Notenbanken stoßen an ihre Grenzen

29. August 2010, 18:27
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Neue Konjunkturhilfen angesichts bereits niedriger Zinsen umstritten

Jackson Hole / Wien - Vor einem Jahr debattierten die weltweit mächtigsten Notenbanker aufgeregt in Jackson Hole, Wyoming, wie man sich denn aus dem Konjunkturloch herausziehen könnte, das von der schlimmsten Finanzkrise nach dem Zweiten Weltkrieg aufgerissen wurde. Doch beim diesjährigen Treffen der US-Notenbank reden gerade die amerikanischen Zentralbanker darüber, wie sie verhindern können, dass die Konjunktur wieder in ein Tal schlittert.

Ben Bernanke, Chef der US-Notenbank Fed, steht dabei im Rampenlicht. Die jüngsten amerikanischen Konjunkturdaten waren "schwächer als prognostiziert", so Bernanke. Die Notenbank werde daher bereitstehen und alles tun, um eine erneute Rezession zu verhindern. Ökonom Allen Sinai von Decision Economics formuliert es deutlicher: "Wir müssen irgendwas anderes machen, weil das, was wir bisher getan haben, hat nicht funktioniert." Auch Jean-Claude Trichet, Präsident der Europäischen Zentralbank, betonte in Jackson Hole: "Unsere primäre makroökonomische Herausforderung ist es, eine weitere verlorene Dekade zu verhindern."

Doch die Frage ist, was die Notenbanken denn noch tun können. In England, den USA und Europa wurden die Zinssätze vor mehr als einem Jahr auf 0,25 bis ein Prozent gesenkt, negative Zinsen sind für die Banker tabu. Zudem hat jede der Zentralbanken direkt auf Märkten interveniert, um auch die langfristigen Zinsen, die für Hypotheken- und Unternehmenskredite wichtig sind, zu senken. Die Bank of England kaufte Staatsanleihen, die Fed Hypotheken- und Staatspapiere, die EZB erwarb Pfandbriefe und zuletzt auch Anleihen von angeschlagenen EU-Staaten wie Griechenland und Irland.

Lockerung umstritten

Ben Bernanke kündigte daher bereits an, weitere Staatspapiere zu kaufen (genannt: Quantitative Lockerung), um die Märkte weiter mit Liquidität zu versorgen. Zahlreiche Ökonomen rechnen damit, dass die Fed weitere Anleihenkäufe im Ausmaß von zumindest 1000 Milliarden Dollar (783,4 Mrd. Euro) durchführen wird, um die US-Wirtschaft wieder anzukurbeln. Doch der Sinn weiterer Lockerung ist umstritten. Denn als die Notenbanken vor mehr als einem Jahr ihre "unkonventionellen Maßnahmen" vorstellten, ächzten Unternehmen und Verbraucher unter hohen Zinsen. Heute sind die Zinsen hingegen schon auf niedrigem Niveau. Daher werden die Effekte weiterer Wertpapierkäufe deutlich geringer sein, erwartet etwa US-Ökonom Harm Bandholz von der UniCredit. Bandholz warnt zudem vor der "Machtlosigkeit der Geldpolitik", die Realwirtschaft anzutreiben, weil die "Transmissionskanäle verstopft sind". Banken würden das zusätzliche Geld als Reserven halten, aber nicht mehr Kredite vergeben.

Zudem warnen einige Zentralbanker und Ökonomen bereits vor den negativen Folgen der lockeren Geldpolitik. Thomas Hoenig, Chef der Fed in Kansas City, stimmte etwa bei den vergangenen Treffen der US-Zentralbank als einziger gegen die aktuelle Strategie. Er hält die aktuelle Nullzinspolitik für ein "gefährliches Spiel" und befürchtet, dass die Fed damit einen Kreditboom und Wertpapierblasen auslösen könnte. (Lukas Sustala, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 30.8.2010)

Kommentar

Leere Notenbankversprechen - Von Lukas Sustala

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