Hypo Alpe Adria drohen neue Verluste

29. August 2010, 18:40
137 Postings

Abseits fauler Kredite und krimineller Verwicklungen sind neue Verluste im Zuge des Verkaufs bestehender Bankbeteiligungen programmiert

Abseits fauler Kredite und krimineller Verwicklungen sind neue Verluste im Zuge des Verkaufs bestehender Bankbeteiligungen programmiert. Die Wirtschaftsprüfer sichern sich gegen die Risiken des Kärntner Instituts ab.

***

Wien - Keine weitere Staatshilfe und keine Verluste im Jahr 2011: Das waren die Ansagen von Gottwald Kranebitter bei der Präsentation der Halbjahresergebnisse der Hypo Alpe Adria am vergangenen Freitag. Was der Bank-Chef nicht sagte: Der Ausstieg aus verschiedenen Märkten und Bereichen könnte mit weiteren Verlusten verbunden sein, für die noch keinerlei Vorsorge getroffen wurden.

Im Zusammenhang mit dem Umstrukturierungsplan, der auf Verlangen der EU-Kommission erstellt wurde, wird "in der aktuellen Geschäftsplanung 2010 bis 2014 mit hohen Restrukturierungs- und Ausstiegskosten gerechnet", heißt es dazu im aktuellen Jahresbericht. Diese können sich "entsprechend belastend auf die zukünftigen Perioden auswirken", heißt es weiter. Dass in der Bilanz keine Vorsorgen für die erwarteten Verluste getroffen worden sind, wird mit den Vorgaben des Bilanzstandards IFRS begründet. Demnach dürfe der Aufwand erst verbucht werden, wenn die Abgabe von Bereichen höchstwahrscheinlich innerhalb eines Zeitraums von zwölf Monaten erfolge. Neben den in der Bilanz schlummernden Immobilienprojekten geht es vor allem um Landesgesellschaften, deren Verkauf weniger einbringen könnte als bisher angesetzt. In Italien - die Trennung von dieser Tochter steht ganz oben auf der Forderungsliste der EU - ist die Hypo mit einem Eigenkapital von 314 Mio. Euro engagiert. In anderen nicht zum Kerngeschäft zählenden Märkten wie Ukraine, Ungarn oder Bulgarien stecken weitere 127 Mio. Euro Eigenkapital.

Diese Entwicklung sehen auch die Wirtschaftsprüfer von Ernst & Young mit Skepsis. Um sich gegen etwaige Haftungsansprüche zu wappnen, wird im Bestätigungsvermerk auf die fehlende Genehmigung der Staatshilfe durch die EU verwiesen, "weshalb wesentliche Unsicherheiten hinsichtlich der Fortführung der Unternehmenstätigkeit vorliegen". Zudem unterstreichen die Prüfer die vom Vorstand angeführte Bedrohung durch Kreditvorsorgen, die weiter ansteigen könnten.

Größte Verluste in Österreich

Apropos Ausleihungen: Die Hypo ist nicht am Balkan mit den größten Verlusten konfrontiert, sondern in Österreich. Hier fiel das Minus mit 82,7 Mio. Euro deutlich größer aus als etwa in Kroatien (minus 45,3 Mio.) oder in Serbien (minus 13,1).

In Istrien hat die Bank ihre Beteiligung am sagenumwobenen Tourismusprojekt Skiper von 25 auf 100 Prozent aufgestockt, geht ebenfalls aus dem Halbjahresbericht hervor. Die Hintergründe sind nicht bekannt. In die Villen- und Apartmentanlage, die von der Hypo mit 200 Mio. Euro finanziert worden sein soll, waren einst liechtensteinische Stiftungen, Ex-Mandatar Detlev Neudeck, der Geschäftsmann Miro Oblak oder Anwalt Gerhard Kucher involviert.

Der serbische Innenminister Ivica Dacic hat am Wochenende die enge Kooperation der Polizei mit österreichischen Behörden bei den Ermittlungen betont. (as, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 30.8.2010)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Nicht nur in Klagenfurt leistete sich die Hypo eine prestigeträchtige Zentrale, auch in Udine setzten die Kärntner ein Zeichen. Das Italien-Geschäft muss abgestoßen werden.

Share if you care.