England

Briten wollen keine Fremdsprachen lernen

29. August 2010 20:28

Reihenweise Sprachlehrer entlassen, Industrie und Forschung schlagen Alarm

Die neuesten Prüfungsergebnisse haben den alarmierenden Trend bestätigt: Die Briten lernen kaum noch Fremdsprachen. Seit 2002 ist die Zahl von Jugendlichen, die ihre mittlere Reife in wenigstens einer Sprache ablegen, um 38 Prozent zurückgegangen. Auch Abiturienten und Studienanfänger scheuen vor Sprachen zurück. Deutsch und Französisch sind am schlimmsten betroffen, reihenweise schließen renommierte Universitäten ihre Sprach-Abteilungen. "Aus wirtschaftlichen, sozialer und kultureller Sicht sollte uns dieser Trend stark beunruhigen", sagt Richard Lambert vom Unternehmer-Verband CBI. "Wir benachteiligen unsere jungen Leute auf dem internationalen Arbeitsmarkt", warnt Kate Board vom nationalen Sprachzentrum Cilt.

Der langfristige Rückgang hat kulturelle Gründe. Das Mutterland des Empire profitiert von der weltweiten Anziehungskraft des Englischen. Mag Mandarin die Muttersprache von wesentlich mehr Menschen sein, international hat nur Chancen, wer sich auf Englisch verständlich machen kann. Das Internet hat dieses Phänomen verstärkt. Online herrsche eine "übermächtige Anglo-Zone", analysiert der Guardian-Kolumnist Martin Kettle. Die Folgen seien fatal: "Unsere Aufmerksamkeit war noch nie so verengt auf die englischsprachige Welt, besonders Amerika, wie heute." Entscheidender für viele Schüler dürfte sein, worauf Pädagogen anklagend hinweisen: die Entscheidung der damaligen Labour-Regierung, Sprachen als Pflichtfach abzuschaffen. Während 2003 mehr als die Hälfte aller 15-Jährigen in 78 Prozent der weiterführenden Schulen Fremdsprachen lernten, fiel der Anteil in diesem Jahr auf 40 Prozent, im Staatsschulsektor sogar unter ein Drittel. Reihenweise werden Deutsch- und Französisch-Lehrer entlassen oder auf mehrere Schulen verteilt.

Zweitsprache als Privatsache

Wenigstens gibt es den liberalen Vize-Premier Nick Clegg. Der Sohn einer holländischen Mutter ist mit einer Spanierin verheiratet und spricht zusätzlich zu diesen beiden Sprachen auch noch Deutsch und Französisch. Cleggs gutes Beispiel weist allerdings auf den wachsenden Abstand zwischen dem britischen Staatsschulsektor und den privaten Lehranstalten hin. Wie mehr als die Hälfte seiner Kabinettskollegen (Bevölkerung: ca. 5 Prozent) genoss der Vize-Premier eine teure Ausbildung auf einem klassischen Privatgymnasium. Optimisten verweisen auf die starken Minderheiten aus den früheren Kolonien Pakistan und Bangladesch, aber auch aus Türkisch-Zypern: Deren Kinder wachsen ohnehin zweisprachig auf. Insgesamt gehören mehr als drei Millionen Briten diesen Sprachgruppen an. Übersehen wird dabei, dass viele Einwanderer als Analphabeten in ihrer eigenen Sprache kamen und deshalb oft nur bruchstückhaft Englisch lernen.

Gute Nachrichten brachten die jüngsten Ergebnisse für einige Trendsprachen: Spanisch steht kurz davor, Deutsch zu überholen. Mehr als 3500 junge Briten mühten sich mit Mandarin; mit dem sagenhaften Zuwachs von 1309 Prozent schaffte es Polnisch sogar auf Platz eins aller Sprachprüfungen, als Folge der enormen Zuwanderung aus dem EU-Neumitglied. (Sebastian Borger aus London/DER STANDARD-Printausgabe, 30.8.2010)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 30
1 2
LSDBlue
02.09.2010 11:04

Die Briten sollten überhaupt mal akzentfreies Englisch ohne diesem schrecklichen Cockneyslang lernen, das kann man sich ja nicht anhören

widiwutsch
06.09.2010 08:31
Also wie diese Lena Meyer-Landrut, oder? :-)

Hsmblada
02.09.2010 22:33

So etwas ähnliches sagen Deutsche wohl auch über uns. ;-)

ela vie
30.08.2010 15:08

so wie sehr sehr viele österreicher nicht englisch können. probieren sie mal in der fußgängerzone favoriten oder mitten in linz oder st. pölten usw auf englisch eine auskunft zu bekommen....

poldi schoenus
01.09.2010 10:12
sie werden

eine bekommen. Vielleicht nicht gerade in einem Englisch, welches fuer die Aufnahmspruefung fuer Cambridge reicht, aber die Donau werdens finden.
Was aber auch eine gr. Gefahr fuer das kl. Englisch darstellt. In Wirklichkeit entwickelt sich da ein weltweiter Kauderwelsch

Mormoloc
01.09.2010 10:45
Da wäre ich mir nicht so sicher...

Eine französische Kollegin (Latinum, Graecum, Italienisch, Spanisch, Englisch) wollte sich in Freising eine Bahnfahrkarte gen Regensburg kaufen. Tat dies am Schalter mangels Deutschkenntnissen auf Englisch kund. - Es endete damit, daß, als man feststellte, welches ihre Herkunft war, den Türken von der Dönerbude herbeirief, der dann Deutsch-Französisch dolmetschte...

poldi schoenus
01.09.2010 10:52
:)) ok,

Bahnbeamte gelten nicht, schon garnicht am flachen Land. Um nicht zu fragen, haette ihr Schulhochdeutsch geholfen ?

Der_Klingone
30.08.2010 12:54

Macht doch nichts. Würde mich als Engländer auch genüsslich zurücklehnen und darauf vertrauen, daß meine Partner aus Deutschland & Co schon anglophil genug sind, um dies zu kompensieren ;-)

poldi schoenus
01.09.2010 10:14
Das kann aber

ins Auge gehen. Dann unterhalten sich dein dt. u. dein rus. Partner in einem Idiom, welches sie fuer Englisch halten, du selbst verstehst aber kein Wort

jeffk
30.08.2010 11:03

mir würds schon reichen wenn die ein halbwegs verständliches englisch sprechen würden

01052004
30.08.2010 10:32
auch als pflichtpfach

lernt man nicht unbedingt eine sprache...mein pflichtfachfranzösisch ist bei null.

englisch geht nur deshalb fließend, weil ich in london gelebt hab. mehrsprachigkeit wird dort finanziell ordentlich honoriert - die schießen sich mit ihrer one-language ins eigene berufsknie...

Neuer Nick neues Glück
30.08.2010 09:28

Keine einzige Fremdsprache als Pflichtfach ist wirklich erbärmlich.

Und jetzt warten wir mal auf die Ersten, die über die mittlere Reife stolpern...

Jup posts
30.08.2010 05:35
Sprachen die man m.E. in At lernen sollte

1. Englisch
2. Russisch (oder eine andere slawische Sprache)
3. Spanisch
4. Mandarin
5. Franzoesisch

A Voice
30.08.2010 11:00
Französisch

kann man mE streichen und durch Italienisch ersetzen.

Rene Stangeler
31.08.2010 13:40
Klar, Italienisch, damit kommt man überall durch

Französisch hingegen ist in vielen afrikanischen Ländern äusserst hilfreich.

Neuer Nick neues Glück
30.08.2010 13:52

Italienisch hingegen könnte man allgemein streichen.

diamant
 
30.08.2010 10:28
Und warum nicht etwa Estnisch?

Oder Kisuaheli?

Neuer Nick neues Glück
30.08.2010 09:29

Wozu Russisch?
Die geschäftlich interessanten Russen sprechen alle Englisch.

Spanisch - für Malle?!?

Mandarin - ist halt blöd, dass das in Hong Kong kein Mensch versteht.

poldi schoenus
01.09.2010 10:15
ob die wirklich

Englisch wie Englisch sprechen, sei einmal dahingestell

Rene Stangeler
31.08.2010 13:37
Wozu Spanisch?

pst, nicht weitersagen, es gibt da so ein paar Länder (nein, Mallorca ist kein Land) in denen Spanisch gsprochen wird.
Mexico, Peru, Chile, Ecuador, Costa Rica usw und so fort

poldi schoenus
01.09.2010 10:16
dann aber gleich

Portugisisch

Wirtschaftshierbleiber
30.08.2010 00:09

Bei manchen Engländern braucht man eine Weile bis man feststellt welche Sprache sie sprechen.

Truhe
 
30.08.2010 03:54

Tja, nicht nur Österreicher haben wüste Dialekte ;)

Philipp Valenta
 
29.08.2010 22:37
Wenn dann sind die Franzosen diejenigen,

die nicht mal Englisch können! Das ist sehr traurig! Außerdem wird Spanisch mehr und mehr zur "Trendsprache" nur nicht in Österreich!

A Voice
30.08.2010 11:03
Der Punkt ist

daß keine Fremdsprache gelernt wird, was bildungsmäßig eine echte Lücke ist. (Das sollte bekannt sein)

Die Franzosen kommen mit französisch so wenig weit, daß das Animo für sie Englisch zu lernen sicher größer ist als für einen Briten das, irgendeine Fremdsprache zu lernen.

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 30
1 2

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.