Frequenzen

Mehr als 100 Radios für Wien - die keiner will

29. August 2010, 19:14
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    foto: prull

    Jahrzehntelang Herr über die Frequenzen: Franz Prull.

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    grafik: standard

Franz Prull sagte jahrzehntelang, wer in Österreich wo funkt - im Abgang staunt er - Mit Grafik: Weiter Weg zum Privatfunk

Wien - "Die Situation ist verrückt", seufzt Franz Prull: Jahrzehntelang bestimmte er mit, wo und wie Privatsender in Österreich funken dürfen: "Mein ganzes frequenzplanerisches Leben habe ich den Vorwurf gehört, es gäbe zu wenig Frequenzen, zu wenig Möglichkeiten. Jetzt gibt es genug, in hoher Qualität - und keiner will's. Schade."

Vor der Pension hätte der stellvertretende Leiter der Medienbehörde KommAustria Österreich noch gerne in die fast unendlichen Weiten digitalen Radios begleitet. Wird sich nicht mehr ausgehen: Dienstag geht Hofrat Prull mit 63 Jahren in Pension. Er war für privates Funken zuständig, als kaum einer an legale kommerzielle Radios glauben mochte. Österreichs Medienpolitik ließ sich mit denen und dem Privatfernsehen - auch mit Blick auf die Interessen des ORF und der Zeitungsverleger - besonders lange Zeit.

Weil Frequenzen keine Staatsgrenzen kennen, werden sie international koordiniert. 1984 beriet man in Genf über UKW-Frequenzen. Rundfunk war damals der ORF, also verhandelten dessen Vertreter mit Prull. "Ein schöner Erfolg", erinnert sich Prull, "vom Gesichtspunkt des ORF aus."

Radiopiraten

Prull, zuvor bei den Funktechnikern von Rohde & Schwarz, bei Fairchild im Silicon Valley, bei Siemens, werkte 1984 schon als Postbeamter im Fernmeldetechnischen Zentralamt. Zuständig für Funktechnik, also auch befasst mit den Einsätzen gegen Radiopiraten, von Kommerziellen jenseits der Grenzen wie von Studentensendern im Inland. Um die aufzuspüren, hoben auch Hubschrauber ab. "Rucksacksender auf einem Baum am Kahlenberg", erinnert sich Prull schmunzelnd. Mancher damalige Radiopirat ist heute Programmchef, Geschäftsführer oder Eigentümer von ganz legalen Privatsendern.

An die dachte Prull schon 1984, sagt er heute. Seinen Bericht an die Post-Chefs über die Frequenzkonferenz in Genf beendete er mit einer Bitte: Sie mögen ihn mit der Planung für Privatradio beauftragen. "Damals bekam ich ein offizielles Schreiben der Post-Generaldirektion als oberste Fernmeldebehörde: kein politischer Auftrag, keine Ressourcen, danke für die Idee, Wiederschau'n."

14 Jahre wird es noch brauchen, bis in ganz Österreich private Radios senden können. 13 Jahre bis zu legalen Kabelprogrammen mit bewegten Bildern und Werbung. Und viele, viele Gesetze, die sich "nicht als verfassungsdicht" erwiesen, wie Prull sagt. Und die das Höchstgericht wieder und wieder aufhob.

Die Aufsicht über alles Funken kam 1993 ins Verkehrsministerium, Prull baute die Abteilung auf.

Er beriet die Regionalradiobehörde, die Privatrundfunkbehörde, und wie die politisch fein austarierten und letztlich doch oft verfassungswidrigen Gremien noch hießen. Bis 2001 eine Medienbehörde kommen musste. Prull wurde ihr stellvertretender Leiter, zuständig für Technik. In der gerade neu entstehenden sitzen nur Juristen.

Platz fürs Digitale

Als Beamter des Verkehrsministeriums warnte Prull 1999, dass wenig Platz für Digitalfernsehen bleibe, wenn analoges Privatfernsehen Frequenzen besetzt. ATV kam auf politischen Wunsch analog, und Prull fand, mit "enormer Arbeit und enormen Kosten", doch Platz fürs Digitale. Sein Trost: Wegen knapper Frequenzen liefen analog und digital nur relativ kurz parallel, was die Sache wieder billiger machte.

Analog nun nicht mehr genutzte TV-Frequenzen bekommen Mobilfunker. "Völlig logisch", findet Prull. Für TV über Antenne bleibe genug Platz. Mit Ausnahme Wiens vielleicht, wo man ihn am ehesten brauche. Aber: Der Betreiber von regionalem Digital-TV vom Kahlenberg pausiert gerade mangels Mietern. Und mit Jahresende dürfte die Frequenz für Handy-TV wieder frei werden, vermutet Prull.

Frequenzen für Digitalradio interessierten die Mobilfunker nicht. Aber auch nicht die Radiobetreiber, sagt Prull. Dass sie doppelte Sendekosten (UKW und Digital) und neue Konkurrenz wenig freuen, versteht durchaus.

Wie viele Sender hätten etwa für Wien Platz? "124 oder sogar 148", hat Prull einmal ausgerechnet. "Der Überfluss ist fast grenzenlos. Das kann die Programmschöpfung nie abdecken." Eine neue Erfahrung für den Verwalter der Knappheit. (Harald Fidler/DER STANDARD; Printausgabe, 30.8.2010)

Kommentar posten
17 Postings
Advaita0
00
30.8.2010, 19:30
Ab in die Pensi, Mr. Prull,

unter ihm war es sogar iLlegal (:-) die Musik vom iPod im Auto per Funk an das Autoradio zu senden!
Die kleinen Dinger mussten wir uns aus den USA holen, weil bei uns verboten!

Gilgamesch
00
30.8.2010, 17:59

würd gern ein wenig radio machen - kenn mich aber null aus ...

Fritz Meyer
00
30.8.2010, 14:56
20 Jahre zu spät.

Wenn's die Frequenzen vor dem Internet gegeben hätte, dann wäre die Situation wohl eine andere.

DagmarRehak
 
00
30.8.2010, 13:29
Ich würde ein paar nehmen.

Was muss man denn da machen, und was kostet es?

Franz BRAZDA
00
30.8.2010, 12:37
2009 .Servus TV startet als österreichweites PrivatTV

Franz BRAZDA
04
30.8.2010, 11:00
Gratulation und alles Gute wenn auch...

1) Die UKW-Frequenzplanung etwa im Wr. Raum nicht -mit hinzunahme der ORF-Frequenzen - für Erweiterung neuer Resourcen umgeplant wurde, was damals noch möglich gewesen wäre.
2) Weder die 2001 der dt. Telekom noch die von mir erstellte UKW-Frequenzstudie die nur belächelt und nie ernsthaft behandelt wurden.
3) Es in Bälde keiner detailierten Frequenzplanung bedürfe, da alle Radio und TV Sender dann via Mobilen(Digitale Dividende) und Festen(Glasfaser) -(LTE etc.)Breitbandnetzen empfangbar sind.
Somit wünsche ich Ihnen für ihren neuen Lebensabschnitt vor allem Gesundheit.
Alles Liebe und Gute
Franz Brazda

Wolfgang Leitner3
00
[...] da alle Radio und TV Sender dann via Mobilen und Festen [...]

Ich glaube nicht, dass das mobile Internet UKW jemals ersetzen kann - zumindest nicht in absehbarer Zeit.

Die Versorgung mit HSDPA ist - vor allem am Land - noch lange nicht so weit, dass ein Empfang ohne (längeren) Aussetzern möglich ist. Wie es mit LTE in Österreich weiter geht ist auch unklar.

Also, entweder, wir bleiben noch Jahrzehnte auf UKW (so wie es derzeit aussieht) oder es setzt sich wirklich mal DAB o.ä. durch.

Franz BRAZDA
00
DAB war schon vor 10 Jahren tot....

Wie viele DAB, DAB+ etc. Geräte gibts bei den diversen Händlern zu kaufen. Im Gegensatz gibts jetzt schon sehr wohl etliche Internetradios wenn auch noch zu teuer (Schmerzgrenze wäre 99.- Euro) bei Mediamarkt, Saturn etc. für den Konsumenten. Auch in Autoradios siehe IFA2010 hält das Internet einkehr. Genau hier sieht man wo der Trend hinläuft. Ist schon klar dass diese künftige freie Radio & TV-Vielfallt weder den Behörden, Politikern, Etablierten Programmen (ORF, Privatradio) und Kabelgesellschaften gefällt. Als Marconi den Funk entdeckte und einsetzte, gingen damals viele Kupfer- Kabelherstellungsfirmen pleite. Also es liegt jetzt an der Politik und Telekom Gesellschaften.
LG
Franz aus Wien

Wolfgang Leitner3
00
30.8.2010, 10:16

Interessanter Link zum Thema:
http://members.a1.net/markusurb... ingles.htm

Mycroft Holmes
11
29.8.2010, 21:07

Würd mich mal interessieren, wo die ganzen damals beschlagnahmten Rucksacksender - samt mehr als einmal "mitgegangenem" Equipment wie Plattenspieler, Mikros, Verstärker ... - eigentlich hingekommen sind. Unter die Christbäume der Funküberwachungs-Nachkommen? Auf den Mist- oder Mexikoplatz?

dajonny
00
30.8.2010, 01:03

oder vielleicht doch wieder bei den ursprünglichen Besitzern? *grübelgrübeldieweltistsokompliziert*

Samthand Schuh
43
29.8.2010, 20:51

Und der ORF macht weiter Programm für Pensionisten, die sich noch erinnern können, was Fernsehn einmal war. Die Hoffnung, dass der Relevanz-freie Sender noch einmal irgendwann etwas Interessantes zeigen wird, stirbt zuletzt. Und wenn alle ORF-Redakteure mit ihren tollen Verträgen und überzogenen Gehältern selbst in Pension gegangen sind, dann kann man den Sender endlich abstellen und niemandem wird er abgehen.

roko1950
03
30.8.2010, 13:16

So lange der ORF der Propagandasender der jeweils politischen Führung ist, wird er nie abgestellt werden.
Außerdem gibt es keine preisgünstigere Form der politischen Manipulation als jene, bei welcher die zu Manipulierenden ihre Gehirnwäsche per Gesetz selbst bezahlen müssen.

Der Querdenker
11
30.8.2010, 09:07

Ich glaube sie hören nur ORF Sender wie Radio Steiermark, probieren sie es mal mit FM4

Beamen bei Magnetstürmen
14
30.8.2010, 09:25

Ist auch schon zum Berufsjugendpensionistensender verkommen.

Sgt. Pinback
20
30.8.2010, 15:56
MACH. ES. BESSER.

ANSTATT. ZU. RAUNZEN.

dajonny
01
30.8.2010, 01:04

doch mir - und ich bin noch verhältnismäßig jung, also erzählen sie hier nicht die Unwahrheit!

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