"Orakel von Omaha"

Investoren-Legende Warren Buffett ist 80

29. August 2010, 19:28

Seine Holding Berkshire Hathaway war in den 1960er-Jahren noch eine kleine Textilfirma - Gemischtwarenladen

An diesem Montag feiert der drittreichste Mensch der Erde seinen 80. Geburtstag: Warren Buffett. Sein Vermögen wird auf rund 47 Milliarden Dollar (36,8 Mrd. Euro) geschätzt. Nur der mexikanische Telekom-Tycoon Carlos Slim und Microsoft-Mitgründer Bill Gates haben nach der Forbes-Liste der Superreichen mehr Geld auf der hohen Kante.

"Orakel von Omaha"

Wenn Buffett investiert, ist das eine Ehre für das Unternehmen. Denn nur selten lag er falsch. Meist scheffelte er Millionen und machte auch diejenigen reich, die ihm nacheiferten. Die Briefe an die Aktionäre seiner Investmentgesellschaft sind berühmt. Seine zahlreichen Fans nennen ihn ehrfurchtsvoll das "Orakel von Omaha" - wegen seines guten Riechers und seines Geburtsorts in Nebraska.

Dort scheint ihm seine Karriere übrigens schon in die Wiege gelegt worden zu sein: Sein Vater war Wertpapierhändler, der kleine Warren soll seine ersten eigenen Aktien mit elf Jahren bekommen haben.

Von der Textilfirma zum Weltkonzern

Mit Berkshire Hathaway hat Warren Buffett eines der erfolgreichsten Konglomerate aller Zeiten aufgebaut. Übernommen hat er die kleine Textilfirma in den 1960er-Jahren. Heute gehören rund 80 Tochterfirmen dazu, von Bekleidungsherstellern (Fruit of the Loom) über Versicherer (Geico) bis hin zu einer Eisenbahngesellschaft (Burlington Northern Santa Fe). Darüber hinaus ist Berkshire Hathaway an einer Reihe von Großkonzernen beteiligt - von Coca-Cola über American Express bis hin zur Münchener Rück.

Rund 250.000 Menschen arbeiten für Berkshire Hathaway. Geführt wird die Holding von Buffett selbst mit einer kleinen Schar von rund 20 Mitarbeitern in der Provinz - in Omaha im US-Bundesstaat Nebraska. Sein engster Vertrauter ist sein Geschäftspartner Charly Munger. Den Chefs seiner Tochterfirmen lässt Buffett größtmögliche Freiheit, er selbst greift nur im Notfall ein.

Im ersten Halbjahr lag der Umsatz von Berkshire Hathaway bei 63,7 Milliarden Dollar (49,9 Mrd. Euro) und der Gewinn bei unterm Strich 3,5 Milliarden Dollar. Doch es hätte besser laufen können: Mit seinen Investments hatte Buffett zuletzt kein glückliches Händchen. Er hatte im zweiten Quartal auf steigende Aktienindizes gesetzt, doch sie fielen und brachten ihm Verluste ein. Trotzdem sind die Anteilsscheine von Berkshire Hathaway mit zuletzt rund 118.000 Dollar immer noch die teuersten Aktien der Welt. Weil sich kein Normalsterblicher das leisten kann, hat Buffett aber auch noch einen erschwinglichen Bruder aufgelegt, die sogenannten "Baby B's" oder "Baby-Berkshires" mit wesentlich weniger Stimmrechten, dafür aber zum freundlichen Kurs von 79 Dollar.

"Lustiger Typ"

Buffett gönnt sich als Chef (und Viertel-Eigentümer) von Berkshire Hathaway - aktueller Börsenwert: 195 Milliarden Dollar - ein Jahresgehalt von lediglich 100.000 Dollar. Wenn er private Telefonate im Büro führt, rechnet er das hinterher ab. Den ungeliebten Firmenjet besteigt er nur für geschäftliche Termine. Lediglich seinen Personenschutz lässt sich Buffett von der Firma bezahlen.

In Omaha lebt er heute noch immer in dem Haus, das er 1958 für 31.500 Dollar (24.778 Euro) gekauft hatte. Er zog an dem Anwesen auch seine drei Kinder aus erster Ehe groß. Seine Tochter Susie sagte vor ein paar Jahren in einem Fernsehinterview: "Dad ist der lustigste Typ, den es gibt." Auch ihre Geschwister Howard und Peter erinnerten sich gerne an ihre Kindheit zurück. Sie gingen auf normale Schulen, hatten normale Freunde.

Legendäre Gesangseinlage

Denn das Streben nach Luxus ist ihrem Vater fremd. Er will nichts Besseres sein. Bei öffentlichen Auftritten wirkt er bescheiden und sympathisch und macht auch grobe Späße mit. Legendär ist seine Gesangseinlage in einem Firmenvideo seines Versicherers Geico. Dort rockt Buffet im Outfit von Axl Rose mit Tattoos, langen Haaren, Stirnband und Lederjacke.

In den Ruhestand will Buffett noch lange nicht gehen, auch wenn Außenstehende bereits über seine Nachfolge diskutieren. "Ich plane, auch jenseits der 100 noch zu arbeiten", sagte er kürzlich in einem Interview. "Aber dafür muss ich vielleicht ein bisschen umdenken."

Zuletzt hatte er angekündigt, sich vom Großteil seines Besitzes trennen zu wollen. Das Geld soll in die wohltätige Stiftung seines Freundes Bill Gates fließen. Zusammen haben die beiden 40 andere Milliardäre überredet, auch ihr Geld für gute Zwecke herzugeben. (red, derStandard.at, 29.8.2010)

SRV
00
30.8.2010, 15:16

Für alle die sich nie mit Buffett beschäftigt haben, hier eine kurzweilige (relativ aktuelle) Doku der BBC in 6 Teilen:

http://www.youtube.com/watch?v=MuR7XcDJw0I

Er bestätigt das Klischee des gemeinen Superkapitalisten aber so was von gar nicht ;-)

lg

one man can make a difference
02
30.8.2010, 11:10
Geiler Typ.

Erfolgreich, intelligent, humorvoll, fleißig aber keineswegs verbissen, down to earth, ehrlich, bescheiden, menschlich und ein bißchen bescheuert.

Nennt mir einen einzigen Politiker, der diese Eigenschaften besitzt. Und sagt jetzt bitte nicht Obama.

der mann, der zuviel wußte...
00
30.8.2010, 10:49
Ad multos annos!

Dr. Schland
30
30.8.2010, 09:56

Happy Birthday, Geldsack!

der mann, der zuviel wußte...
00
30.8.2010, 10:49
was wollen Sie? Der Mann hat es letztlich aus eigener Kraft geschafft.

Dr. Schland
10
30.8.2010, 14:33

War ja gar nicht böse gemeint. Dass nächste setze ich ein zwinkerndes Smiley dahinter, etwa so: ;-)

(...)

Aber: Lieber ein Land mit einem starken Sozialstaat, als ein Land mit milliardenschweren Misantrophen.

one man can make a difference
00
30.8.2010, 20:09
und nochmal rot - dafür:

"Lieber ein Land mit einem starken Sozialstaat, als ein Land mit milliardenschweren Misantrophen."

Sie scheinen in den Vorurteilen gefangen zu sein:
1.: dass Reiche automatisch Misanthropen sind.
2.: dass das Vorhandensein eines Sozialstaats nur möglich ist, wenn es dort keine Milliardäre gibt.

Das ist beides einfach nur falsch und sonst nichts.

Alfred Busenschauer
00
29.8.2010, 20:23

Schickts den Artikel an den KHG, Meischberger, Schüssel, Blecha und Konsorten.

Bitte, Danke!

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