Schicksalswoche für Karstadt

29. August 2010, 16:06
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Gläubiger-Entscheidung am Donnerstag

Frankfurt/Main - Schicksalswoche für den deutschen Kaufhausriesen Karstadt: Am Donnerstag treffen sich in London die Gläubiger des Highstreet-Konsortiums, um über die neuen Mietbedingungen für die Warenhäuser des Konzerns in Deutschland abzustimmen. Einen Tag später entscheidet das Amtsgericht Essen über Annahme oder Scheitern des Insolvenzplans. Investor Nicolas Berggruen äußerte am Sonntag erneut Hoffnung auf eine Einigung. Der deutsche Wirtschaftsminister Rainer Brüderle forderte eine schnelle Lösung aller Beteiligten. Staatshilfe lehnte der FDP-Politiker ab.

Investor Berggruen will die verbliebenen 120 Karstadt-Kaufhäuser mit ihren 25.000 Beschäftigten nur übernehmen, wenn Highstreet als Eigentümer der weitaus meisten Grundstücke zu einer deutlicheren Mietsenkung als bisher bereit ist. Im Gespräch mit "Bild am Sonntag" zeigte sich ein Sprecher des 48-jährigen Kunstsammlers und Investors zuversichtlich, dass sich Highstreet auf die geforderten Mietsenkungen einlassen werde. "Wir freuen uns, dass nach Goldman Sachs auch die Deutsche Bank uns die Unterstützung zugesagt hat. Wir rechnen mit einem professionellen Abschluss der Transaktion, damit Karstadt erfolgreich in die Zukunft geführt werden kann", wird er zitiert.

Einigung größtes Hindernis

Die Einigung mit dem Vermieterkonsortium Highstreet, an dem unter anderem die Deutsche Bank und Goldman Sachs beteiligt sind, ist das größte Hindernis für den Verkauf der insolventen Warenhauskette an Berggruen. Highstreet besitzt die meisten Immobilien, die von Karstadt als Warenhäuser genutzt werden. Sie wurden verkauft und zurückgemietet, als Karstadt Teil des Handelskonzerns Arcandor war.

"Vermieter und Mieter müssen jetzt ihre Hausaufgaben machen und sich einigen. Das ist deren Verantwortung", sagte Wirtschaftsminister Brüderle wenige Tage vor Fristablauf der in Düsseldorf erscheinenden "Wirtschaftswoche". Die Parteien müssten zu einem "soliden Deal" kommen. "Der Staat kann und wird nicht Teil dieses Deals sein", fügte der FDP-Politiker hinzu.

Nach Kritik: Unterstützung von Deutscher Bank

Die Deutsche Bank hatte zuletzt ihre Unterstützung für Berggruen signalisiert. Sie erscheine als die sicherste Lösung für Karstadt, sagte Konzernvorstand Jürgen Fitschen der Zeitung "Die Welt". Berggruen hatte dem Frankfurter Kreditinstitut vorgeworfen, den lange nach Abschluss des eigentlichen Bieterprozesses als Interessent aufgetretenen italienischen Warenhausbetreiber Maurizio Borletti zu unterstützen. Er äußerte sein Interesse allerdings erst nach Ablauf der Frist.

Laut "Bild am Sonntag" hat der italienische Unternehmer in einem neuen Angebot dem Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg eine Zwischen-Finanzierung für Karstadt angeboten, um sofort alle Forderungen der Gläubiger bedienen zu können. "Damit könnte Herr Görg noch vor dem 3. September alle bestehenden Unsicherheiten über eine mögliche Liquidation aus dem Weg räumen", wird ein Borletti-Sprecher zitiert. Eine Antwort auf sein Angebot habe der Unternehmer allerdings nicht erhalten. (APA)

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