Salzburg verlor in Mattersburg 1:0 und verschaffte den Burgenländern wieder das zuletzt so schmerzlich vermisste Gefühl, doch auf der Welt zu sein
Mattersburg - Selten noch hat man den Mattersburg-Obmann so nervös
gesehen. Mit zunehmender Spieldauer neigt Martin Pucher ja zu so mancher
Extrovertiertheit. Diesmal entfuhr ihm nach dem xten Gelbfoul von Rabiu
Afolabi bloß die Feststellung, der frustriert wirkende
Salzburg-Verteidiger müsste längst schon unter der Dusche sein.
Ansonsten schwieg er, ballte die Fäuste so, als drückten sie die darin
verborgenen Daumen bis zur Schmerzgrenze.
Martin Puchers hoch konzentrierte Schweigsamkeit hatte etwas beinahe
Magisches, als fürchtete er, er könnte was verschreien. Seit der achten
Minute, seit diesem glücklichen Freistoß von Manuel Seidl aus 36 Metern,
führte sein SVM 1:0. Und das immerhin gegen den Meister. Und das
immerhin nach sieben verlorenen Spielen und unzähligen Beispielen dafür,
wie man einen Erfolg wieder verjankern kann.
Diesmal war es - unter Mitwirkung der Salzburger, klar - ganz anders.
So
wie Pucher blieb auch die Mannschaft bis zum Ende der fünfminütigen
Nachspielzeit konzentriert. Die knapp 3500 Zuschauer, die sich schon an
die Letschertheit des Teams gewöhnt hatten, trauten ihren Augen kaum.
Manche - Kapitän Michael Mörz zum Beispiel - schienen gar als ihre
runderneuerten Doppelgänger aufgelaufen zu sein.
Runderneuerte Doppelgänger
Franz Lederer, der zuletzt so geschurigelte Trainer, der sich gegen
den
Augenschein ein ums andere Mal die Welt schönreden musste, durfte
diesmal durchatmen. "Wir leben noch", meinte er. Zu Johannes Mario
Simmel fehlte da bloß das kurze "Hurra",
aber das trug er mit Sicherheit
im Herzen. Immerhin war es ihm sichtlich gelungen, endlich wieder zur
Mannschaft durchzudringen. "Am Montag haben wir eine ernste Aussprache
gehabt. Da habe ich unmissverständlich zu Männern geredet, zu
Bundesliga-Männern." Gerade für die Jungen war das offenbar der richtige
Ton.
Dass Glück dabei war bei diesem 1:0 über den Meister, bestreiten
weder
er noch sein Obmann. Glück, aber kein Zufall. Die Mattersburger gewannen
deutlich mehr Zweikämpfe, was Afolabi so entnervte, dass er schließlich
doch noch, in der 84. Minute, frühzeitig unter die Dusche ging.
Mag sein, Huub Stevens stellte sich dann zur Abkühlung dazu.
Jedenfalls
verweigerte der Salzburg-Coach in einem bemerkenswerten Akt von
amateurhafter Unsouveränität jede Stellungnahme.
Martin Puchers Nervosität verwandelte sich mit dem Schlusspfiff
schlagartig in eine Art dankbare Zufriedenheit. Das knappe, glückliche,
aber sehr verdiente 1:0, die ersten Saisonpunkte, das war auch sein
Sieg. "Wir sind unseren Weg konsequent gegangen, haben uns nicht aus der
Ruhe bringen lassen." Das Konzept mit den Jungen fange an zu greifen.
Nein, ein Sieg mache noch keinen Klassenerhalt. Aber die nächsten
Spiele
würden schon deutlich einfacher werden. "Wir haben gesehen, was wir
können", sagt Lederer, "das nehmen wir in die Länderspielpause mit."
Dem Martin Pucher ist ein gewisser Stolz anzuhören, wenn er sagt,
"wir
haben auch an Franz Lederer festgehalten". Und der dankte es ihm, indem
er offenbar den richtigen Ton traf. (Wolfgang Weisgram, DER STANDARD Printausgabe 30.08.2010)