ÖVP vergießt beim Wahlkampfauftakt viel "Steirerblut"

29. August 2010, 17:51
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SPÖ-Landeshauptmann Franz Voves konzentriert sich voll auf die Rolle als "Kämpfer für Gerechtigkeit"

Graz - Deutlicher und gleichzeitig nebuloser hätte es ÖVP-Chef Hermann Schützenhöfer nicht formulieren können, worum es ihm und seiner steirischen Volkspartei bei der Landtagswahl am 26. September geht: "Die Steiermark muss wieder die Steiermark werden."

Die Wiederbelebung des "Ur-steirischen": Mit dieser Hauptbotschaft zelebrierte die Parteiregie am Wochenende ihren ganz in den Landesfarben Weiß-Grün gehaltenen Wahlkampfauftakt in der Gösser-Brauerei-Halle im obersteirischen Leoben. Die für die ÖVP ungewöhnliche Ortswahl - immerhin zählt Leoben zu den letzten großen SPÖ-Trutzburgen - war die zweite Botschaft, die von hier ausgehen sollte. Die ÖVP will endlich auch bei den "kleinen Leuten" in den Industriezonen punkten.

Auf dem Transparent hinter dem Rednerpult in der Gösser-Halle stand die Botschaft des Tages in Weiß auf grünem Hintergrund: "Zurück zur Steiermark".

Diese steirische Identität sei unter dem roten Landeshauptmann Franz Voves sozusagen verloren gegangen. Was dieses "Zurück zur Steiermark" eigentlich bedeuten soll, ging in der Volksfeststimmung in der Bierhalle weitgehend unter. Von "Handschlagqualität" war die Rede und vom starken Auftreten in Wien. Subkutan schwang natürlich mit, dass "Zurück zur Steiermark" eigentlich "Zurück zur ÖVP" bedeuten soll. Denn im Selbstbild der ÖVP, die 60 Jahre lang die Steiermark regierte, war die Grenze zwischen Partei und Land sehr fließend.

Pröll ätzt über Voves

In dieser von emotionalen Rückbesinnungen aufgeheizten Stimmung präsentierte sich auch Vizekanzler und Bundesparteiobmann Josef Pröll als glühender Wahlsteirer. Er rief die rund 3000, mit übergroßen, grünen Klatschhänden ausgestatteten Besucher auf: "Gewinnt die Steiermark."

Das Land sei "mal vorne gewesen", nun aber in vielen Bereichen hinten, sagte Pröll: "Und das ist die Verantwortung von Franz Voves und seinen Sozialdemokraten. Voves war Profisportler, ist aber Amateurpolitiker." Voves habe ja nicht einmal etwas von ihm als Finanzminister für die Steiermark gewollt - im Gegensatz zu Schützenhöfer, der "jeden zweiten Tag bei mir in der Leitung hängt".

Voves über "Schmiedl Pröll"

"Warum soll ich zum Schmiedl gehen, wenn ich zum Schmied gehen kann", gab Franz Voves tags darauf bei "seinem" Wahlkampfauftakt in der Grazer Messe schnippisch unter Gelächter der rund 5000 Zuhörer zurück. Das war aber auch so ziemlich der einzige Aspekt, den Voves seinen politischen Gegnern widmete.

Voves, wie auch vor ihm Bundeskanzler Werner Faymann, waren ins Robin-Hood-Kostüm geschlüpft und hatten ganz andere im Visier: Die Verursacher und Kriegsgewinnler der Wirtschaftskrise. Der Landeshauptmann, der - wie auch Schützenhöfer tags zuvor - euphorisch mit Standing Ovations begrüßt wurde, kam rasch auf "die Sozialschmarotzer" zu sprechen. "Wer sind die wahren Sozialschmarotzer?", fragte Voves, um gleich selbst die Antwort nachzuliefern: "Die Investmentbanker, die Spekulanten und manche Vorstände multinationaler Konzerne." Sie hätten Volksvermögen vernichtet und müssten daher für die Krise nun auch zahlen. "Massensteuern" würde er nie akzeptieren. Als Voves einmal mehr eine Vermögensteuer einforderte - wie auch Salzburgs Landeshauptfrau Gabi Burgstaller zuvor in ihrer Rede - klatschte sogar Kanzler Faymann kräftig in die Hände. Dieser bekräftigte: Die "Verteilungsgerechtigkeit" werde das große zentrale Thema der SPÖ sein, mit dem er auch Koalitionspartner ÖVP beschäftigen wolle. Faymann: "Das ist eine gewaltige politische Auseinandersetzung, die vor uns liegt."

Da an diesem Wochenende die großen Scheinwerfer auf SPÖ und ÖVP gerichtet waren, blieben die kleineren Parteien im Schatten. Ebenfalls in Leoben mühte sich am Wochenende die FPÖ ab, ihr Leibthema "Ausländerproblematik" unter die Leute zu bringen. Angriffsziel Nummer zwei: Landeshauptmann Franz Voves.( Walter Müller, DER STANDARD, Printausgabe, 30.8.2010)

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