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Ein eigenes "Musikbett" steht an der Christian-Doppler-Klinik zur Stimmungsaufhellung bei Psychiatrie-Patienten zur Verfügung.

Gunther Ladurner (links) möchte mehr systematische Forschung zu den Wirkungen von Musiktherapie. Für Klaus von Wild (rechts) kann sie auch Medikamente reduzieren helfen.

Den Radetzkymarsch nehmen die von Martin Kronbichler untersuchten Wachkomapatienten besonders positiv auf, berichtet der Psychologe.
Salzburg - Dass Musik in der Therapie von neurologischen und psychiatrischen Erkrankungen eingesetzt wird, ist nicht Neues. Doch die 2007 gegründete Internationale Gesellschaft für angewandte Neuromusikwissenschaft möchte mit ihrem ersten Weltkongress, der vergangenes Wochenende in Salzburg über die Bühne ging, die Musiktherapie auf eine neue Stufe heben.
"Wir wissen, wir haben positive Effekte, wir wissen nur oft noch nicht, wie stark diese Effekte sind", sagt Gunther Ladurner, Ärztlicher Direktor der Christian-Doppler-Klinik in Salzburg und Organisator des Kongresses: "Aber der Naturwissenschaftler ist ein harter Bursche, der möchte Belege haben, erst dann fängt er an zu glauben." Deshalb müsse die Forschung in diesem Bereich dringend systematisiert werden.
Musik aktiviert große Teile des Gehirns
Neurowissenschaftliche Erklärungsmodelle für die positiven Wirkungen von Musik in der Therapie gibt es mittlerweile. Im Kernspintomografen lasse sich etwa nachvollziehen, dass Musik weit mehr Gehirnregionen aktiviert als zum Beispiel Sprache, sagt Ladurner. Darunter sind auch Regionen, die für generelle motorische Kontrolle, für Gedächtnis, Aufmerksamkeit, Sprache und Sprechen sowie für Exekutivfunktionen zuständig sind. Musik könne dadurch Neuroplastizität, also die Fähigkeit des Gehirns zum Bau neuronaler Netze, in diesen Einheiten ansprechen und verändern.
Parkinson, Schädelhirntrauma, Demenz oder Autismus sind nur einige der Krankheitsbilder, deren Behandlung von Musik profitieren könnte. Bei Alzheimer-Patienten zum Beispiel bleibe das Musikgedächtnis sehr viel länger erhalten als das Wortgedächtnis. Das könne man sich bei der Aktivierung solcher Patienten zunutze machen, auch Sprachstörungen seien durch gemeinsames Singen effektiv behandelbar. Ähnliches gelte für motorische Störungen, etwa nach Schlaganfällen.
Hardrock statt Lyra und Gong
Welche Musikrichtung dafür am besten geeignet ist, lasse sich so allgemein nicht sagen. Klaus von Wild, Professor für Neurochirurgie und Neurorehabilitation an der Uni Münster, nannte bei einem Pressegespräch das Beispiel eines 19-jährigen bewusstlosen Patienten, der in einer klassischen Musiktherapie mit den sanften Klängen von Gong und Lyra reaktiviert werden - ohne Erfolg. Es stellte sich heraus, dass der junge Mann Gitarrist in einer Hardrock-Band war. Mit seiner Gitarre auf dem Bett und Schlagzeugbegleitung stellten sich binnen 14 Tage entscheidende Fortschritte ein, berichtete von Wild.
An der Christian-Doppler-Klinik untersuche man mittlerweile nahezu alle Wachkomapatienten mittels funktionaler Magnetresonanztherapie, um zu sehen, auf welche Reize sie reagieren, sagt der Psychologe Martin Kronbichler. Dabei stelle sich bei Musik immer wieder eine starke Aktivierung des Gehirns heraus. Bei fröhlichen Stücken, wie etwa dem Radetzkymarsch, sei diese Aktivierung besonders ausgeprägt. Musik wirke vor allem deshalb stimulierend auf das Gehirn, weil sie einerseits vorhersagbare Strukturen, andererseits aber auch Überraschungen beinhalte: "Das ist für das Gehirn interessant."
Musik statt Medikamente
Bestimmte Formen der Musiktherapie könnten auch dazu beitragen, Medikamentenkosten einzusparen, etwa das aus den Niederlanden stammende "Snoozing": Dabei werden die Sinne der Patienten in einem speziell ausgestatteten Raum etwa durch ein Wasserbett, Lichteffekte an der Decke, verschiedene Materialien zum Angreifen und eben beruhigende Musik vielfach stimuliert. "Dann werden die Patienten innerhalb von zehn Minuten völlig ruhig und entspannt, wir brauchen keine Beruhigungsmittel mehr für 48 Stunden", berichtet von Wild.
Welche Musik jemand als angenehm oder unangenehm empfindet, ist in einem gewissen Rahmen individuell verschieden - es gibt aber auch Konstanten. Dazu gehöre etwa, dass Konsonanzen als positiv und Dissonanzen als negativ empfunden werden, sagt Ladurner. Diese Einordnung sei möglicherweise sogar im menschlichen Genom verankert. Auch dass Melodien in Dur als fröhlich und solche in Moll als traurig empfunden werden, scheint transkulturell gültig zu sein, wie Experimente mit isolierten Volksstämmen zeigen.
Musik als "Droge"
Als positiv empfundene Klänge könnten auch bei psychischen Erkrankungen wie Depression oder Schizophrenie ein wertvoller Stimmungsaufheller sein und damit teilweise Medikamente ersetzen, sagt Ladurner. Interessante Verbindungen seien zur Therapie bei Suchterkrankungen denkbar: "Musik nimmt in Kerngebiete des Gehirns Einfluss, die mit dem Suchtverhalten zu tun haben. Sie löst dort etwas aus, das in Analogie zu einem Belohnungsverhalten steht." Vermutlich sei der Reiz der Musik zwar nicht stark genug, um Suchtmittel zu ersetzen, als zusätzliche Therapie sei sie aber sicher sinnvoll.
Obwohl es sich bei der Musiktherapie um eine im Prinzip preisgünstige Methode handelt, stehe sie zumindest in Deutschland "oft in der Diskussion, aber nicht wegen der positiven Folgen, sondern wegen der Kosten, die damit verbunden sind", berichtet von Wild. Mit systematischer Forschung wollen die am Kongress teilnehmenden Wissenschaftler aus Österreich, Deutschland, Dänemark, den USA, China und Japan die Diskussion in eine andere Richtung lenken. (Markus Peherstorfer, derStandard.at, 30.08.2010)
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Leider wieder einmal völlig inkompetent zusammengefaßt. Was konsonant und was dissonant ist, ist schließlich nicht universell. Verschiedenste Skalen vieler Musikkulturen haben da widersprüchliche Sichtweisen. Und auch die europäische Musik des 13. Jhds. zeigt durchaus andere Bewertungen z.B. wie eine terz zu behandeln sei, und was eine Terz ünerhaupt ist...
Sogar Musikspitäler! Deren Musiktherapie ist imposant.
Wer den sogenannten "Baksi" tanzen konnte, wurde als geheilt entlassen.
Der bekannteste lebende Vertreter ist Dr. Guvenc von der Uni Istanbul:
http://www.sufiportal.de/text.php?... =80&s=read
An der Musikuniversität Wien gibt es eine der ältesten und anerkanntesten Ausbildungen für Musiktherapie von auf ganz Europa.
Allerdings sollte in dem Artikel besser differenziert werden, dass es sich bei der untersuchten Richtung der Musiktherapie um "funktionale Musiktherapie" handelt (im Sinne der "musikalischen Hausapotheke": Klienten werden mit Musikstücken bespielt, daraufhin bessert sich ihr Zustand oder auch nicht).
Die "funktionale" Musiktherapie nutzt aber kaum das eigentliche Potential der Musik als kreativen Akt der Begegnung, Kommunikation und Ressource durch emotionalen Ausdruck in der direkten Form z.B. der Improvisation. Auf diesem Gebiet ist die Musiktherapie in Europa wirklich gut.
Hätte man auch so ausführlich darüber berichtet, wenn er in Buxtehude stattgefunden hätte?
Eigentlich inhaltliches nichts Neues. Aber die Neurowissenschaftler müssen halt um Drittmittel werben. Der große Boom der letzten jahre scheint vorbei zu sein.
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