Einige Verschüttete leiden unter Alkohol-Entzug

30. August 2010, 09:40
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Radikalkur "nicht gut" - Müssen bei Rettung selbst mithelfen - Konnten das erste Mal mit Angehörigen sprechen

Einige der 33 eingeschlossenen Bergleute in Chile leiden an Alkohol-Entzugsproblemen. Wie der chilenische Gesundheitsminister Jaime Manalich der spanischen Zeitung "El Pais" berichtete, hatten mehrere Kumpel in der Vergangenheit zur Bekämpfung der Angst unter Tage regelmäßig Alkohol getrunken. "Einige von ihnen hatten sogar große Mengen zu sich genommen", sagte der Minister. "Zuweilen ist es nicht gut, wenn man eine Sucht auf einen Schlag mit einer Radikalkur unterbindet."

Bergleute baten um Wein

Die Bergleute hatten bei ihrer ersten Telefonverbindung mit Staatspräsident Sebastian Pinera um ein "Gläschen Wein" gebeten, weil sie die den 200. Jahrestag der Unabhängigkeit Chiles feiern wollten. Bisher bleiben die Verantwortlichen der Bergungsoperation jedoch dabei, dass die Eingeschlossenen weder Tabak noch Alkohol bekommen.

Wie die Madrider Zeitung berichtete, sind unter den Bergleuten auch einige Alkoholiker und Drogenabhängige. Bisher habe der plötzliche Entzug jedoch keine Auswirkungen auf das Zusammenleben der 33 Bergleute in 700 Metern Tiefe.

Die Verschütteten müssen an ihrer Rettung mitwirken

Die 33 verschütteten Bergleute in Chile müssen zu ihrer eigenen Rettung beitragen. Der Chefingenieur der Rettungsarbeiten, Andres Sougarret, erklärte, während der Bohrung eines Rettungsschachts müssten die Männer in der Tiefe das hinabfallende Geröll zur Seite räumen. Sie müssten dazu in Schichten rund um die Uhr arbeiten und 3.000 bis 4.000 Tonnen Steine abtransportieren.

Bohrungen zu Schacht sollen beginnen

Das staatliche Bergbauunternehmen Codelco wollte am Montagnachmittag mit den Bohrungen beginnen. Der Schacht soll breit genug werden, um die Männer einzeln an die Oberfläche zu holen. Sougarret sagte, einfache Ausrüstungsgegenstände seien in der Tiefe vorhanden. Der neue Schacht werde wahrscheinlich mehrere hundert Meter vom Wohnbereich der Verschütteten enden, so dass genug Platz sei, um das hinabfallende Geröll zu beseitigen. Allerdings war nicht klar, ob die Männer überhaupt in der körperlichen Verfassung sind, so schwere Arbeit zu leisten. 

Erstmals Kontakt zu Angehörigen

Endlich haben die eingeschlossenen Bergarbeiter erstmals mit ihren Angehörigen sprechen können. Die Behörden ließen dafür ein Kabel durch eine der Versorgungsröhren zu den in 700 Metern Tiefe ausharrenden Männern herab. Die Angehörigen campieren über der Mine San Jose in der Atacama-Wüste in einem Zeltlager, das sie "Esperanza" (Hoffnung) getauft haben.

Bei den Gesprächen spielten sich bewegende Szenen ab. So nutzte der eingeschlossene Bergarbeiter Esteban Rojas die Gelegenheit, seiner Frau Jessica Yanez die kirchliche Heirat vorzuschlagen, nachdem beide vor 25 Jahren nur standesamtlich geheiratet hatten. Die Angehörigen waren tief gerührt und sehr erleichtert darüber, dass es den Verschütteten soweit gut gehe.

Die 33 Männer sitzen seit einem Felssturz am 5. August in der Gold- und Kupfermine San Jose am Rand von Copiapo fest. Die Rettung kann nach Expertenschätzung bis Weihnachten dauern. (APA/apn/AFP)

  • Die 33 verschütteten Minenarbeiter konnten nun erstmals mit ihren Angehörigen Kontakt aufnehmen.
    foto: epa/codelco / ho

    Die 33 verschütteten Minenarbeiter konnten nun erstmals mit ihren Angehörigen Kontakt aufnehmen.

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