Regionalkommissar: Mangel an Solidarität mit der EU
Alpbach - "Solidarität ist Mitwirkung, und die sollte in der Union eine
ungeteilte sein. Man kann sich nicht nur die Rosinen herauspicken." Mit
deutlichen Worten hat EU-Regionalkommissar Johannes Hahn zum Auftakt des
"Politischen Symposiums" beim Forum Alpbach die Haltung der Slowakei in der
Griechenland-Hilfe kritisiert. Gerade der "Rettungsschirm" der Euro-Partner und
der EU-Staaten, die nicht der Währungsunion angehören, habe gezeigt, das Europa
"einen gesunden Kern" hat und stärker ist, als manche befürchten. Ohne die
rasche Hilfe für Griechenland wäre es vermutlich zur "Kernschmelze des Euro" und
in der Folge zu schweren wirtschaftlichen Verwerfungen in Europa gekommen.
Und Hahn setzte hinzu: "Unsere neuen Freunde hätten das erste Mal die
Möglichkeit gehabt, einem alten EU-Land gegenüber Solidarität zu zeigen. " Ohne
die Slowakei beim Namen zu nennen, zielte er damit auf die Aussagen des
slowakischen Außenministers Dzurinda bei dessen Besuch in Wien vor einer Woche.
Dabei erklärte er, dass die Slowakei als einziges Land keine Griechenland-Hilfe
leisten werde, weil dies "Populisten nur ermuntert, Geld zu verschleudern".
Der EU-Regionalkommissar betonte in Richtung der neuen Länder, dass es nicht
nur um Investments, sondern um "gleichwertige Partnerschaften" gehe. Das Thema
des Forums lautet "Entwurf und Wirklichkeit". Ungarns Premier Victor Orbán und
seine slowakische Kollegin Iveta Radièová sagten ihre Teilnahme ab. (Thomas Mayer/DER STANDARD, Printausgabe, 30.8.2010)