Ein Televangelist für die Anhänger der Tea Party

29. August 2010, 20:51
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Glenn Beck, ultrarechter Moderator bei Fox News

Langweilig wird es nie bei Glenn Beck. Der Fernsehkommentator versteht es zu modulieren, von der Tonlage des Geschichtslehrers ins Kumpelhafte zu wechseln, von Lektionen über das Revolutionsjahr 1776 zu einem burschikosen "Ach, was weiß ich denn schon" . Er weiß, wie man effektvolle Kunstpausen setzt. Er kann todernst in die Kamera blicken und im nächsten Moment albern sein wie ein ausgelassener Junge.

Dem Namen nach ist Beck ein Talkshow-Gastgeber, angestellt beim Sender Fox News. In Wahrheit versteht er sich als politischer Aktivist und heimlicher Anführer der Opposition, gleichauf mit Sarah Palin. Beck ist das Aushängeschild der Tea Party, der erzkonservativen Bewegung. Lange hat man ihn kaum beachtet. Erst vor zwölf Monaten schaffte er den Durchbruch, als er den bis dahin größte Protest der Tea Party auf die Beine stellte.

Aufgeschreckt durch die Gesundheitsreform von Präsident Barack Obama und höhere Steuern, marschierten Zehntausende am Weißen Haus vorbei. Mit seinem Talent für die einprägsame Zeile sprach Beck vom "Projekt 9/12" . Am 12. September 2001, dem Tag nach dem Terrorangriff auf New York und Washington, habe Amerika nur Patrioten gekannt, keine Parteien. Dieses Gefühl müsse wieder aufleben.

Einst bejubelte auch Beck den Wahlsieg Obamas als historisch. "Er ist mein Präsident, er ist euer Präsident. Scheitert er, scheitern wir alle" , ermahnte er die Republikaner. Da war er noch bei CNN. Kurz darauf ging er zu Fox News, wo statt objektiver Berichterstattung Meinungsmache gefragt ist.

1964 geboren, wuchs Beck in schwierigen Verhältnissen auf. Die Eltern ließen sich scheiden, seine alkoholkranke Mutter ertrank, als er 15 war. Auch Beck erlag den "Versuchungen von Dr. Jack Daniels", wie er es später nannte. 1995 gab ihm ein Arzt noch sechs Monate, worauf er sich behandeln ließ. Auf Wunsch seiner behinderten Tochter aus geschiedener erster Ehe wurde er Mormone, gemeinsam mit seiner zweiten Frau. Insgesamt hat er vier Kinder.

Dass Obama Muslim sei, wie es ein Viertel der US-Bürger glaubt, behauptet Beck nicht. "Ich nehme Obama beim Wort, dass er ein Christ ist. Es ist nur ein Christentum, das die meisten Amerikaner nicht wiedererkennen." Dafür nennt er ihn einen verkappten Marxisten, als junger Sozialarbeiter in Chicago sei er Mentoren gefolgt, die sich auf Karl Marx beriefen. "Beweis erbracht!", donnert Beck. "Mao im Weißen Haus!" (Frank Herrmann/DER STANDARD, Printausgabe, 30.8.2010)

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