Vom Fünfkampf zum Zweikampf

29. August 2010, 16:44
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Lewis Hamilton gewinnt turbulentes Regenrennen in Spa vor Mark Webber - Vettel, Button und Alonso bleiben ohne Punkte

Spa - Unter dichtbewölktem Himmel wurde Sonntags am Ardennenkurs von Spa-Francorchamps der Grand Prix von Belgien gestartet. Und dabei ergab sich im 13. von 19 Saison-Rennen gleich einmal ein heftig verbockter Auftakt für WM-Leader und Pole-Mann Mark Webber im Red Bull. Gleich fünf Konkurrenten musste der sitzengebliebene Australier an sich vorbeiziehen lassen. Lewis Hamilton (McLaren) vor Jenson Button (McLaren), Sebastian Vettel (Red Bull) sowie Robert Kubica (Renault) lautete zunächst die Rangfolge.

Schon in der zweiten Runde setzte dann der prognostizierte Regen ein und sorgte gleich einmal für ordentlich Gerutsche, in dessen Gefolge Rubens Barrichello Fernando Alonsos Ferrari abschoss. Der Spanier zog in der Box Intermediates auf, während der Rest des Feldes (zunächst richtigerweise) spekulierend auf Slicks verblieb. Die Rennleitung brachte indessen das  Safety-Car zum Einsatz.

In der vierten Runde erfolgte dann bei auftrocknender Strecke die erneute Freigabe des Rennens mit McLaren-Doppelführung. Ganz flott unterwegs in der Anfangsphase: Michael Schumacher. Der Deutsche kämpfte sich von Startplatz 21 zügig auf Rang zehn nach vor - wobei er beim Überholmanöver seinem Teamkollegen Nico Rosberg einen Teil des Vorderflügels vom Wagen fuhr.

Hamilton erwies sich unterdessen als schnellster Mann im Feld und setzte sich von Button ab, der seinerseits dazu überging Vettel aufzuhalten. In der 17. Runde dann ein schwerer Schnitzer des ungeduldig gewordenen Deutschen, der beim Anbremsen auf die Bus-Stop-Schikane die Herrschaft über seinen Boliden verlor und in den Kühler des Weltmeisters krachte. Der Brite war damit aus dem Rennen, Vettel ("Es war mein Fehler") fiel nach dem Tausch der zermerscherten Frontpartie des Red Bull weit zurück. Zu allem Überdruss handelte er sich wie schon in Ungarn eine Durchfahrts-Strafe ein.

Profiteur: Webber, nunmehr neuer Dritter hinter Hamilton und Kubica. Wenig später läutete der Australier den Reifenwechselreigen ein. Schumacher war da bereits Sechster, allerdings noch ohne Stopp.

Zehn Runden vor Ende des Rennens griff dann wieder Regisseur Regen ins Geschehen ein. Die drei Spitzenreiter ignorierten das jedoch zunächst und entschlossen sich slickbereift auf der Strecke zu bleiben. Bei Hamilton machte sich das Risiko jedoch nicht bezahlt: Er rutschte ins Kiesbett, hatte aber Glück nicht anzuschlagen und das Rennen fortsetzen zu können. Verspätet zogen er, Kubica und Webber dann die Intermediates auf. Die Red-Bull Mannschaft fertigte den Australier derart flott ab, dass dieser am Renault-Piloten vorbeizog, der nicht punktgenau auf der Haltemarkierung zu stehen kam. Nunmehr lagen der Zweit- sowie der Erstplatzierte der WM-Wertung unmittelbar hintereinander.

In der 38. Runde schmiss Alonso seinen Ferrari endgültig von der Strecke. Damit war klar: Neben Vettel (am Ende 15.) und Button würde auch der Spanier Belgien ohne Punktezuwachs verlassen. Da der rote Bolide ungünstig platziert stand, folgte während dessen Bergung die zweite Phase mit Safety-Car. Nach dem Re-Start unter heftigem Schütten drehte sich Jarno Trulli im Lotus quer über die Strecke, glücklicherweise ohne einen anderen Wagen zu touchieren.

Hamilton behielt an der Spitze trotz im Rückspiegel größer gewordener Verfolger die Nerven und hielt Webber wie Kubica auf Distanz. Der Ex-Weltmeister pilotierte seinen McLaren zu seinem ersten Sieg in Belgien und übernahm mit dem dritten Saisonerfolg die WM-Führung, drei Punkte vor Webber. Der Australier wurde trotz des Malheurs am Start vor Kubica Zweiter. Hinter dem Treppchen-Trio kam Felipa Massa nach unauffälligem Rennen auf Platz vier ein. Adrian Sutil auf Force India wurde Fünfter vor den Mercedes-Duellanten Rosberg und Schumacher. Das Duell um die WM hat sich von einem Fünf- in einen Zweikampf verwandelt. Fortsetzung folgt am 12. September in Monza. (Michael Robausch)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Lewis Hamilton holte sich gleich am Start die Führung und sollte sie bis ins Ziel nicht mehr abgeben.

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