakawa. Zudem ließ Ministerpräsident Naoto Kan durch ein seltenes persönliches Treffen mit Shirakawa wissen, dass die Politik dem Anstieg des Yen nicht tatenlos zuzuschauen gedenkt. Auch wenn die Notenbank offiziell den Eingriff mit wachsenden weltwirtschaftlichen Risiken begründet hat, gilt als Auslöser des Aktivismus an den Märkten die Schwäche von Dollar und Euro. Die daraus resultierende Verteuerung japanischer Exporte hat nicht nur die Angst vor einem Rückfall in die Rezession, sondern auch vor einer Produktions- und Jobverlagerung ins Ausland genährt. Denn Japans Exporteure verdienen bei den derzeitigen Kursständen kaum noch etwas mit Produkten "Made in Japan" , viele machen bereits Verluste. Der Dollar ist mit 85 Yen auf einem 15-Jahres-Tief, der Euro rangierte vorige Woche auf dem tiefsten Stand seit acht Jahren, weil der Yen trotz Japans hoher Verschuldung von 200 Prozent des Bruttoinlandsprodukts und der schwächelnden Wirtschaft immer noch als sichererer Hafen als die USA und Europa gilt. Experten schließen nicht mehr aus, dass der Yen den bisherigen Höchststand gegenüber dem Dollar von 79,75 Yen (1995) übertreffen könnte.

Wirtschaftsvertreter riefen zuletzt nach Aktionen zur Schwächung des Yen. Doch da direkte Wechselkursintervention vor den Wahlen zum US-Kongress im November kaum die Zustimmung von US-Präsident Barack Obama finden würden, verstärkte die Regierung den Druck auf die Notenbank, durch eine Lockerung der Geldpolitik den Yen zu verbilligen.

Die Aktion der Notenbank bewegte die Märkte kaum. Der Dollar tänzelte weiter bei 85 Yen, der Euro bei 108 Yen. Auch das Kursbarometer der Börse, der Nikkei-225-Aktienpreisdurchschnitt, sackte nach der Veröffentlichung der Schritte ab. Denn die Märkte glauben in den Worten von UBS-Volkswirt Takuji Aida, dass "die zusätzliche Lockerung der Bank von Japan allein nicht ausreicht, um den Markttrend umzukehren".

Andere Experten glauben, dass die Währungshüter nur ihr Pulver trocken halten, für den Fall, dass die Lage wirklich gefährlich wird. "Wir erwarten, dass die Bank von Japan weitreichende Maßnahmen wie den verstärkten Kauf von japanischen Regierungsanleihen in Reserve halten wird", so Wechselkursstratege Yunosuke Ikeda. (Martin Kölling aus Tokio, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 31.8.2010)

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    Die Schmerzgrenze beim Yen ist für den Präsidenten der japanischen Notenbank, Masaaki Shirakawa, überschritten. Die Politik verspricht, dem Höhenflug nicht länger tatenlos zuzusehen.

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