Deutscher Verteidigungsminister erstmals in Kampfzone in Afghanistan

29. August 2010, 15:56
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Guttenberg besuchte Vorposten in der Unruheprovinz Baghlan - Lammert bei Karzai

Baghlan - Als erster Spitzenpolitiker hat der deutsche Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg die deutschen Soldaten im Kampfgebiet in Afghanistan besucht. Fast zwei Stunden hielt er sich am Sonntag an einem Vorposten in der Unruheprovinz Baghlan auf, in der im April vier Bundeswehrsoldaten bei einem Angriff der Taliban getötet worden waren. Von dem Lager aus operiert die schnelle Eingreiftruppe QRF zusammen mit afghanischen Kräften.

"Es ist ganz wichtig, dass man die Realitäten nicht nur vom Schreibtisch aus beurteilt", begründete Guttenberg den Besuch in der Kampfzone. "Ich glaube, dass es sich gehört, dass sich der Minister bei seinen Soldaten auch mal blicken lässt, die hier über Wochen unter widrigsten Bedingungen ihren Dienst leisten." Der deutsche Bundestagspräsident Norbert Lammert traf unterdessen Präsident Hamid Karzai und ISAF-Kommandant David Petraeus in Kabul.

Gespräche mit Soldaten

Guttenberg hatte den Abstecher zu der Kampftruppe schon lange geplant. Beim ersten Versuch während seiner letzten Afghanistan-Reise im Juli kehrte er auf halbem Weg um, weil die Soldaten zu einem Gefecht ausrücken mussten. Jetzt ergriff er erneut die Gelegenheit und verzichtete dafür auf eine Begleitung Lammerts nach Kabul. In den Gesprächen mit den Soldaten der Eingreiftruppe informierte er sich über die Sicherheitslage und die Zusammenarbeit mit der afghanischen Armee. Er stand den Soldaten aber auch Rede und Antwort zum Stand der Bundeswehrreform und erklärte ihnen, dass die Streitkräfte zwar verkleinert, aber trotzdem gestärkt werden sollen.

Auf dem "Operation Point North" (Außenposten Nord), 70 Kilometer westlich von Kunduz, sind in mehreren kleinen Lagern rund 200 Soldaten der QRF seit dem Frühjahr stationiert. Bis vor wenigen Wochen war die Sicherheitslage äußerst angespannt. Im Zuge der Operation "Taohid" konnte die Taliban aber zurückgedrängt werden. "Momentan haben sie (die Taliban) offenbar kapiert, dass es hier nichts zu holen gibt", sagt der QRF-Kommandant, Oberstleutnant Jared Sembritzki. Die letzte Attacke auf die Bundeswehr in der Gegend mit einer Sprengfalle fand vor zwei Wochen statt.

Für Lammert erste Reise nach Afghanistan

Guttenberg war bereits zum fünften Mal in zehn Monaten in Afghanistan. Für Lammert war es die erste Reise an den Hindukusch in seiner fünfjährigen Amtszeit. Bei den Gesprächen des Bundestagspräsidenten in Kabul ging es um die aktuelle sicherheitspolitische Situation in Afghanistan. Karzai habe den afghanischen Wunsch nach einer Verstärkung des deutschen Engagements unterstrichen, hieß es aus dem Büro des Präsidenten. Am Morgen hatten Lammert und Guttenberg am Ehrenhain der Bundeswehr in Kunduz der gefallenen deutschen Soldaten gedacht. (APA/dpa)

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